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13. August 2007, 12:00 Uhr

Geplatzter Traum

Felix Wankel gehört in eine Reihe mit Nikolaus Otto oder Rudolf Diesel. Im Gegensatz zu seinen berühmten Kollegen blieb seiner Erfindung, dem Kreiskolbenmotor, jedoch der Massenerfolg verwehrt. Den Tüftler störte das nicht. Von Axel F. Busse

Nicht der Häufigste, aber der Begehrteste: Im Mercedes fand der Wankelmotor seine heißeste Form© Gambarini Mauricio

Für den einen war er der begnadete Tüftler, für den anderen das verkannte Genie. Auch gibt es gute Gründe, ihn als tragischen Helden zu sehen. Eines war Felix Wankel ganz bestimmt: Ein Konstrukteur, der unbeirrt eine brillante Idee in die Tat umsetzte, letztlich jedoch an der Zeit scheiterte, in die seine Erfindung nicht hinein zu passen schien.

Zweifelsohne gehört Wankel in eine Reihe mit Nikolaus Otto, dem die Welt den Hubkolbemotor verdankt oder Rudolf Diesel, der aus dem Selbstzünder mit seinen Glühkerzen einen drehmomentstarken Dauerläufer machte. Der nach Wankel benannte Kreiskolbenmotor fand jedoch niemals die Verbreitung, die den beiden anderen Motorenkonzepten vergönnt war. Bis zum Tode seines Konstrukteurs im Jahre 1988 waren kaum mehr als 1,6 Millionen Einheiten produziert. Vor vierzig Jahren schien es dagegen noch möglich, dass die neue Erfindung den anderen den Rang ablaufen könnte: Der Wankel-Motor, der als einfach, leicht und leise gilt, verblüffte durch geringe bewegte Massen und entsprechend geringen Verschleiß.

Doch zur Revolution der Automobilgeschichte kam es nicht. Wankel war ein klassischer Tüftler, der sein Hobby zum Beruf machte. Am 13. August 1902 im badischen Lahr (Ortenaukreis) geboren, verlässt er 1921 das Gymnasium in Weinheim bei Heidelberg. Seine Berufsausbildung hat mit Motoren so wenig zu tun wie Eskimos mit Sonnencreme: Er absolviert in Heidelberg eine Lehre als Verlagskaufmann. Jedoch interessieren ihn besonders die Biografien von Technik- und Wissenschaftspionieren. In den 20er Jahren eröffnet Wanke Wankel mit Freunden eine kleine Werkstatt und experimentiert mit Motoren. Eine Ausbildung als Konstrukteur oder ein Ingenieurspatent hat Wankel zeit seines Lebens nie erworben - ebenso wenig wie einen Führerschein.

Haft und Forschungsverbot durch die Alliierten

Aus der Werkstatt der Tüftler tuckert 1927 die erste Fahrmaschine. Erste Ähnlichkeit mit dem später legendären Wankel-Motor hat das Gerät, das 1933 zum Patent angemeldet wird: eine Drehkolben-Maschine mit der Typenbezeichnung DKM 32. Ein Jahr später wird eine große Firma aufmerksam: 1934 bekommt er einen Forschungsauftrag für Drehschieber-Steuerungen und Rotationskolben- Motoren von BMW in der "Versuchsabteilung Lahr", die in Wahrheit aus einem Büro und einer Werkstatt im elterlichen Haus Wankels besteht.

Felix Wankel an seinem Zeichenbrett mit einer Konstruktionszeichnung© Gambarini Mauricio

Mit der Expansion der Rüstungsindustrie unter den Nationalsozialisten zieht Wankels Forschung die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sich. Die Unterstützung ermöglicht ihm, ein eigenes Labor in Lindau am Bodensee einzurichten und dort neuartige Motoren weiter zu entwickeln. Prompt folgen 1945 Haft und Forschungsverbot durch die Alliierten. Wankels Werkstatt wird von den Franzosen zerstört. Mit Hilfe aus der Industrie kann er seine Versuche fortsetzen. Im April 1954 ist es schließlich soweit: Wankel ist der Realisierung einer genial einfachen Idee nahe: Ein Motor, der praktisch ohne Ventile auskommt. Es ist der 1.Februar 1957, als der DKM (Drehkolbenmotor) 54 zum ersten Mal auf dem Prüfstand läuft. Mit der damals noch selbstständigen Firma NSU hat Felix Wankel einen Partner gefunden, der an sein Konzept glaubt. Weitere sechs Jahre später ist der Prototyp eines NSU Prinz fahrbereit. Der Motor leistet 30 Pferdestärken.

