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26. September 2008, 16:27 Uhr

Klima schützen, Bus benützen

Hohe Spritpreise bescheren ausgerechnet den Busherstellern einen Boom. Klimaverträglicher als im Reisebus kann man kaum ans Ziel kommen. In der Praxis unterbietet der Reisebus selbst die Bahn beim CO2-Ausstoß und beim Energieverbrauch um satte 50 Prozent. Von Felix Bauer

Die Klimakrise kennt auch Gewinner, etwa den Reisebus© Hersteller

Die ständig steigenden Spritpreise und die anhaltende Umweltdiskussion sorgen nach Ansicht von Experten schon bald für einen Boom bei Reisebussen und Busreisen. Diese Aussage mag zwar auf den ersten Blick widersprüchlich klingen. Vor dem Hintergrund der im Vergleich zu anderen Fahrzeugen besseren CO2-Bilanz des oft als Billig-Transportmittel verschrienen Busses gewinnt sie immer mehr an Gewicht. Ein Reisebus braucht mit seinen 30 bis 58 Passagieren rund 30 Liter Diesel auf 100 Kilometer, kommt also bei voller Besetzung mit relativ wenig CO2 pro Passagier aus.

Laut Ulrich Höpfner, Leiter des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu), ist der "Bus im Energieverbrauch etwas günstiger als die Bahn" und beide liegen mit großem Abstand vor Auto und Flugzeug. Während Bahn und Bus pro Sitzplatz und Kilometer rund 20 Gramm CO2 ausstoßen, kommt das Auto auf 50 Gramm, das Inlandsflugzeug auf etwa 100 Gramm. In der Praxis, so Höpfner, seien Reisebusse im Gegensatz zur Bahn aber sehr gut besetzt und stünden "im Schnitt beim CO2-Ausstoß und beim Energieverbrauch 50 Prozent besser da" als das Zugfahren.

Die Luxuswelle rollt

Kein Wunder, dass sich die großen Hersteller angesichts immer teurer werdenden Dieselpreise und strengerer Umweltnormen für die Zukunft eine entsprechende Nachfrage nach Bussen errechnet haben. So will sich der zum Münchner MAN-Konzern gehörende Bushersteller Neoplan laut MAN-Chef Anton Weinmann künftig vor allem auf die "Reisebuskompetenz konzentrieren". Gegenüber anderen Transportmitteln sieht Weinmann große Vorteile beim Bus und dort vor allem bei neuen, mit saubereren Motoren und hohem Komfort ausgestatteten Fahrzeugen. Das beginne bei den Einfahrtsverboten in bestimmte Städte für ältere und damit nicht so umweltfreundliche Fahrzeuge und setze sich fort über die immer luxuriösere Ausstattung. "Es wird eine immer stärkere Individualisierung im Reisebusbereich geben", ist Weinmann deshalb überzeugt. Um den Anspruch der noblen Klientel unter den Reiseunternehmern und dem "Trend zu Superluxusbussen" gerecht zu werden, haben die Busbauer von MAN deshalb den Start einer "Individual GmbH" ins Auge gefasst. Dort können sich Kunden dann Busse wie den Neoplan Starliner mit Holzfußboden, Zweier- und Vierersitzgruppen mit Tischen, einer Einbauküche und einer eigenen Garderobe ganz nach den persönlichen Wünschen ordern. Zuletzt ließ sich der FC Bayern München im Austausch gegen den alten Mercedes einen 480 PS starken Luxusbus mit Ledersitzen, 19 Zoll TFT-Bildschirmen und Bang und Olufsen-Anlage von MAN auf den Hof stellen. Die Bordküche ist mit Espresso und Eiswürfelmaschine ausgerüstet. "Es gibt keinen PKW, der so wunderschön ausgestattet werden kann, wie ein Bus", erklärt Weinmann.

