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8. Januar 2009, 14:58 Uhr

Kaum Hoffnung für US-Autoindustrie

2008 war ein Horrorjahr für die US-Autoindustrie. Markenübergreifend kam es zu drastischen Produktionskürzungen. Alle Fahrzeugbauer schreien nach Reigierungshilfen. Die Aussichten für 2009 sehen auch nicht besser aus. Von Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer, Detroit Motor Show, GM, Ford, Chrysler, Autojahr 2008

Nach dem Katastrophenjahr 2008 sehen die Aussichten für die US-Autoindustrie düster aus© Peter Foley/dpa

So düster wie im Jahr 2009 dürfte die Stimmung in Detroit noch nie gewesen sein. 2008 war ein Katastrophenjahr für die amerikanische Automobilindustrie. Autoverkauf und die Produktion gingen in die Knie. Um 16,2 Prozent oder 2,5 Millionen Fahrzeuge ging im Jahr 2008 die Automobilproduktion in Nordamerika zurück. Nur noch 12,984 Millionen Fahrzeuge wurden hier im vergangenen Jahr produziert. Am schlimmsten hat es die großen und profitträchtigen Pick-ups, SUV und Vans getroffen. Um 24,9 Prozent musste die Produktion bei den früheren "Lieblingen" der Amerikaner zurückgefahren werden.

Und bei genau diesen "Lieblingen" hatten die Drei aus Detroit ihre Stärken. Damit wurden Chrysler, GM und Ford deutlich stärker vom Marktrückgang getroffen als die anderen. Zusammen mussten die "Detroit Drei" einen Produktionsausfall von knapp zwei Millionen Fahrzeugen oder 21,3 Prozent Rückgang in ihren Werken in Kanada, den USA und Mexiko verkraften. Am schlimmsten hat es Chrysler mit einem Produktionsrückgang von 605.000 Fahrzeugen oder 24,3 Prozent getroffen. Bei GM musste ein Produktionsausfall von knapp 800.000 Fahrzeugen verkraftet werden.

Die schlechten Nachrichten über Produktionskürzungen und Werksschließungen sind noch nicht zu Ende. Nach unserer Prognose wird die Produktion in Nordamerika im Jahr 2009 nochmal um knapp eine Million Fahrzeuge herunter gefahren werden müssen. Erstmals seit langer Zeit werden in den USA im Jahr 2009 dann weniger Pick-ups, SUV, Vans und andere Commercials gebaut als "Cars", also Pkw im guten alten Sinne. Damit werden die "Detroit Drei" auch 2009 größere Produktionsrückgänge als die anderen zu verkraften haben.

Ferdinand Dudenhöffer, Detroit Motor Show, GM, Ford, Chrysler, Autojahr 2008

Die Autobosse der Big Three: Robert Nadelli/ Chrysler, Alan Mullaly/ Ford und Rick Wagoner/ GM (von links)© EPA/John F. Martin

Insgesamt haben nicht alle Autobauer in Nordamerika Produktion eingebüßt. Bei VW in Mexiko konnte die Herstellung um 42.000 Fahrzeuge gesteigert werden. Dazu hatten der Vorgänger-Jetta sowie der Golf Variant beigetragen. Während der alte Jetta in der Produktion in Mexiko um zwölf Prozent zulegte, bewegte sich der neue Jetta auf der Stelle. Das Plus bei BMW um 8,2 Prozent beruht auf dem neuen BMW X6. Die übrigen BMW-Modelle verzeichneten Produktions-Rückgänge in den USA.

Auch Toyota blieb von teuren Produktionsrückgängen nicht verschont. Die Japaner sind in Nordamerika aber nicht ganz so stark Pick-up- und SUV-lastig ist wie die "Detroit Drei".

Für das erste Quartal 2009 rechnet man überall mit deutlichen Produktionskürzungen. Und so dürfte eines der wichtigsten Themen in Detroit sein, wie lange die größte Krise der Automobilindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg noch anhalten wird. Wesentlich dabei wird sein, wie tief die wichtigen Zukunftsmärkte China und Russland im Jahr 2009 abrutschen werden. Rückgänge von 20 Prozent sind dabei nicht unrealistisch.

Gleich sechs Hersteller – Nissan, Mitsubishi, Suzuki, Land Rover, Ferrari und Rolls-Royce - haben Detroit abgesagt. Andere wie Honda, die auf die Pressekonferenz zur Neuvorstellung verzichten, haben die Budgets deutlich zurückgefahren. Unter den Experten werden eher über Fabriksschließungen, Bail-out Programme, Hilfen von Obama und Restrukturierungspläne gesprochen als über neue Modelle.

Small and electric is beautiful

"Small is beautiful" wird ein Motto sein, mit dem die Autobauer in den USA gegensteuern wollen. Ford wird den Fiesta bereits 2010 im Heimatland montieren. Toyota wird in Detroit seinen "Smart", den Toyota IQ, vorstellen. Gleichzeitig werden die Japaner ein neues Batterie-Konzept für ein Elektrofahrzeug vorstellen und den neuen Prius zeigen. Auch Mercedes und BMW zeigen Hybrid-Fahrzeuge. Volvo stellt seinen neuen Mittelklassewagen S60 vor, der mit einem 1,6 Liter Dieselmotor einen Verbrauch von nur fünf Litern auf 100 km realisiert. Honda stellt sein neues Hybrid-Modell Insight vor. Also sind Downzing und die Elektrifizierung des Antriebs die wichtigen Ansagen in Detroit.