Euphorische Premiere auf dem Weltmarkt

Zum Ende des folgenden Jahrzehnt ist der Autodidakt endlich auch von der etablierten Forschung anerkannt. 1969 wird Felix Wankel die Ehrendoktor-Würde der TH München zuerkannt, ein Jahr später erhält er das große Bundes-Verdienstkreuz. Inzwischen sind mehrere Fabrikate außer dem Ro80, der einzigen Kreiskolben-Limousine aus deutscher Produktion, auf dem Weltmarkt. Über die Gründe des Verkaufs der Wankel GmbH an die britische Lonrho Ltd. Gruppe sind die Informationen spärlich. Wenig später stellt sich heraus, dass sich der so euphorisch begrüßte Motor weltweit nicht durchsetzen wird.

"Er war immer ein Wunschdenker"

Trotz allseits gepriesener Vorteile wie Laufruhe und Verschleißarmut, trotz des geringen Gewichts und der niedrigen Kosten, ist der relativ hohe Verbrauch ein Makel, der sich mit der 1973 beginnenden Ölkrise nicht in Einklang bringen lässt. Die Autokonzerne sind nicht bereit, Millionensummen in neue Fertigungsanlagen zu investieren, der revolutionäre Motor gerät ins Schattendasein. Wankel war es nicht gelungen, eine dauerhafte Koalition aus Befürwortern seines Motors zu bilden. "Das hat ihn nicht interessiert", erzählt sein Weggefährte Dankwart Eiermann. Der Ingenieur arbeitete mehr als 20 Jahre lang mit Wankel zusammen. "Er war immer ein bisschen ein Wunschdenker", so die Einschätzung des Weggefährten. Wankel selbst blieb ein anerkannter Konstrukteur und tüftelte weiter, von Ehrungen überhäuft. Auch der Bayerische Verdienstorden und der Goldenen Ehrenring des Deutschen Museums werden ihm zuerkannt. 1976 eröffnete ein Wankel-Museum in Lindau am Bodensee. Am 9. Oktober 1988 stirbt Felix Wankel in Heidelberg.

Von Axel F. Busse
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Obstler (13.08.2007, 22:25 Uhr)
Schade um eine gute Idee...
Das Prinzip ist genial.
Fertig!
Nun das aber.
Die Laufruhe ist unbeschreiblich, der Verbrauch jedoch ebenfalls.
Mazda kann gerne die Rechte besitzen, jetzt müssen die Ings den Verbrauch senken.
Wenn Audi/VW zufällig Rechte an Wankel-Prinzip-Gasmotoren haben sollten, so würde es mich nicht wundern.
Nun könnte Gasprom-Schröder den Rest eingefädeln:
Im Schleppwasser des Umwelthypes gasfressende Schluckmotoren mit "Umweltsiegel" weil gasbetrieben propagieren. Warum ist Gas = Umwelt ?
Die Texaner beginnen noch einen Krieg und Gashersteller lachen sich in die Tasche, denn sie verkaufen mehr Gas.
norberto (13.08.2007, 21:02 Uhr)
Chance verpasst Deutschland
Die Patente für die Wankel-Technik hat sich Mazda gesichert. Mit dem RX-8 hat man bewiesen das sich ein weltweit verkäufliches Fahrzeug auf die Räder stellen lässt. Audi ist seinerzeit davor zurückgeschreckt ein neues Wankel-Motorenwerk für den 200er aus dem Boden zu stampfen. Und die ewig klamme ex-DDR hatte ein Motorrad MZ ES (Eisenschwein*)als funtionsfähigen Versuchsträger am Laufen. Ausserdem gab es an der TH Chemnitz überaus erfolgreiche Strassenversuchsfahrten mit einem 311er Wartburg mit Wankelmotor.
*Wenn man also seinerzeit NSU und AWE hätte zusammenarbeiten lassen und die Reste der Borgward Designcrew zusammen mit den Jungen Wilden der TH Chemnitz ...
*NSU Wartburg RO 100 ...
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