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4. Dezember 2007, 16:59 Uhr

Sparsam, das war einmal

Er stank, rußte und ruckelte. Doch dann holte der Dieselmotor mächtig auf, bei hubraumstarken Modellen hat er den Benziner inzwischen abgehängt. Jetzt kostet Diesel vereinzelt mehr als Super. Kommt nun das Ende einer Ära? Von Christoph M. Schwarzer

Der Spar-Spaß ist den Dieselfahrern inzwischen vergangen© Christof Stache/AP

Warum erhöhen die Mineralölkonzerne die Preise? Weil sie's können. Das zumindest ist der Eindruck, den der neueste schlechte Preiswitz bei den Fahrern erzeugt: Leser der Bild-Zeitung haben mehrere Tankstellen entdeckt, bei denen der Dieselpreis den von Superbenzin überholt hat. Und selbst, wenn das Einzelfälle sind, ist die durchschnittliche Differenz auf nur sieben Cent zusammengeschrumpft. Dazu der ADAC: "So ein Preischaos haben wir noch nicht erlebt!" Ein Chaos, das Lenker und Kaufinteressenten vor die Frage stellt: Lohnt sich mein Diesel noch, oder ist jetzt Schluss mit dem Trend zum Selbstzünder.

Unterschiede bei der Mineralölsteuer

Die Energiesteuer, ehemals Mineralölsteuer genannt, ist jedenfalls nicht die Ursache für die Angleichung von Diesel- und Benzinpreisen. Sie liegt wie gehabt bei 47 Cent für Diesel und gut 65 Cent für Ottokraftstoffe. Macht knapp 20 Cent Unterschied. Es sind diese theoretischen 20 Cent, die jeden Autokäufer vor die Frage stellen, ob sich der Mehrpreis beim Kauf eines Diesels plus der höheren Kfz-Steuer plus der höheren Wartungskosten über den Verbrauch wieder reinfahren lässt. Ziemlich genau die Hälfte der Neuwagenkäufer hat im Oktober 2007 ja zum Diesel gesagt.

Dieselanteil stark gestiegen

Wie stark der Trend zum Heizöl-Ferrari geworden ist, beweist ein Blick ins Archiv: Im Editorial der "auto, motor und sport" vom November 1995 verspricht ein Londoner Marktforschungsinstitut einen dicken Anstieg des Dieselanteils von 15,4 Prozent im Jahr 1996 auf 25,4 Prozent für das Jahr 2004. "Cabrios und Oberklassemodelle sollen zu Trendsettern für den neuen Boom werden", hieß es 1995. Wie gesagt, heute ist es die Hälfte. Ein weiterer Blick in die Zulassungsstatistik zeigt, dass vor allem Käufer großvolumiger Wagen zum Diesel greifen. Der prozentuale Verbrauchsvorteil schlägt bei ihnen am meisten zu Buche, und während Golf & Co. um jeden Käufer ringen, sieht es etwa bei den schweren SUVs super aus.

Boom bei den Lkw

Ist es also die steigende Nachfrage, die zur Preisexplosion beim Diesel führt? Dafür spricht, dass das Verhältnis von Diesel zu Benzin, das aus einem Liter Rohöl gewonnen werden kann, immer gleich bleibt. Zum Nachfrageschub trägt auch der Boom bei den Lkw bei: In Deutschland stiegen die Verkaufszahlen von etwa 77.000 Einheiten im Jahr 2004 auf geschätzte 96.000 Laster in diesem Jahr. Immerhin, die heimische Industrie profitiert davon: Marktführer Mercedes hat einen Anteil von über 39 Prozent am Kuchen. Noch krasser sieht es für den europäischen Gesamtmarkt aus. Da sind aus knapp 337.00 Lkw im Jahr 2004 inzwischen 413.000 geworden.

Start der Heizölsaison

Immerhin, das Heizöl kann kein Grund für einen hohen Preis durch starke Nachfrage sein. Nach dem milden Winter des letzten Jahres sind viele Tanks noch gut gefüllt. Und ohnehin geht der Anteil der privaten Häuser und Wohnungen, die Wärme durch Heizöl erzeugen, seit Jahren stetig zurück und liegt derzeit bei nur noch einem Drittel. Viele Häuslebauer setzen auf Pellets, die nur halb so teuer sind – noch.

