stern.de für unterwegs
. .
Autokauf - Kaufberatung
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
2. Oktober 2009, 12:18 Uhr

Der Lack ist ab

Die Abwrackprämie brachte einen Höhenflug, doch allmählich kehrt der PKW-Markt zum Alltag zurück. Und in dem zeigt sich: Das Auto ist nicht mehr der Deutschen wichtigstes Konsumgut. Von Gernot Kramper

Zoom
Kultobjekt Auto, Abwrackprä,mie, Statusobjekt, Konsumgut, Krise

Beim Autokult geht es um große Gefühle und nicht um nackte Technik© Frank Rumpenhorst/EPA

Die Deutschen verstoßen ihr liebstes Kind - und Peter Kruse hat es als Erster gemerkt. Der Bremer Hirnforscher untersucht die intuitiven Präferenzen des Menschen und ihren Einfluss auf das Konsumverhalten. In seinen Untersuchungen stellt er fest, dass das Auto den Rang des Konsumguts mit der höchsten emotionalen Aufladung verloren hat. Mit unglaublicher Geschwindigkeit entzaubern die Konsumenten das einstige goldene Kalb. Aus einer heißen Affäre wurde innerhalb weniger Jahre eine kühle Zweckbeziehung. Hatten sich einst im heiligen Blech die Begierden so fokussiert, dass es zu einem Symbol von Unabhängigkeit und Status wurde, wird es nun zum bloßen Vehikel persönlicher Mobilität degradiert.

Noch vor wenigen Jahren war das Auto das Versprechen von Freiheit und Unabhängigkeit. Mit dem Auto brach man aus den beengten Verhältnissen aus, mit ihm war man ein echter Mann. Mit Moped oder gar Fahrradklammern an den Beinen konnte man in den Sechzigern nichts bewegen. Noch in den Achtzigern proklamierte Margaret Thatcher: "Ein Mann, der mit 26 Jahren immer noch mit dem Bus zur Arbeit fährt, kann sich als Versager betrachten."

Dieser Zusammenhang besteht heute nicht mehr. Früher war die Konsumwelt "Auto" wie mit Beton in den Köpfen der Deutschen eingraben. Seit Jahren schrumpft diese Welt auf den inneren Landkarten. Junge Leute denken beim Thema "Mobilität" zunächst an das Internet und an das Mobiltelefon, dann an Reisen und irgendwann auch mal ans Auto. "Wenn die Automobilquartette aus den Zimmern der Jungs verschwinden, hat die Autoindustrie ein Riesenproblem" , so Kruse. "Das innere Freiheitsgefühl bekommt man heute, wenn man sich weltweit vernetzt oder im Internet etwas bewegt, und dieses Gefühl hat man früher mit dem Auto erlebt."

Im Moment reagieren die Hersteller mit Fantasien von Elektromobilität auf die Legitimitätskrise des Automobils. "Das Elektro-Thema hat schon gesessen. Ökologie und Verantwortung sind im Bereich "Auto" auch beim normalen Kunden sehr wichtig geworden", weiß Peter Kruse. "Wer aber glaubt, wir machen den gleichen Ingenieurs- und Technikkult wie vorher nur mit Elektroautos statt Benzinern, wird Schiffbruch erleiden. Man wird die alte Erotik des Themas "Auto" nicht durch ein ökologisches Gewand wiedererwecken können. Mit der Ökoauto-Magie faszinieren sie vielleicht die Gruppe 50 Plus, weil die mit diesen Werten leben, aber die nachwachsenden Gruppen erreichen sie nicht." Selbst wenn das Automobil die drängenden Fragen nach Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit beantworten könnte, heißt das also nicht, dass es wieder den ersten Platz im Herzen der Menschen wird einnehmen können.

Zoom
Kultobjekt Auto, Abwrackprä,mie, Statusobjekt, Konsumgut, Krise

Sie posiert für die Generation 50 plus© Mario Vedder/DDP

Der Verlust der Poleposition in Sachen "Konsum und Emotionalität" kann sich zur ökonomischen Katastrophe für die Autoindustrie entwickeln. Im Grunde reicht ein Wagen vom Preis eines VW Polos für die meisten Bedürfnisse aus, zu Mehrausgaben verführt nur der emotionale Mehrwert. "Es ist die emotionale Reichhaltigkeit, die den ökonomischen Mehrwert treibt. Wenn ein Thema stark emotional besetzt ist, sind die Menschen bereit, dafür viel Geld auszugeben. Die deutsche Autoindustrie hat von diesem Mehrwert weltweit am meisten abgegriffen. Sobald diese Kopplung von Produkt und Gefühl im Kopf aussetzt, bedeutet den Menschen der technische Mehrwert an sich nicht viel", fürchtet Peter Kruse.

