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Rebellion an der Tankstelle

Ohrfeige für die Bundesregierung: Sie pumpte den Biosprit E10 mit Macht in den Markt, aber die Autofahrer wollen ihn nicht tanken. Die Mineralölindustrie zieht die Notbremse - ein Desaster mit Ansage.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Merke: Was der Autofahrer nicht kennt, tankt er nicht. Wenn es um das Herzstück seines liebsten Kindes geht, sprich den Motor seines Autos, geht der Deutsche kein Risiko ein. Schon deshalb musste die Einführung der neuen Öko-Spritsorte E10 scheitern. Daran konnte auch das mickrige Infoblatt, das die Bundesregierung vor Marktstart verteilen ließ, nichts ändern.

Nur Ärger mit der neuen Sorte

Und auch die Mineralölindustrie hat die Probleme unterschätzt. Gewaltig unterschätzt. Der flehende Appell des Hauptgeschäftsführer des Minerölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, doch bitteschön E10 zu tanken, verhallte ungehört. Jetzt ist das System geplatzt. Die E10-Lager laufen über, und Super Plus wird zur Mangelware. Nach den massiven Absatzproblemen mit dem neuen Biosprit E10 muss die bundesweite Einführung vorläufig ausgesetzt werden.

Dabei war der neue Sprit für die Industrie sowieso von Anfang an ein ungeliebtes Kind. Denn anders als mit den teueren Super-Super-Sorten, die jede Marke seit einiger Zeit im Angebot hat, lässt sich mit ihm kein zusätzlicher Gewinn zu erzielen. Reklame? Fehlanzeige! Ein programmiertes Desaster.

Die Reaktion der Politik auf diesen massiven Käuferstreik lässt sich vorhersagen. Der starrköpfige Verbraucher wird zum Schuldigen erklärt. Weil er nicht so spurt, wie Berlin und Brüssel es bestimmt haben. Doch der Kunde ist zutiefst verunsichert. Aber nicht aus Dummheit, sondern zu Recht. Zwar sollen die meisten Wagen den höheren Ethanolanteil problemlos vertragen, aber Vorsicht ist dennoch angebracht. Erfahrungswerte gibt es noch nicht so viele und wer einmal falsch tankt, dem droht ein kapitaler Motorschaden, für den keine Versicherung einspringt.

Wo bleibt die Überzeugungsarbeit?

Dazu kommt die Angst vor Spätschäden. Wer seinen Motor länger als 150.000 Kilometer fahren möchte, sollte ihm mehr als nur die notwendigste Pflege angedeihen lassen. Eine Langzeitgarantie für E10 gewährt der Staat nicht. Zudem gibt es erste Hinweise, dass E10-Fahrer mit einem deutlichen Mehrverbrauch rechnen müssen. Der Preisvorteil von E10 gegenüber dem teueren Super Plus wäre damit dahin.

Höhere Gründe, warum der Autofahrer seinen Eigensinn überwinden sollte, sind nur schwer zu erkennen. Selbst Fachleute bezweifeln, dass die massenhafte Umwidmung von landwirtschaftlicher Fläche zur Bio-Spritproduktion tatsächlich der Umweltnützt. Nach der Bauchlandung an der Tankstelle, muss sich die Politik jetzt entscheiden: Entweder sie sucht eine sachlich begründete Lösung und überzeugt damit die Bürger im Dialog. Oder sie schreitet weiter mit Dekreten und Verboten Richtung Ökodiktatur.

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