Luxus soll das Image bessern© Hersteller

Bus füllt die Lücken der Billigflieger

Auch Michael Göpfarth, Geschäftsführer bei Mercedes-Benz Omnibusse, sieht eine große Nachfrage nach den Produkten seines Unternehmens kommen. Es seien vor allen zwei Gründe, die ihn auf wachsende Umsätze hoffen ließen, erklärt er. So gebe es "den Trend, dass Busreisen deutlich attraktiver werden" und auch Fern- und Geschäftsreisen zwischen Städten die von den Billigfluglinien aufgrund der schwachen Auslastung nicht mehr bedient würden, nähmen zu. Die Kunden investierten in Komfort und Zuverlässigkeit. "Wir sehen das bereits am Auftragseingang, wenn auch noch nicht am Absatz, erläutert Göpfarth.

Einen wahren Nachfrageschub erwartet er wenn die Beschränkungen für Reiseunternehmen aufgehoben werden, denn der Trend zu luxuriösen Busreisen nehme deutlich zu. Nehme man eine Tour nach dem Motto "Im Fünf-Sterne-Plus Luxusbus fünf Tage durchs Piemont fahren und in Fünf-Sterne-Hotels übernachten", könne der Bus seine Vorteile wie den "Tür-zu-Tür-Transport" gegenüber anderen Verkehrsmitteln voll ausspielen. "So etwas ist nicht nur bei älteren Leuten interessant", sagt Göpfarth. "Das sind für die Veranstalter hochprofitable Angebote und sie kommen auch bei jüngeren Teilnehmern immer besser an." Werde der Bus dann noch mit einem exklusivem Catering, viel Platz zwischen den Sitzreihen und einem organisierten Gepäcktransport angeboten, könne kein anderes Verkehrsmittel mithalten.

Der Arbeitsplatz des "Piloten"© Econ Text

Aber auch im Fernreiseverkehr sieht Göpfarth Zuwachsraten. "Für Billigflieger werden Strecken wie Hannover-Krakau immer weniger attraktiv", erklärt er. "Auf der Strecke Karlsruhe- Bukarest beispielsweise gibt es jetzt wieder Bus-Angebote", berichtet er. Zwar habe der Bus hier in der Flexibilität des Individual-Reisenden noch einen Nachteil gegenüber dem Pkw, mache das "aber über den Preis, den Komfort und die Tatsache, dass man erholt ankommt, weil man nicht selbst fahren muss" wieder wett.

Die reinen Billiganbieter, die dem Reisebus über Jahre hinweg sein schlechtes Image verschafft haben, sieht Göpfarth hingegen eher bedroht. "Die Preise werden sich bei steigenden Kraftstoffpreisen nicht halten lassen und zunehmend treten Fahrverbotszonen für Fahrzeug mit hohen Emissionen hinzu."

Effizenzpotenziale nutzen

Auch deshalb arbeiten die Bushersteller an neuen Antrieben, die die Wirtschaftlichkeit der Reisebusse auf lange Sicht sichern sollen. Zwar ist laut Göpfarth "der Diesel sicher auf 15 oder mehr Jahre hinaus das effizienteste Antriebsaggregat". Doch sei man daran, das System noch effizienter zu gestalten. Einsparungen von fünf Prozent erreiche Mercedes schon jetzt mit einem speziellen Busgetriebe "und auch über die Aerodynamik lässt sich viel erreichen". MAN-Chef Weinmann stößt ins gleiche Horn. Auf der IAA Nutzfahrzeuge verglich er die Form der künftigen Superluxusbusse der Münchner mit dem Rücken eines Delfins – einem der stromlinienförmigsten Körper in der Wasserwelt.

Zwar kommt bei dem steigenden Wunsch nach Luxus bedingt durch den höheren Elektronikanteil und die dabei verwendete Kabellage auch immer mehr Gewicht ins Fahrzeug. Doch lasse sich das durch neue Antriebstechniken und sparsamere Motoren schon bald überkompensieren. Während die Hybrid-Technik in Bussen laut Göpfarth eher für den Start- und Stopp-Verkehr in einer Großstadt in Frage komme, könne er sich eine Energierückgewinnung beim Bremsen im Reisebus durchaus vorstellen. Und auch eine Brennstoffzelle, die zuerst im Stadtbus kommt, könne bei entsprechender Infrastruktur auch in Reisebussen eingesetzt werden.

Das größte Potenzial sehen MAN und Daimler derzeit noch im Dieselmotor. Eine Einsparung von zehn bis 30 Prozent sei hier noch möglich, beispielsweise durch einen Nebenaggregatantrieb. "Die Zielsetzung muss sein, dass der Abstand, den der Bus als umweltfreundliches Transportmittel zu den anderen Teilnehmern hat, nicht geringer wird", sagt Göpfarth.

