Verträgt mein Auto E10?

9. März 2011, 10:25 Uhr

Eine große Info-Offensive soll das E10-Chaos an der Tankstelle beenden. Die meisten Autos sollen den neuen Biosprit vertragen, einige Modelle jedoch nicht. Welche das sind, erfahren Sie hier. Von Annette Berger

Das Ergebnis des großen Benzin-Gipfels war absehbar: Bundesregierung, Auto- und Mineralölindustrie wollen die Millionen verunsicherter Autofahrer möglichst schnell über den Biosprit E10 aufklären. Wie erwartet, hält die Regierung trotz des Boykotts an der Zapfsäule des Super-Benzins mit zehn Prozent Ethanol fest. Immerhin: Um den Verbrauchern mehr Sicherheit zu geben, haben deutsche Fahrzeughersteller und Importeure ihre Angaben zu E10 für rechtsverbindlich erklärt.

Nach den gegenseitigen Schuldzuweisungen der vergangenen Tage planen die Akteure nun eine Informations-Offensive: Die Autofahrer sollen nicht wie bisher nur beim ADAC und der Deutschen Automobil Treuhand einsehen können, ob ihr Auto den neuen Bio-Sprit verträgt, sondern mit Listen direkt an der Tankstelle informiert werden. Darüber hinaus will die Autobranche künftig ein Internetportal einrichten, wo Autofahrer mit ihrer Fahrzeug-Identifikationsnummer einsehen können, ob ihr PKW E10 verträgt. Nachfolgend können Sie sich bereits hier darüber informieren, ob Sie an der Zapfsäule vorsichtig sein müssen oder den neuen Kraftstoff ohne Bedenken tanken können.

Volkswagen: Die Kalenderwoche kann entscheidend sein

Von Europas größtem Hersteller Volkswagen sind laut ADAC nur sehr wenige Modelle auf den Straßen, die man nicht mit E10 betanken sollte. Der Club rät Autobesitzern dennoch, sich im Zweifel lieber direkt bei Volkswagen zu erkundigen und konkret nach dem jeweiligen Modell zu fragen.

Auch kommt es bei einigen Fahrzeugen auf das genaue Produktionsdatum oder die Motorisierung an. Schwierigkeiten gibt es zum Beispiel mit Benzin-Direkteinspritzern der ersten Generation.

Zu den Modellen, die den Biokraftstoff nicht vertragen, gehören Lupos der Modelljahre 2001 bis 2004 (FSI 1389 ccm/77 kW), Polos der Modelljahre 2002 bis 2006 (FSI 1390 ccm/63 kW), der Golf IV der Baujahre 2002 bis 2004 (FSI 1598 ccm/81 kW) und der Golf IV der Modelljahre 2002 bis 2006 (FSI 1598 ccm/81 kW).

Den neuen Biosprit vertragen außerdem nicht: Bora (FSI 1598ccm/81KW) und Bora Variant der Modelljahre 2002 bis 2005 (FSI 1598ccm/81KW) und ein spezieller Golf V der Modelljahre 2004 und 2005 (FSI 1390ccm/66KW). Bei letzterem wird's wiederum komplex. Denn Fahrzeuge dieses Modells, die ab der Kalenderwoche 45 des Jahres 2005 produziert wurden, sind laut ADAC E10-geeignet.

Durcheinander geht es auch bei einigen Golf V des Modelljahrs 2004. Eigentlich soll man den FSI mit 1598 ccm und 85 kW nicht mit E10 betanken - wobei bei diesem Golf V, der ab der Kalenderwoche 23 des Jahres 2004 hergestellt wurde, die Sache schon wieder anders aussieht: Ein solches Auto vertrage E10.

Ähnliches gilt für den Golf des Modelljahrs 2004 (FSI 1984 ccm/110 kW), einen Touran der Modelljahre 2003 bis 2004 (FSI 1598ccm/85KW) sowie einen Touran des Modelljahrs 2004 (FSI 1984 ccm/110 kW). Von ihnen wurden ebenfalls ab der Kalenderwoche 23 des Jahres 2004 Fahrzeuge hergestellt, die mit dem neuen Kraftstoff laufen. Eigentlich gehören sie laut der Liste schon zum Modelljahr 2005.