Der Diesel fällt zurück

Mit dem ersten TDI, den Audi 1990 im verblichenen Typ 100 auf den Markt brachte, begann der Dieselboom. Diesel, das war plötzlich nicht mehr der Mercedes W123 in der Version 200 D, der sich mit 60 PS mühsam auf Tempo 130 quälte. Diesel, das war jetzt schnell und stark. Kein Vielfahrer kann heute noch darauf verzichten, und die Rennen in der Dienstwagenklasse, wer 215 und wer 221 fahren kann, sind der tägliche Beweis. Nur die Zukunft liegt im Dunkeln: Die Technik ist teuer und schwer, und sie wird mit Partikelfilter und den kommenden Harnstoff-Katalysatoren noch aufwändiger und teurer. Gleichzeitig gewinnt der Benziner durch Downsizing-Konzepte mit Hochaufladung und dem so genannten Diesotto an Boden. Steht der träge Automarkt vor der Wende? Möglich ist es, und der Staat wird seinen Teil dazu beitragen. Zum Beispiel mit einer CO2-basierten Kfz-Steuer. Sie wäre ein weiterer Fallstrick für den Diesel, weil er pro verbrauchtem Liter Sprit immer ein bisschen mehr Kohlendioxid produziert als Ottomotoren.

Keine Planungssicherheit für Käufer

Die Zeche zahlen die Fahrer, die beim Kauf ihres Diesels von Zahlen ausgegangen sind, die von der Wirklichkeit überholt wurden. Aber auch der Autoindustrie kann das Preis-Wirrwarr zusetzen: Neben der Verunsicherung über die kommende CO2-Steuer, Umweltminister Gabriel hatte diese Diskussion öffentlich angestoßen, ohne ein präzises Konzept zu haben, beseitigt jetzt die Preisunsicherheit die letzte Planungssicherheit beim Autokauf. "Wir raten dem Interessenten, unabhängig vom Treibstoff ein Auto zu kaufen, das möglichst wenig verbraucht", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer, "alles andere ist Kaffeesatzleserei." Nur eins sei sicher: Dass der Ölpreis auf Dauer nicht sinken werde.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
RomanTicker (05.12.2007, 09:51 Uhr)
Erdgas keine Alternative
Erdgas ist keine Alternative, denn erstens haben Erdgasfahrzeuge aufgrund der unterschiedlichen Tanktechniken eine viel geringere Reichweite als Dieselfahrzeuge und sind daher nichts für Vielfahrer, die ja meistens Dieselfahrzeuge fahren. Außerdem zeigt gerade das Beispiel der Dieselpreiserhöhungen und der Angleichung des Preises von Diesel und Superbenzin trotz 20 Cent/l geringerer Besteuerung, dass der Preis eines Kraftstoffs unabhängig von der Besteuerung vertreuert wird, wenn er mehr nachgefragt wird. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass der Erdgaspreis massiv steigen wird, falls mehr Erdgasfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein werden. Hinzu kommt, dass Erdgas verstärkt in anderen Bereichen wie z.B. zum Heizen verbraucht wird.
Grundsätzlich zeigt das Beispiel der Dieselfahrzeuge, dass es so etwas wie Sparwunder nicht gibt. Denn sobald ein Massentrend entsteht bröckelt das Sparpotential und die Preise ziehen an.
Vincent_Vega (05.12.2007, 09:24 Uhr)
nicht weiter so...
@olivenbaum007
mein Diesel ist fünf Jahre alt und hat einen Filter; warum sollte ich also denselben Preis wie ein Benziner bezahlen, wo ich schon eine höhere Steuer bezahle, wie für meinen vorherigen Benziner, den ich mit 12 Jahren verschrotten musste, weil er auseindander zufallen drohte?
Zum Thema Gas: Diesel kann ich anscheinend nicht auf Gas umrüsten. Das Erdgas auf Dauer so günstig bleibt, glaube ich erst im Jahr 2018. Wenn bis dahin genug wagen umgerüstet haben, wird sich die künftige Rgierung auch bis dahin eine Änderung überlegen und den jetzige Beschluß kippen. Warum ich das glaube ? Sie kippen doch laufend und der Autofahrer ist immer der Dumme, weil heute eben viele lieber mit ÖPNV-Mitteln fahren würden, wenn sie zuverlässiger oder günstiger wären oder es ihre Lebensumstände erlauben.
@silbador