Hybrid und das Dilemma des billigen Benzins

Die Gallone Benzin (Regular) kostet in den USA mittlerweile unter 1,80 Dollar oder umgerechnet 0,47 Dollar pro Liter. So kostet der Liter Benzin derzeit 0,37 Euro. Der Preis zeigt das zweite Dilemma der Autobauer in Detroit. Man hat kräftig in alternative Antriebe investiert und mittendrin werden die Verbraucher mit einem Benzinpreis verwöhnt wie er im Jahr 2003 und im Frühjahr 2004 war. 2004 war übrigens das Jahr mit den höchsten Light Truck Verkäufen in USA. Im Jahr 2004 wurden in USA 9,2 Millionen Pick-ups, Vans, SUV und andere Light Commercials verkauft.

So kurios es erscheint, der niedrige Benzinpreis wirkt in den USA als große Verkaufsbremse. Die teuren Spritsparer werden bei solchen Benzinpreisen von niemandem gekauft und der von Deutschen so stark favorisierte Diesel-Motor bleibt in den USA schon sehr früh auf der Strecke. Der Hybrid wird bei solchen Benzinpreisen zum absoluten Luxusartikel. Den Kunden bei diesen Preisen zum Umsteigen auf einen kleineren Wagen zu bewegen, wird selbst den vielgepriesenen Starverkäufern schwer fallen.

Da der Kunde heute nicht weiß, wie lange der Benzinpreis noch niedrig bleibt, kauft er auch keinen neuen "Gas Guzzler". Als Alternative bleibt, das bisherige große Auto einfach weiter zu fahren, zumal die Gebrauchtwagenpreise in den USA ohnehin im Keller sind. Die Rezession im US-Automarkt ist also auch 2009 nicht vollständig auf die Finanzkrise zurückzuführen. Die Branche fährt erneut durch eine eigene negative Sonderkonjunktur.

Ferdinand Dudenhöffer, Detroit Motor Show, GM, Ford, Chrysler, Autojahr 2008

Die großen und durstigen Trucks stehen sich auf Amerikas Verkaufsplätzen die Reifen platt© Justin Sullivan/Getty Images/AFP

Dies gilt übrigens auch für die Leasingfahrzeuge. Da die Restwerte im Keller sind, versuchen Leasinggesellschaften die Verträge der Kunden mit dem derzeitigen Fahrzeug zu verlängern. Damit reduzieren die Gesellschaften ihre Restwertverluste - ebenfalls auf Kosten der Neuwagenverkäufe. Also auch hier wenig Freude, die in Detroit aufkommt.

Fazit:

In Detroit muss man durch ein doppeltes Dilemma. Die großen Produktionskürzungen für das Jahr 2009 hängen fast wie ein Damoklesschwert über der Messe. Gleichzeitig werden die neuen Produkte, die kleineren und spritsparenden Fahrzeuge mit einem doppelten Handicap belegt. Zum Ersten die Kaufangst der Verbraucher und zum Zweiten der niedrige Benzinpreis. Der wichtigste Automarkt der Welt, der US-Markt, wird auch im Jahr 2009 weiter wegbrechen. Nach unseren Prognosen werden im Jahr 2009 die Verkaufszahlen um eine Million Fahrzeuge auf 12,3 Millionen zurückgehen. Da können selbst die neuen Incentives mit Preisnachlässen bis 8.000 Dollar wenig ausrichten. Das ist die traurige Botschaft von Detroit.

