Neidische Blicke nach Europa

14. Januar 2008, 11:20 Uhr

Die Europäer haben es vorgemacht: Leistung und Energiesparen liegen auf der Detroit Auto Show im Trend - der Diesel kommt zögerlich, Elektro-Power ist in aller Munde. Doch auf den SUV verzichten will kaum einer.

Was will Dr. Zetsche uns sagen? Mit dem GLK vor der Tür klappt es auch mit den Blondinen?©

Eines darf man nicht vergessen. Man kann die USA weder mit Asien noch Europa vergleichen. Die Autos sind größer, gleichermaßen sparsame wie drehmomentstarke Diesel ein Buch mit sieben Siegeln und SUV und Pick Ups sind für viele eben ungemein praktisch. Keine Gefahr also, dass die Detroit Motor Show zum Start des Automobiljahres 2008 zu einer reinen Ökomesse verkommen könnte. Angesichts der stark gestiegenen Kraftstoffpreise rührt sich etwas – bei den Kunden und bei den Herstellern. Auf die Idee, in den weitläufigen USA Klein- und Kompaktwagen auf den Markt zu pressen, bringt wenig. Hersteller wie General Motors, Chrysler und Ford haben wenig erfreuliche Jahre hinter sich. Japaner und Koreaner geben gleichermaßen Gas und schlagen die Amerikaner auf dem Heimatmarkt mit den eigenen Waffen.

Ende des Achtzylinders

Doch so langsam scheint den ins Wanken gekommenen US-Giganten ein Licht aufzugehen. Wie man auf den Messegängen der Cobo-Hall hört, geht das Interesse an der Entwicklung überdimensionierter Achtzylinder zurück. Sie sollen zwar für Topmodelle der SUV und Luxuslimousinen nicht ganz verschwinden, aber an Bedeutung deutlich verlieren. An ihre Stelle sollen kleine und deutlich effizientere Sechszylinder mit Benzindirekteinspritzung im ersten Schritt und kombinierter Turboaufladung in einem zweiten Schritt treten. Neidisch schauen viele Firmen nach Europa, wo die ersten kleinvolumigen Vier- und Sechszylinder zeigen, dass sich Leistung, Fahrdynamik und ein geringerer Verbrauch nicht ausschließen.

Der neue Dodge Ram kam mit Longhornherde und Cowboys©

Mild-Hybrid im Trend

Flächendeckenden Einzug halten auf der NAIAS 2008 die so genannten Mild-Hybrid-Komponenten. Während Voll-Hybriden bei Fahrten auf Highways und über Land kaum nennenswerte Verbrauchsvorteile bringen und in erster Linie in den Innenstädten punkten können, ist die Implementierung von Boost-Systemen und Start-Stopp-Automatiken deutlich einfacher. Verbrauchseinsparungen von bis zu 20 Prozent soll eine neue Motorenfamilie der Ford Motor Company bieten, die auf der NAIAS erstmals vorgestellt wurde. Neu entwickelte "EcoBoost"-Vier- und Sechszylindermotoren kombinieren eine Benzin-Direkteinspritzung mit Turbo-Aufladung. Die EcoBoost-Motoren werden zunächst auf dem nordamerikanischen Markt in Modellen von Ford, Lincoln und Mercury zum Einsatz kommen.

Mit dem Audi R8 V12 TDI macht Dieseln Spaß©

Motorenevolution

"Die hoch moderne EcoBoost-Technologie von Ford ist aus Kunden- wie aus Umweltsicht gleichermaßen von großer Bedeutung", erläutert Derrick Kuzak, als Vize-Präsident der Ford Motor Company verantwortlich für die globale Produktentwicklung. "Die EcoBoost-Technologie kommt künftig in unterschiedlichen Motoren in einer großen Bandbreite von Modellen zum Einsatz, die vom Kleinwagen bis hin zu unseren großen Pick-Ups reicht." Ihr Debüt feiert die Boost-Technologie im neuen Lincoln MKS. Das Lincoln-Flaggschiff kommt 2009 auf den nordamerikanischen Markt und wird über einen 3,5 Liter großen V6 mit Twin-Turboaufladung verfügen, der voraussichtlich eine Leistung von 340 PS sowie ein maximales Drehmoment von 461 Nm entwickelt. Ab 2013 will Ford in Nordamerika jährlich mehr als eine halbe Million Fahrzeuge mit diesen modernen Motoren produzieren. Vorerst außen vor bleiben die Hightech-Motoren bei der neuesten Generation des Ford F-150, dem meistverkauften Fahrzeug der USA. Der erfolgreiche Pick Up erlebt in Detroit ebenso seine Weltpremiere wie der neue Dodge RAM, der außer mehr Leistung und einer verbesserten Ausstattung nicht viel Neues im Köcher hat.