Bei mir in der Gegend gibt es eine Sh*ll-Tanke und einen private Tanke an einem Handelshaus. Letzterer hat zeitweise sechs Cent Unterschied im Preis von seinem Diesel zum Diesel des Großkonzerns.
tri.star (05.12.2007, 09:21 Uhr)
Tageshysterie?
Wer kauft denn Autos nach der Tagesform? Was ist denn plötzlich am Diesel teuer geworden? Ein Diselmotor verbraucht bei gleichen Fahrleistungen deutlich weniger Treibstoff, da macht es auch nichts aus, wenn Diesel so teuer wie Benzin wäre, was es aber zumindest hier nicht ist. Diesel sind auch keine "Stinker" mehr, wie und Herr Olivenbaum weißmachen will, aus dem Benzinauspuff kommt schliesslich auch kein Parfumeduft. Besonders dumm, der Hinweis auf Erdgasfahrzeuge, wenn davon genug unterwegs wären, dann wäre das Erdgas ruck-zuck auch viel teurer, zumal da ja kaum Steurn drauf liegen. Da kann man einfach mal an die Heizung mit Holzpellets denken, die im letzten Jahr wegen mehr Kunden extrem stark teurer geworden ist, weil es einfach nicht genug Pellets gab.
Der tolle Tipp mit dem W123 200D ist auch ein "Kalter", wer würde heute ein 1400 kg Auto ohne ABS und Airbags kaufen, dass obendrein nur 55 oder 60 PS hat und auf der Strasse ein stehendes Hindernis darstellt? Mal abgesehen davon, das diese Autos alle längs verrostet sind, das ist Technik der zoer Jahre, der Verbrauch eines 200 D lag deutlich höher als der heutiger Diesel, mein 240D kam auf knapp 10 Liter/100km mit 72 PS ein heutiger 220 CDI mit 150/170 PS braucht bei gleichen Fahrleistungen also im Bummelbetrieb ca. 6 Liter Diesel, wenn man schneller fährt auch mal 8,5L aber das ist alles deutlich unter 10L. Diesel wird weiterhin der Motor der Sparsamkeit sein, erst recht wenn die aktuellen Preisturbulenzen mal wieder vorbei sin.
whismerh2 (05.12.2007, 09:17 Uhr)
Abzocke
In meinen Augen reine Abzocke.
Man siehe nur mit welcher Lockerheit
man das Normalbenzin vom Markt verdrängt. Hier wird wirtschaftliche
Abhängigkeit von derer man selber
profitiert gnadenlos ausgenutzt.
Gerfagt wäre die staatliche Instution
hält aber wie gewohnt, wenn es ums
Wohle des Volkes geht, die Füße still.
Muss ja auch keinen Sprit bezahlen.
@olivenbaum
Benden Sie das die berüchtigten Stinker zu größten Teil von unseren
Straßen verschwunden sind, und wie schon bemerkt von einem Vorredner
bemerkt woander auf diesem Planeten
rumgurken.
Die heutige Dieseltechnik ist und bleibt eine Alternative.
Sollten alle Autos auf Gas umsteigen
werden sie wohl aufs Fahrad umsteigen müssen.
Wie schon von masterofchaos festgestellt, rechnen sie mit einer Gebühr für den Gegenwind.
Amin42 (05.12.2007, 08:52 Uhr)
Aber der W123 200D
ist - sofern er heute noch fährt - das ökologischste Auto überhaupt. Ganz einfach, weil es ihn zum einen bereits gibt und zum anderen er zusammen mit dem W124 einer der letzten MB Diesel ist, der gut für ne Million Kilometer ist. Versucht das mal mit nem Smart CDI..... Ich verstehe nicht, warum sich immer noch die Einstellung hält, den Umweltfaktor eines Autos an dessen Abgasen festzumachen. Die Produktion ( z.T. in Ostblock oder Enticklingsländern verlagert ) und die Entsorgung sind viel umweltschädlicher als alle Abgase zusammnen. UND: wer glaubt, das beim Neuwagenkauf die vielgepriesene " Entsorgungsprämie" wirklich zu einer Entsorgung des Altautos führt, der irrt. Die bööööösen alten Stinker werden nämlich verkauft, z.b: nach Rumänien oder Nordafrika. Und dort alufen sie noch viele viele Jahre oder Jahrzehnte.
Diese " alte Stinker" Masche bez. alter Diesel PKW ist reine Verkaufsstrategie.
Silbador (05.12.2007, 07:19 Uhr)
Was derzeit an den Tankstellen passiert
ist eine reine Abkassierei, es fahren genug Diesel herum, die müssen ja mal tanken.