Von Ferdinand Dudenhöffer
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
SteffenKarl (08.01.2009, 21:10 Uhr)
Krise der Automobilindustrie – Hoffen auf baldiges „Weiter so“ oder Problembewältigung?
Die Diskussion zur Tiefe, der Dauer und den Folgen der Krise der Automobilindustrie
Verläuft derzeit sehr konträr. Während die Einen der Hoffnung auf eine zeitnahe Erholung von Zulassungszahlen und Absatzgrößen mit dem mehr oder minder versteckten Credo des „Weiter so!“ zu erliegen drohen, verweisen Andere folgerichtig
auf tief greifende strukturelle Verwerfungen und Defizite in der Branche, auf Mängel
bei der Umsetzung von Innovationen speziell bei Antriebskonzepten, auf Rückstände
in der Erarbeitung realistischer Marktanalysen und – Chancen sowie bei der Berücksichtigung von Umwelterfordernissen sowie den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Kunden.
Mit dem Blick auf die in der nächsten Zeit in einer der bedeutendsten globalen Wirtschaftsbranche
zu bewältigenden Aufgaben im Interesse einer zukunftsorientierten
Krisenbewältigung sind aus meiner Sicht inhaltlichen, lokale als auch indivilduelle Aspekte und Konzepte erforderlich.
Die derzeitige internationale Krise der Automobilindustrie stellt sich national wie
global praktisch als Krise der Finanzierungsgrundlagen, der Produktionskapazitäten,
der Produktentwicklung und des Produktionssortiments, des Absatzes bzw.
der Überproduktion, der Vertriebssysteme und -instrumentarien, der Möglichkeiten
und der Nachfrage nach bezahlbarer, automobiler Mobilität sowie des fehlenden,
Verbraucher wirksamen Innovationsschubs in Bezug auf eine veränderte Rohstoff
und Energiebasis in der Welt dar. In dieser Komplexität besteht zugleich der auf
allen Ebenen notwendige wirtschaftliche und politische Führungsanspruch, arbeitsteilig nachhaltige Problemlösungen für die Zukunft zu erarbeiten und auf den
Weg zu bringen.
Dieser Anspruch ist zu vorderst eine konzeptionelle und individuelle Aufgabe der Führungskräfte der Automobilkonzerne. Finanzielle Eingriffe und Stützungsmaßnahmen des Staates können das Eigenkonzept der Automobilkonzerne zwar abfedern und stimulieren, aber keineswegs ersetzen oder einsparen.
Darüber hinaus können und sollten aus der Analyse des Bestehenden für die Zukunft
z.B. im Rahmen der EU stabilisierende rechtliche Rahmenbedingungen gesetzt
werden.
Aktueller Ausdruck der Gesamtsituation automobiler Vertriebssysteme ist derzeit
schließlich die Tatsache, dass auch Hersteller- und Importeursbanken in die Krise
involviert sind.
Angesichts dessen kommt im der jetzige Hoffnung nicht weniger Experten auf baldige Erholung der Lage mit einem nachfolgenden “weiter so“ eine Unterschätzung der tatsächlichen strukturellen und inhaltlichen Situation der Automobilwirtschaftsbranche in ihrer nationalen wie globalisierten Dimension und Markteinbindung zum Ausdruck.
Es entspricht durchaus der Logik der derzeitigen, wie jeder wirtschaftlichen Krisensituation, wenn Unternehmen im Interesse ihrer Existenzsicherung für bereits
hergestellte Produkte und deren Vermarktung im Rahmen des Möglichen auch
Preisreduzierungen auf den Weg bringen. Das ist z. B. bei der Vermarktung so
genannter „Langsteher“ im Handel schon seit jeher ebenso üblich wie bei „Tagesund
Kurzzulassungen.
Interessant ist, dass Opel mit der Ankündigung, für Volumenmodelle die Preise
senken zu wollen, nunmehr auch als Hersteller sich dieses Instrumentes der Absatzförderung bedienen will.
Die Reaktion der Branche dazu steht indes noch aus.
Wahrgenommen werden solche Preissenkungen im Markt natürlich nur dann,
wenn diese Preissenkung sich mindestens auf dem Niveau der bisherigen „Rabattschlachten“ bewegt.
Für den Handel bedeutet aus oben genannten Gründen eine Preissenkung in jedem
Fall eine finanzielle Entlastung im Einkauf wie der Lagerhaltung und Stabilisierung
seines eigenen Spielraums nicht zuletzt im Gespräch mit den Banken
Auch für den Verbraucher könnten Preissenkungen für Neuwagen Anreize zum
Fahrzeugwechsel bieten, insbesondere dann, wenn aktuell Altfahrzeuge bei Inzahlunggabe
z.B. durch die zur Diskussion stehenden Abwrackprämien gefördert
würden.
Auf jeden Fall wird die aktuelle Lage im fabrikatsgebundenen Neuwagenvertrieb
die Diskussion um die Rolle der UPE ebenso beleben wie die Gestaltung zukünftiger
Handelsverträge nach Auslaufen der derzeitigen Gruppenfreistellungsverordnung
(GVO) im Jahre 2010, die den fabrikatsgebundenen Automobilvertrieb in der
EU regelt.
Steffen Karl
Director Dealer Development
Senior Account Executive DealerGroups
MSX International GmbH
The Smart Alternative >>>
Stolberger Strasse 309 - 311
50933 Köln
E-Mail: skarl@msxi-euro.com
Mobile +49 (0)171 - 932 3176
Tel. +49 (0)221 - 947 00 100
Fax +49 (0)221 - 947 00 134
http://www.msxi-euro.de
Nizzre (08.01.2009, 19:01 Uhr)
@panzertom: Kein Deutschlehrer ;)
1. Herr Dudenhöfer ist kein Deutschlehrer sondern Dozent im Bereich Wirtschaftswissenschaften.
2. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass sich Herr Dudenhöfer ans CMS von Stern Online setzt und dort Artikel selbst eintippt?
Für sowas hat auch der Stern Praktikanten und Volontäre.
Die liefern jeden Rechtschreib- und Tippfehler ganz oder doch nahezu kostenlos ;)
panzertom (08.01.2009, 18:03 Uhr)
Lehrkaft?
Ferdinand Dudenhöffer ist, glaube ich, Dozent an einer Fachhochschule. Für so eine Lehrkraft sind die vielen Rechtschreibfehler bemerkenswert.
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