Audi: Obacht bei Älteren

Laut ADAC vertragen die meisten Fahrzeuge der VW-Tochter Audi den Kraftstoff. Ausnahmen sind ältere Fahrzeuge, so der Audi A2 des Produktionszeitraums April 2002 bis Juli 2005, (Hubraum: 1,6 FSI, Leistung: 81 kW), der Audi A3, der zwischen September 2003 und Mai 2004 gebaut wurde (Hubraum 1,6 FSI, Leistung 85 kW), und der Audi A3 des Herstellungszeitraums März 2003 bis Mai 2004 (Hubraum 2,0 FSI, Leistung 85 kW).

Nicht mit E10 betanken sollte man auch den Audi A4, der zwischen August 2002 und November 2004 gebaut wurde, alle Audi A4-Limousinen, also die Benziner mit Standheizung, die von Oktober 2000 bis Oktober 2007 gebaut wurden und schließlich alle Audi A4-Avant-Benziner mit Standheizung des Herstellungszeitraums Juli 2001 bis Mai 2008.

BMW: Sicher ist sicher

Bei Audis bayerischem Rivalen BMW ist die Sache laut ADAC einfacher. E10 könne man in die Tanks aller Pkw-Modelle sämtlicher Baujahre füllen. Der Club gibt allerdings den Rat, sich die vorgeschriebene Mindest-Oktanzahl in der Betriebsanleitung vorher noch einmal anzusehen. Sicher ist sicher.

Mercedes: Nur die frühe Generation ist empfindlich

Besitzer der meisten Mercedes-Fahrzeuge mit Ottomotoren können E10 tanken, so der ADAC. Ausgenommen seien Modelle der ersten Generation Direkteinspritzung (C 200 CGI/Baureihe 203 und CLK 200 CGI/Baureihe 209) der Jahre 2002 bis 2005.

Ebenso ausgenommen seien Modelle, die noch ohne geregelten Drei-Wege Katalysator produziert oder mit Vergaser ausgerüstet wurden. Hier geht es meist um Autos, die älter als ein Vierteljahrhundert sind.

Opel: Vorsicht bei Vectra, Signum und Zafira

Pkw des Rüsselsheimer Herstellers Opel sind bis auf wenige Ausnahmen für E10 geeignet. Darunter seien Vectra-, Signum- und Zafira-Modelle mit dem Motor "2.2 Direct" (Motorcode: Z22YH). Besitzer solcher Fahrzeuge sollten genauer im Fahrzeugschein nachsehen und sich an Opel wenden.

Fiat, Peugeot, Citroën: Großzügige Grenzwerte

Ab dem Jahr 2000 gebaute Fahrzeuge des italienischen Herstellers Fiat mit der Abgasnorm Euro 3, Euro 4 und Euro 5 vertragen E10 den Angaben zufolge. Den neuen Biosprit lieber nicht tanken sollen Besitzer folgender Modelle: Barchetta: (1.8 16V), Bravo/Brava (Modellbezeichnung 182, 1.6 16V), Doblò: (1.6 16V), Marea (1.6 16V, 2.0 16V), Multipla (1.6 16V), Palio: (1.6 16V), Punto (Modellbezeichnung 188, 1.8 16V), Stilo (1.6 16V, 1.596 cm³, 1.8 16V, 2.4 20V).

Wer ein älteres Fahrzeuge von Peugeot oder Citroën hat, sollte aufpassen. Denn E10 vertragen diesen Angaben zufolge nur diejenigen Autos aus dem PSA-Konzern, die ab dem 1. Januar 2000 hergestellt wurden.