Die Sternklassen der Busse Ein Stern (Tourist Class) Sitzabstand mindestens 68 Zentimeter. Heizung, Lüftung, Radio- und Mikrofonanlage sowie Nachtbeleuchtung. Gut für Kurzausflüge.

Zwei Sterne (Standard Class) Dafür gibt es 72 Zentimeter Beinfreiheit. Hinzu kommt ein Sonnenschutz an den Seitenfenstern und eine Gepäckablage.

Drei Sterne (Comfort Class) Wer Comfort Class reist kann sich auf 77 cm Beinfreiheit freuen und sich auf verstellbare Sitze und Rückenlehnen verlassen. Hinzu kommen Armlehnen, eine Doppelverglasung, eine persönliche Leselampe, eine Toilette und eine Mini-Küche.

Vier Sterne (First Class) Der Vier-Sterne-Bus hat mindestens 83 Zentimeter Sitzabstand, man sitzt also fast wie im Kino. Zu den bisher erwähnten Merkmalen kommen noch Fußstützen oder Beinauflagen, ein Klapptisch für jeden Passagier, und eine Klimaanlage hinzu.

Fünf Sterne (Luxus Class) Fünf-Sterne-Busse sind ausgestattet wie Vier-Sterne-Busse, verfügen aber über eine eigene Garderobe und über eine Beinfreiheit von 90 Zentimetern.

Von Felix Bauer
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Countryjoe (27.09.2008, 10:22 Uhr)
Parkplatz!
Abgesehen vom Anschaffungspreis, wo parkt man so ein Teil? Garage ist dann ja auch nicht mehr und der Supermarktparkplatz ist schnell voll und dafür umsteigen und mit dem 3er Führerschein geht auch nicht mehr. Man braucht da doch den 2er!
Eisenbaer (26.09.2008, 18:24 Uhr)
Europabus / Touring / Eurolines...
...heißt das Unternehmen, das bereits seit Jahrzehnten einen Linienbusverkehr unterhält, der nahezu alle europäischen Länder miteinander verbindet. Kunststück, es ist meines Wissens eine Tochter der europäischen Eisenbahnen :)

Herr Göpfarth scheint hier eine Auftragsarbeit abgegeben zu haben. Vermutlich bezahlt und im Auftrag der Bus herstellenden Industrie. Hätte er nur 10 Minuten im Internet gesucht, dann...

Naja, natürlich: wenn er ein anderes Ergebnis abgeliefert hätte, dann hätte es für ihn kein Honorar gegeben... ;-)

Warum aber muss ein Sternautor den Inhalt ungefiltert weitergeben? Aus dem gleichen Grund: Zeilenhonorar. Außerdem ist der Durchschnittsleser vom Stern ja dumm...
Eisenbaer (26.09.2008, 18:13 Uhr)
Durchschnittstheoretiker, der Herr Professor...
...ist wohl noch nie zur Reisezeit mit einem Reisezug gefahren? Voll ist dann gar kein Ausdruck mehr :)

Was der Herr Professor da vergleichen ist ein Zug im Taktfahrplan mit einem Bus im Taktfahrplan: beide sind nicht immer auf allen Streckenabschnitten gut besucht.

Was aber gar nicht beleuchtet wurde, ist, dass sich Bus und Bahn prima ergänzen. Die Bahn für die langen Strecken und vielen Reisenden, der Bus für den individuellen Reiseverkehr und für die Nahverteilung der Bahnreisenden. Und dass es dieses System heute schon gibt, liegt daran, dass dieses Prinzip schon weitaus älter ist, als der gesamte individuelle Pkw-Verkehr in seiner heutigen Ausprägung. Es ist also ein gewachsenes System, das sich aus real existierenden Notwendigkeiten abgeleitet hat. Das ist aber keine neue Erkenntnis. Sondern diese bestand schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Und das selbe Schicksal teilen im Grunde genommen Herrn Göpfarths gesamte Erkenntnisse: Olle Kamellen, wie man im kölschen Rheinland sagen würde.
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