Sven Quandt, der Chef des BMW-X-Raid-Team, schildert die Erfolge und die Niederlagen des Renntages bei stern.de.

Die zwölfte Etappe war nach Meinung einiger Teilnehmer viel zu schwer© X-Raid
Was für eine Rallye Dakar! Seit dem 3. Januar 2009 waren wir im Dauereinsatz, um das Spektakel nun mit einer rauschenden Abschlussparty gebührend ausklingen zu lassen. Das gesamte Team feierte ausgelassen miteinander bis spät in die Nacht. Zugegebenermaßen ging es bis 4.30 Uhr morgens, sodass man diesen Event auch gut und gerne als die 15. Etappe bezeichnen könnte.
Erst einmal gratuliere ich VW ganz herzlich zu Ihrem Doppelsieg. Was wäre die Dakar ohne entsprechende Wettbewerber, und wir freuen uns schon darauf, im kommenden Jahr wieder gegen eine so gute Spitze antreten zu können. Vieles war neu. Mitsubishi, der Sieger der letzten sieben Dakars in Folge (zwölf Gesamtsiege), war ja zum ersten Mal mit Dieselmotor angetreten und hat jetzt sicherlich auch ein spannendes Entwicklungsjahr vor sich.
Nun aber erst einmal der Reihe nach: Bei der letzten und 14. Etappe zwischen Córdoba und Buenos Aires konnte das X-raid Team eine zweit -und fünftschnellste Zeit vermelden. Das war sicherlich die herausforderndste und unvorhersehbarste Dakar in der 31-jährigen Geschichte der berühmten und berüchtigsten "Cross-Country-Rally" der Welt. Unser französisches Team mit Guerlain Chicherit und seinem Beifahrer, Matthieu Baumel (der heute auch noch seinen 33. Geburtstag feierte) sorgte für zwei dramatische Wochen mit der fünftschnellsten Zeit bei dieser letzten Etappe, nachdem er den ersten CP (Kontrollpunkt) noch als Erster passiert hatte.
Das Ergebnis reichte Chicherit für eine Gesamtplatzierung auf Rang 9. Sein russischer Teamkollege, Leonid Novitskiy fuhr noch einmal die zweitbeste Zeit der finalen 227 km Wertungsprüfung ein und landete auf einem fantastischen achten Platz der Gesamtwertung.
Nicht so glücklich war das Ende für unseren holländischen Fahrer René Kuipers, der mit seinem portugiesischen Beifahrer, Filipe Palmeiro ein hervorragendes Dakar-Debüt geboten hatte. Leider verhängte der Veranstalter (ASO) im Nachhinein eine Zehn-Stunden-Zeitstrafe für mehrere Teams, die die finale Wegstrecke auf der Stage zwischen La Rioja und dem Eintreffen in das Bivouac in Córdoba ausgelassen hatten. Das kostete Kuipers seinen zehnten Platz der Gesamtwertung, sodaß er, trotz siebtschnellster Zeit auf der letzten Etappe, bei der Gesamtwertung auf Platz 18 rutschte.
Drei unserer sechs BMW X3 CCs sind ja leider, wie schon berichtet, ausgefallen: Auch wenn unser Qatari Nasser Saleh Al-Attiyah mit seiner schwedischen Beifahrerin Tina Thörner anfangs der Geheimtipp der Eröffnungsstages war und zwei schnellste Etappen hingelegt hatte, wurden die beiden ordnungsgemäß disqualifiziert, bevor sie die Anden nach Chile überqueren konnten, weil sie ein paar entscheidende Wegpunkte in einer Anreihung von Dünen ausgelassen hatten. Ein Feuer in der Wertungsprüfung bedeutete das Aus für unseren Holländer Peter van Merksteijn und seinem belgischen Co-Driver Eddy Chevallier. Lokalmatador und Argentinier Orlando Terranova mit seinem französischen Beifahrer Alain Guehennec bewegten sich stets unter den Top Zehn, bis sie auf der zehnte Etappe in eine kleine Schlucht abgerutscht waren und ein konzentrierter Einschlag den Sicherheitskäfig so beschädigte, daß sie aufgeben mussten.
Abschließend sind wir glücklich darüber, daß keines unserer Fahrzeuge auf Grund eines technischen Defekts aus dem Rennen geworfen wurde. Nasser hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Auto das Potenzial hat, die Dakar zu gewinnen. Mit zwei Platzierungen unter den Top Zehn sind wir mehr als motiviert, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein und den Sieg im Auge zu behalten.
Die gesamte Veranstaltung war jedoch ein voller Erfolg! Über eine halbe Million Menschen waren bei dem Start dabei und sogar noch viele mehr sind zum Zieleinlauf. Das Interesse welches bei der lokalen Bevölkerung geweckt werden konnte, hat uns sehr berührt und trägt zu einer Euphorie bei, die einen hoffen lässt, dass das Jahr schnell vorbei geht, um wieder hier zu sein.