Kritik an pauschalen Grenzen Als schlecht und unpräzise kritisierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die Aussagen von Fiat, Peugeot und Citroën zu E10. Von den angeblich mehr als drei Millionen Fahrzeugen, die hierzulande E 10 nicht vertrügen, seien allein bei Citroën, Fiat, Renault "einfach mal 730.000 pauschal genannt worden, ohne irgendwelche Detailinformationen", so der Professor am CAR-Center der Universität Duisburg-Essen. Dies verunsichere die Autofahrer und sei ein wesentlicher Grund für das negative Image des Treibstoffs. "Gleichzeitig sind alle drei Unternehmen in dem Ethanol-Markt Brasilien seit Jahrzehnten fest vertreten", so der Professor.

Porsche: 1997 ist das Jahr des Umbruchs

Bei Porsche sind alle Fahrzeuge ab dem Baujahr 1996 - also dem Modelljahr 1997 - für E10 geeignet. E10 können also folgende Autos tanken: alle Porsche - Boxster (986) ab dem ersten Modelljahr 1997, also ab dem Herstellungszeitpunkt August 1996, alle Carrera (996) ab dem ersten Modelljahr 1998, zudem alle Cayenne und alle Panamera.

Ford und Chrysler: Die Neuen mögen es

Die neueren Ford-Modelle können im Großen und Ganzen E10 tanken. Es gibt bei Ford aber einige Ausnahmen, die den Biokraftstoff nicht vertragen. Dazu gehört der Mondeo SCi der Baujahre 2004 bis 2006 mit 1,8 Liter Hubraum und 96 kW Leistung. Bei älteren Ford-Modellen und in den USA hergestellten Autos dieses Unternehmens sollte man sich zusätzlich genau beim Hersteller erkundigen, rät der ADAC.

Bei der US-Marke Chrysler ist die Sache einfach: Alle Modelle ab Modelljahr 1989 seien E10-verträglich, stellt der Autofahrerclub fest.

Škoda: Kein grüner Sprit für die Alten

Viele Fahrzeuge der tschechischen VW-Tochter vertragen E10. Für ältere Škodas vor dem Modelljahr 1989 gilt das aber nicht. Hüten sollten sich zudem Besitzer folgender Modelle, den neuen Kraftstoff in die Tanks zu füllen: Felicia (Typ 791, 795, 797), Motoren 40/50 kW, Modelljahre 1995 bis 2002 (An 10. Stelle der Fahrzeug-Ident-Nr. steht eines dieser Zeichen: S,T,U,V,W,X,Y,1,2), des Favorit, Forman, Pick up (Typ 781, 785, 787), sowie alle älteren Modelle vor Modelljahr 1989 (beispielsweise S100/105/110/120/130/135/136/1000 MB).

Mini: Der neue Kleine mag E10

Hier muss man aufpassen - ist es ein echter, also ein alter, britischer Mini? Wenn es sich um ein Fahrzeug handelt, das nach dem Relaunch der Marke im Jahr 2000 produziert wurde, darf es mit E10 betankt werden. Sonst nicht.

Mazda: Vorsicht bei den (vielen) Ausnahmen

Die meisten japanischen Kleinwagen von Mazda vertragen E10. Bedenkenlos tanken können den neuen Sprit Besitzer aller Mazda2, Mazda3, Mazda5, Mazda6, Mazda MX-5 der dritten Generation ab der Fahrzeug-Identifikationsnummer JMZNC...), alle Mazda RX-8, der Modelle Mazda CX-7 und der Mazda CX-9.

Folgende Fahrzeuge vertragen dagegen kein E10: sämtliche Mazda 121, Mazda Demio, Mazda 323, Mazda MX-3, Mazda MX-5 NA (Fahrzeug-Ident.-Nr. JMZNA...), Mazda MX-5 NB (Fahrzeug-Ident.-Nr. JMZNB...), Mazda 626, Mazda MX-6, Mazda 929, Mazda Premacy, Mazda MPV, Mazda Tribute, Mazda Xedos 6, Mazda Xedos 9, Mazda RX-7 sowie alle Mazda E2000.

Renault: Autos über 14 mögen's nicht

Alle Benziner von Renault, die ab 1997 verkauft wurden und die mindestens die Abgasnorm Euro 2 erfüllen, können E10 tanken - es sei denn, es wurde zwischenzeitlich etwas neu eingebaut, beispielsweise am Motor. Problematisch kann es bei Fahrzeugen werden, denen zuerst Euro 1 bescheinigt wurde und die dann auf Euro 2 wechselten.