E-Motoren von GM

Während Dodge auf Bewährtes und Ford auf Turbopower setzt, hat sich der GM-Konzern nicht erst seit der viel beachteten Detroit-Studie Volt auf das Thema Elektroantrieb kapriziert. Während der Crossover Cadillac Provog allein einen Ausblick auf die weiterentwickelte E-Flex-Architektur gibt, zeigt sich der Saturn Vue Green Line deutlich realer. In Europa ist der Vue leicht modifiziert als Opel Antara auf dem Markt. Während in Europa derzeit allein Benzin- und Dieseltriebwerke verfügbar sind, ist der jedoch allein als Fronttriebler verfügbare Vue Green Line mit einem modernen Benziner ausgestattet. Der 3,6 Liter große V6-Benziner mit Direkteinspritzung und variablem Ventiltrieb wandelt auf BMW-Spuren und ist zudem mit einem Mild-Hybrid-System ergänzt, das die Reichweite auf beeindruckende 800 Kilometer wachsen lässt.

Die Vorstellung der deutschen Hersteller beeindruckte nicht nur die amerikanischen Messebesucher. Eines der schönsten Autos auf der Show ist der Passat CC, eine überaus sehenswerte Sportlimousine, die dem Mercedes CLS nicht nur nacheifert, sondern ihn in punkto Design keinen Deut hinterherhinkt. So schön kann ein Volkswagen sein. Konzernschwester Audi zelebrierte auf der NAIAS einen imposanten Aufschlag.

Audi zeigt den Über-Diesel

Nicht dass der von Brian Adams live eingeführte 272 PS starke Audi TTS nicht schon für genug Applaus gesorgt hätte. Da erdreisten sich die Ingolstädter, vom sagenhaften Supersportler Audi R8 auch noch die Vision eines V12-Diesel vorzustellen. Le Mans lässt grüßen. Da verstehen die meisten Amerikaner die Welt nicht mehr und die Japaner schütteln nur verdutzt den Kopf. Würde es den 500 PS und 1000 Nm starken R8 V12 TDI auf der Messe nicht geben, hätte der Ferrari F 430 das grüne Feigenblatt verdient. Der Renner aus Maranello wirbt auf der Detroiter Messe selbstbewusst mit einem für ihn ungewöhnlichen Bio-Fuel-Slogan. Die Zeiten ändern sich.

Mit BioPower wirbt auch die neue Studie des Saab 9-4x – so sieht die nächste Saab-Generation aus, die wohl im nächsten Jahr auch nach Europa kommt. Über noch mehr Aufmerksamkeit konnte sich der neue Mercedes GLK freuen, der ab Spätsommer auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem Publikumsrenner werden dürfte und in den harten Wettstreit zwischen BMW X3 und VW Tiguan eintritt.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
gmathol (15.01.2008, 05:32 Uhr)
Tempolimit in den USA liegt zwischen 90 und 120 Stundenkilometern!
Wozu braucht es da Hubraumriesen oder 300 PS und mehr? Sicher die Pickup Trucks/SUV/s brauchen Drehmoment starke Motoren aber da muss der Diesel ran oder eine Loesung mit Elektromotor mit untergeordnetem Kraftstoffaggregrat oder besser Brennstoffzelle.
In den USA baut Ford immer noch 10 Tonner mit Benzinmotoren! Diese verbrauchen zwischen 35-40 Litern Benzin auf 100 Kilometern! Das ist Wahnsinn!
Europaeische Autokonzerne wie Audi, BMW oder Volkswagen liefern die unglaublichsten Spritsaeufer in die USA. Leider kann man das nicht stoppen.
Alle Motoren mit mehr als Vier Zylindern gehoeren endlich abgeschafft.
Wer Ferrari Sound braucht der kann dies mit einer CD/DVD ueber die Lautsprecher Boxen mit entsprechender Software emulieren.
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