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10. März 2008, 14:28 Uhr

Der Ed und seine Kräder

Nach dem Erfolg seines Ed Hardy-Fashion Labels nimmt sich der in Los Angeles agierende und in Frankreich geborene Star-Designer Christian Audigier nun auch Motorräder vor. Zusammen mit den kalifornischen Bike Customizers Ultracycles bastelt er an einer Kollektion mit wahrem Vroom. Helmut Werb, San Francisco

Christian Audigier: "Wir könnten schon noch einiges auf den Markt werfen"© Helmut Werb

Kaum hatte Christian Audigier, der innovative Macher hinter dem kalifornischen "Trash-Fash"-Label Ed Hardy seine erste Hundert-Millionen-Dollar Hürde genommen, schon wagt sich der in Avignon geborene Franzose an ein neues Feld - Motorräder, und alles was dazu gehört. Monsieur Audigier, ganze 50 Jahre alt, dessen Firma ein gewaltiges Areal im Los Angeles-Stadteil Culver City belegt, ist selber "bike crazy", wie er es nennt: In seinem recht geräumigen Chef-Büro stehen allein drei Stück, darunter eine antike Triumph und eine Uralt-Harley. Einen Stock tiefer, im Empfang, nehmen eine Audigier-customized Harley Softtail und eine tiefschwarze Buell den meisten Platz vor der Promi-Wand weg. "Meine große Liebe", grinst der umtriebige Unternehmer, dessen knallbunt-verrücktes "Tatoo Wear" von allen getragen wird, was in Hollywood Rang und Namen hat.

Die Dankeshymnen von Sylvester Stallone an Christian A. nehmen eine ganze Wand ein, kein Wunder also, dass der Ed Hardy-Macher deshalb eine volle Rambo-Kollektion in die Verkaufsräume des inzwischen weltweit operierenden Unternehmens stellt, von der zusammen mit dem französichen Altstar Johnny Haliday kreiierten SMET-Kollektion ganz zu schweigen. Die Fotos von Madonna bis Hulk Hogan, von NBA-Bad-Boy Dennis Rodman bis zu Snoop Dogg, von den Girlie-Traumboys Justin Timberlake und 50 Cent bis zu den Skandalnudeln Britney Spears und Paris Hilton, von der gesamten Riege kunst-geblondeter Starlets bis zu so ziemlich jedem Rapper, der jemals ein Mikrophon unsicher machte, ersetzen die Tapeten in Christians Reich, in dem fast ausschliesslich französisch geredet wird. Selbst Hillary Rodham Clinton prangt lächelnd an der Wand. Mit einem Ed Hardy-Baseball Cap natürlich.

Knallbuntes "Tatoo Wear"-Design

Und nun will er sich also - nach T-Shirts, Hüten und Energy Drinks - fette Kräder vornehmen. Weshalb Christian, erfahrener Unternehmer, der er nun mal ist, erst mal mit den dazugehörenden Helmen übt, einer Kollektion von hübsch verzierten Dingern, mit Bulldoggen drauf, lustigen Totenschädeln und blitzblauen Flammen, alles im typischen, knallbunten "Tatoo Wear"-Design, das bei der Audigier-liebenden Prominez so angesagt ist. Selbst für die Damenwelt, reichlich vertreten unter der Ed Hardy-Kundschaft gibt’s den zum Handtaschenhund passenden Kopfschutz in Zartrosa. "Ich finde Helme eigentlich langweilig, ausser meinen eigenen natürlich", sagt er, der am liebsten ohne Kopfschutz durch die kalifornischen Einkaufsmeilen brettern würde, wäre da nicht das rigoros durchgesetzte kalifornische Helm-Gesetz, das besagt, dass Motorradfahrer ohne was auf dem Schädel bis zu 350 US Dollar Strafe zahlen müssen. Ja, meint er nun enthusiastisch, "wir haben schon mit einer Kollektion von Customized Bikes angefangen." Zusammen mit der von MTV bekannten kalifornischen Motorradschmiede Ultracycles baute er bisher vier Modelle, alle basierend auf Harleys und im Ed-Hardy arterhaltenden Design, und bei entsprechenden Erfolg sollen es demnächst noch mehr werden, viel mehr.

"Wir könnten schon noch einiges auf den Markt werfen", sagt er, die bisherigen Modelle seien im praktisch aus der Hand gerissen worden, obwohl der sonst so publicity-freundlich Christian sich über die real existierende Motorrad-Kundschaft untypisch in Schweigen hüllt. Ob die Krad-Kollektion nun eine Serie von Harley’s sein wird, wie die an seinem Empfang, oder ob er sich nicht doch lieber eine Triumph oder gar eine Norton vornehmen mag, lässt er dahingestellt. Auf jeden Fall aber dürften die Bikes auffallen. Und von den Stars gefahren werden. Denn nur die haben das verfügbare Bare ausreichend zur Hand - die Ed Hardy Bikes beginnen bei lockeren fünfzigtausend Dollar. Nach oben wenig Grenzen.

Helmut Werb, San Francisco
 
 
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