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Denn sie wissen nicht, was sie fördern

In Berlin kommt der Elektro-Gipfel zusammen. Aber Vorsicht, dort treffen sich keine Umweltengel, sondern Manager und Lobbyisten, die vor allem ein Ziel kennen: Steuergelder abgreifen.

Von Gernot Kramper

Um die Entwicklung von Elektroautos voranzutreiben, hat die Bundesregierung die Spitzen der deutschen Autoindustrie nach Berlin geladen. Es soll eine "Nationale Plattform Elektromobilität" entstehen, denn die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität machen und bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen fahren. Sicher ist: Dieser Gipfel kann für den Steuerzahler sehr teuer werden. Unsicher ist dagegen, ob die Beschlüsse einen Nutzen für die Umwelt haben. Ob das Elektromobil dem Klima nützt, ist keineswegs so sicher, wie die Regierung behauptet.

Rahmenbedingungen müssen verlässlich sein

Es ist leicht zu sagen, dass die Autoindustrie den Strom-Trend verschlafen hat. Zunächst hat die Politik gepennt. Unter rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre das Elektromobil noch auf Jahre hinaus unverkäuflich. Jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, weiß, Strommobile werden für den Verbraucher nur durch spezielle Anreize interessant. Und diese Anreize gewährt der Staat oder er gewährt sie eben nicht. Da gibt es ein ganzes Szenarium an Hilfsmaßnahmen. In Ländern wie Frankreich oder China gibt es massive direkte Subventionen für den Kauf eines solchen Wagens. Nicht Kleckerbeträge bei der Kfz-Steuer sondern Summen von bis zu 5000 Euro. Hinzu kommt die Subvention beim "Sprit" aus der Dose. Wer Benzin tankt, wird vom Staat gnadenlos abkassiert, beim Strom wird weit weniger hingelangt. Nur wenn das so bleibt, lohnt sich das Fahren mit Strom wenigstens so halbwegs. Elektromobile benötigen eine spezielle Infrastruktur zum Aufladen. Wenn das E-Mobil attraktiv sein soll, muss diese Infrastruktur "bereitgestellt" werden. Was bedeutet, sie soll nicht zu Marktpreisen bezahlt werden. Bereits die Aufladezone dient eben auch als Parkplatz. Mit einer kostenfreien Privatparkplatz-Garantie in privilegierter Lage könnte man vermutlich jedes Gefährt ob Kutsche oder Holzgas-Pkw an den Mann bringen. Hinzu kommen Innenstadtverbote für normale Autos und privilegierte City-Zugänge für die Stromer. Über diese Randbedingungen entscheiden allein Politiker und nur wenn diese Entscheidungen fest stehen, wird sich der Verbraucher für einen Stromer entscheiden.

Wie viel Sinn machen Strom-Autos?

Bevor die Elektromobilität so massiv gefördert wird, muss die Sinnfrage des ganzen Unternehmens feststehen. Richtig, das Stromauto stößt am Auspuff keine Schadstoffe aus, und sein Energiebedarf ist nicht an die begrenzten Ölreserven gebunden. Aber anders, als behauptet, ist das Elektroauto kein "Welt-Klimaretter". Der Strom kommt leider nicht aus der Dose, sondern aus dem Kraftwerk. Geht es vorrangig um die Umwelt, muss man Stromfahrzeuge nur als eine Option unter vielen betrachten. Wirksamer wären smarte Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr, die über das hinausgehen, was schon vor dem zweiten Weltkrieg Standard war. Auch der Fahrradfahrer kann zu Recht fragen, warum für sein emissionsfreies Fortkommen nicht einmal bescheidene Wege zu finanzieren sind, der Elektroauto-Fahrer aber finanziell rundum gepampert werden soll. Und natürlich müssten im sinne der Umwelt vor allem kleine und leichte Fahrzeuge gefördert werden. Man sollte sogar in Erwägung ziehen, eine Klasse reiner Mini-Citycars zu etablieren. Hier kann eine Förderung Sinn machen – aber das alte Autokonzept nur auf Stromverbrauch zu trimmen, bringt für die Umwelt überhaupt nichts.

Forschungsförderung oder Exportsubvention

Und natürlich hat ein Super-Sportwagen, unter Umweltgesichtspunkten betrachtet, keinen Cent Streuergeld verdient. Oder geht es vorrangig darum, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu erhalten? Dann muss man ganz genau hinschauen, welche Vehikel gefördert werden. Bei den Premiumherstellern hieße das Ziel, die Millionäre dieser Welt auch weiterhin mit deutschen PS-Bullen zu versorgen. Tatsächlich ist zu befürchten, dass der Steuerzahler den größten Ressourcenverbrauchern mit vier Rädern unter die Arme greifen soll. Das ist in etwa so, als wolle man unter dem Motto "Transporthilfe für die Armen" Subventionen für den Export von Marc Jacob Taschen nach Afrika verlangen. Wie beweglich die deutschen Hersteller in diesen Dingen sind, kann man beim Ökoschwindel bei den Hybrid-Modellen bewundern. "Soviel PS wie möglich und soviel Hybrid wie nötig" lautet die Devise, um das imageträchtige Schildchen am Heck anzukleben. Auf dem Teststand reichen diese Maßnahmen dann aus, um ein halbwegs akzeptables Verbrauchsergebnis vorzuweisen, in der Wirklichkeit werden vom hoch motorisierten Umweltengel seelenruhig weiter 15 bis 16 Liter aus dem Doppelauspuff gepustet. In Zukunft dann bitte mit der Soli-Abgabe des Polo fahrenden Steuerzahlers. Für einen X6 M oder eine AMG-Boliden mit Batteriepack sollten uns die Steuergelder zu schade sein.

Was lohnt wirklich

Strommotoren, Steuerung und Karosseriebau beim Elektroauto werfen keine Probleme auf, die die Hersteller nicht selbst in den Griff bekämen. Hier ist der Einsatz von Staatsgeld unnötig. Die Schlüsseltechnik des Elektro-Automobils ist die Batterietechnik. Bei den Stromspeichern sind entscheidende Fragen ungelöst und das Rennen um die Zukunft vollkommen offen. Zumindest für diejenigen, die an dem Rennen überhaupt teilnehmen und es nicht bereits aufgegeben haben. Wenn es Geld vom Staat gibt, muss es in die Entwicklung der Schlüsseltechnologie Batterietechnik gehen. Wer das Wagnis eigener Forschung eingeht, soll unterstützt werden. Wer seine Speichermodule nur auf dem Weltmarkt - sprich in China - einkaufen möchte, um die Fernostware in ein Fahrgestell einzubauen, braucht für diese Montageleistung weder Beifall noch Steuergelder.

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