Außerdem sollte man E10 nicht in die Tanks folgender Modelle füllen: Renault 19, Megane 1 mit 2,0 l mit Benzin-Direkteinspritzung (F5R 700), Megane 1 mit 2,0 l mit Benzin-Direkteinspritzung (F5R 740), Laguna 2 mit 2,0 l mit Benzin-Direkteinspritzung (F5R 782), Laguna 2 mit 2,0 l Turbo (F4R 764) Baujahr Januar 2000 bis Dezember 2002 und Laguna 2 mit 2,0 l Turbo (F4R 765) Baujahr Januar 2000 bis Dezember 2002.

Ebenfalls kein E10 verträgt der Espace 4 mit 2,0 l Turbo (F4R 790) der Baujahre Januar 2000 bis Dezember 2002, der Espace 4 mit 2,0 l Turbo (F4R 794) der Baujahre Januar 2000 bis Dezember 2002, der Velsatis mit 2,0 l Turbo (F4R 762) der Baujahre 2000 bis 2002, der Velsatis mit 2,0 l Turbo (F4R 763) der Baujahre 2000 bis 2002 sowie der Avantime mit 2,0 l Turbo (F4R 760) der Baujahre 2000 bis 2002 und der Avantime mit 2,0 l Turbo (F4R 761) der Baujahre 2000 bis 2002.

Seat: Auf das Kleingedruckte achten

Autos der VWs spanischen Tochter Seat vertragen in vielen Fällen den Biokraftstoff. Der ADAC listet zur Sicherheit die Modelle auf, mit denen man E10 betanken kann:

Arosa (6H1): Modelljahr 1997 bis 2004 ,Ibiza IV (6L1): ab Modelljahr 2002, Ibiza V (6J1, 6J5, 6J8): ab Modelljahr 2008, Cordoba II (6L2): ab Modelljahr 2003, Leon I (1M1): Modelljahr 1999 bis 2006, Leon II (1P1): ab Modelljahr 2006, Toledo II (1M2): Modelljahr 1999 bis 2004, Toledo III (5P2): ab Modelljahr 2005, Exeo (3R2, 3R5) alle Modelljahre, Alhambra (7V9), ab Modelljahr 2001.

Beim Altea, Altea XL, Altea Freetrack (5P1, 5P5) wird es kompliziert. Eigentlich können Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2004 den neuen Biokraftstoff tanken - mit Ausnahme der Fahrzeuge des 2004er-Jahrgangs, die die Motor-Kennbuchstaben BLR tragen. Diese finden sich auf der ersten Seite des Serviceheftes.

Toyota und Hyundai: Genau hinschauen!

Auch hier sollten Fahrer lieber noch einmal beim Hersteller nachfragen. Grundsätzlich kann man alle europäischen Fahrzeugmodelle von Toyota, die ab Januar 1998 gebaut wurden, mit E10 betreiben.

Es gibt aber Ausnahmen, und die sollten herkömmlich betankt werden: Avensis 2,0 Liter mit dem Motorentyp 1AZ-FSE produziert zwischen Juli 2000 und Oktober 2008, Avensis 2,4 Liter mit dem Motorentyp 2AZ-FSE produziert zwischen Juni 2003 und Oktober 2008. Details stehen in den Betriebsanleitungen den Fahrzeuge.

Bei Hyundai kommt es wie bei den meisten Herstellern darauf an, wie jung das Fahrzeug ist. Autos der südkoreanischen Marke ab dem Modelljahr 1992 können E10 tanken, so der ADAC.

Saab und Smart: Bio geht immer

Bei der schwedischen Marke Saab und dem deutschen Kleinwagen Smart liegt der Fall einfach: Alle Modelle der beiden Hersteller sind dieser Liste zufolge E10-geeignet.



Diesen Artikel haben wir in der Financial Times Deutschland für Sie gefunden

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