Hier können wir nur eines tun: die Anheizer der Preistreiberei anprangern und deren tanken nicht mehr anfahren, lasst SH*LL und AR*L halt mal aussen vor bis die mindestens 5 Cent unterm Preis sind - ich tu´s, es gibt ja noch JE* und die Tanken an Supermärkten, die sowieso meistens günstiger sind.
Silbador (05.12.2007, 07:13 Uhr)
Ein Gas, das nicht freiwillig in den Tank läuft
kann immer nur eine Zwischenlösung sein. Ein flüssiger Treibstoff ist einfach in der Handhabung besser und überschaubarer als ein unsichtbares Gas. Ich kann mir Ethanol- oder Ölmotoren mit Treibstoffen aus biologischer Herstellung als Zukunftstechnologie vorstellen. Es müssen ja nicht immer Motoren mit deutlich mehr als 70 kW sein - um auf die Arbeit zu kommen genügen auch sparsame Autos mit 40 kW.
gmathol (05.12.2007, 00:29 Uhr)
Es gibt Alternativen!
Wartet nicht zu lange! Wer kann und ein Haus besitzt sollte sein Haus mit Photovoltaik und Heisswasser-Panel ausstatten. Spaeter kann man die so gewonnene Energie in Wasserstoff konvertieren, Honda bringt das System Plug Power auf den Markt, dieses System konvertiert nicht nur Strom in Wasserstoff sondern auch Erdgas. Ein Brennstoffzellenfahrzeug von Honda folgt im Januar. Fossile Energien und die Abhaengigkeit von den Grosskonzernen werden die Preise fuer Energie weiter in die Hoehe treiben.
Zeit zum Handeln ist jetzt! Man kann natuerlich auch noch immer vom Vollgas auf der Autobahn traeumen. Aber was passiert wenn dieser Traum mangels Treibstoff oder hoher Preise bald ausgetraeumt ist.
Zum Thema Diesel: betreibt man den Motor optimal ist das Einsparungspotential gegenueber dem Benziner noch immer sehr gross und man kann auf Grund der Drehmomentstaerke auf der Autobahn hohe Schnitte selbst mit 130 Km/h herausfahren. Wer Vollgas faehrt zahlt hier natuerlich drauf.
master_of_chaos (04.12.2007, 23:15 Uhr)
2057... Sonnelicht jetzt bei 12€57 die Stunde
***Breaking News***
Die führenden Lizenzinhaber von Sonnenscheinstunden haben den Pro Kopf Pauschalpreis von Sonnelicht auf 12€57 je Stunde angehoben. Als Gründe dafür wurden die immensen Kosten zur Smogbeseitung genannt, die es ja erst ermöglichten daß das Sonnenlicht ungehindert bis zu den Solarzellen der Verbraucher dringen kann.
Vorwürfe, dieselben Konzerne wären für die Luftverschmutzung verantwortlich gewesen, wurden energisch abgewiesen.
Der Kunde hätte es ja damals selbst in der Hand gehabt, Energie zu sparen.
*****
Olivenbaum007 (04.12.2007, 22:43 Uhr)
keine Sorge
Tanken mit Erdgas wird mindestens die nächsten zehn Jahre immer deutlich günstiger bleiben als Diesel oder Bezin. Warum?
1) Die deutlich(!) verminderte Besteuerung gegenüber von Diesel und Benzin ist vom Gesetzgeber vor einem halben Jahr erneut festgeschrieben worden bis mindestens 2018.
2) Bis wir 50% oder mehr an Erdgas betriebenen Fahrzeugen auf unseren Straßen haben (fände ich aus Umweltgründen schon ein großer Erfolg), werden wir noch weit mehr als 10 Jahre warten, weil in der Autoindustrie in diese Richtung bis jetzt nicht viel läuft und weil in der Öffentlichkeit viel zu viele hartnäckige Vorbehalte herrschen.
3) Bereits vor drei Jahren, als ich auf Erdgas umgestiegen bin, hörte ich die gleichen Argumente: dieser Preis wird auch steigen. Ja, er ist gestiegen! Aber ich bezahle immer noch nur die Hälfte zum Diesel.
Fazit: Hätte ich vor drei Jahren auf solche Stimmen gehört und würde heute Diesel fahren (was mir von großen Autohäusern unserer Region damals ausschliesslich empfohlen wurde) hätte ich bis heute bei meinen 100.000 km (ca. 8000 Liter Sprit oder ca. 5400 kg Erdgas) für das Tanken bereits Mehrkosten gehabt von ungefähr 3.000 Euro zu Diesel (geringerer Spritverbrauch mit berechnet!) Gute Infos zum Thema Erdgas Tanken gibt es bei www.gibgas.de oder bei www.gas24.de
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