Wenn die naive Begeisterung für die reine Technik vom Kunden nicht mehr geteilt wird, stellt sich die Sinnfrage. Neben einem Produkt, das sich durch herausragende Technik definiert, werden Autohersteller Lebensqualität mit ihren Produkten generieren müssen. Ein wunderbares Wochenende wird mehr zählen, als ein Top-Ergebnis auf der Nordschleife. Die Frage ist: Was am Auto ist heute wichtig und wunderbar? Was ist der Mobilitätsgewinn, den ein Auto heute noch geben kann? Peter Kruse: "Wir haben jetzt Gruppen, die im Informationszeitalter groß geworden sind, für die ist es nicht mehr das große Initiationserlebnis, sich mit 18 ins Auto zu setzen und loszufahren." Die Kopplung des Freiheitsgedankens der individuellen Mobilität werde sich daher vom Objekt Auto lösen. Kruse vermutet, dass die Konsumenten in Zukunft eher Premium-Mobilität suchen werden als ein Premium-Fahrzeug. In der nächsten Generation werde es nicht mehr der unmittelbar erlebte Fahrspaß sein, der die Konsumenten anspricht, sondern das Gefühl in einem cleveren Konzept unterwegs zu sein. Nur wer hochintelligente Mobilitätskonzepte anbiete, die als "cool" empfunden werden, der habe eine Chance, dass Leute sich so damit identifizieren, dass sie sich damit auch zeigen wollen.

Info nextpractice Das von Professor Dr. Peter Kruse gegründete Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice entwickelt Managementwerkzeuge und Interventionsansätze zur Entscheidungsunterstützung sowie zur Förderung und Nutzung kollektiver Intelligenz. Anwendung findet der Ansatz von nextpractice in der Unternehmensberatung, der Marktforschung und der politiknahen Begleitung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. In den letzten Jahren haben sich die nextpractice-Werkzeuge im Auftrag von Trendanalyse und strategischer Markenführung als nützlich erwiesen. Das Interviewverfahren nextexpertizer kann Kauf entscheidende unbewusste Bewertungsmuster von Konsumenten erfassen. Auskunftspersonen können kulturunabhängig und ohne Vorgabe qualitativ befragt und dennoch quantitativ vergleichbar gemacht werden. So ist die Verortung neuer Produkte im Kopf des Kunden ebenso möglich, wie die empirische Herleitung "psychographischer Segmentierungsmodelle oder die praxisnahe Implementierung eines international einsetzbaren Markenmonitorings".

Von Gernot Kramper
KOMMENTARE (10 von 36)
 
artbond (03.10.2009, 10:38 Uhr)
Auto?
ach das ist das Blechdings, mit dem ich morgens zur Arbeit fahre....
Im ernst, der heutigen Jugend ist das völlig wumpe... mit der hochglanz Prospektwelt der Premiumhersteller kann da keiner was anfangen. Statussymbol ist nicht mehr der Stern auf der Haube, sondern der Apfel auf dem Notebook/Handy. Bei meinem letzten Geschäftsauto wurde ich von so einem Halbstarken ausgelacht, weil er seinen Ipod nicht an die 100 000 ? Karre anschließen konnte... soviel dazu
lazarus06 (02.10.2009, 22:21 Uhr)
@HisDudeness ...Das kann ich aus Erfahrung bestaetigen
Wobei wir wieder beim uebertriebenen Profitstreben sind .. der wahre Grund
Logan5 (02.10.2009, 18:52 Uhr)
Internet
Früher konnte man nur mit einem Auto in vertretbarer Zeit und im Alltag viele weit entfernte Läden aufsuchen. Dadurch hatte man Zugriff auf viel mehr Produkte und einen Boost an Lebensqualität. Heute kann man alles im Internet bestellen und bekommt es dann geliefert. Ein Auto ergibt heute nicht mehr den gleichen Zusatznutzen wie in früheren Zeiten.
Eisenbaer (02.10.2009, 17:07 Uhr)
Warum in D Golf fahren?
Weil, ich könnte mir auch locker eine S-Klasse vor´s Haus stellen oder einen Q 7 javascript:;oder einen M 5. Nur warum? Wozu sollte das gut sein? Stattdessen steht eben ein simpler Golf in gehobener Ausstattung, aber mit kleinem Motor vor der Tür. Und des ist mir dabei sch....egal, ob das gleiche Modell in S oder CH oder in den USA ein paar Tausender weniger kostet. Denn ich lebe in D und nirgendwo anders, ganz einfach weil es mir hier am besten gefällt. Also: ich will in D leben und will einen Golf fahren. Und es ist mir auch klar, dass in D leben etwas kostspieliger ist, als in manchem anderen Land, aber zum einen kann ich es mir locker leisten und zum anderen gibt es in anderen Ländern andere Kostenfallen.

- Es ist meine FREIE Entscheidung. -

Und wem´s hier nicht gefällt: in DIESEM Land wird niemand festgehalten, es steht jederman stets frei sich dorthin zu wenden, wo es ihm besser gefällt.
acitapple (02.10.2009, 16:04 Uhr)
@biff
naja, hauptsache mal sachlich zum thema beigetragen...

@stern: danke fürs löschen
BiffBoffo (02.10.2009, 15:54 Uhr)
@acitapple
Sie bestätigen soeben selber ihre aussage - danke :)
Aber wie gesagt, mir is das sowas von scheissegal was dieses Geldgrab Automobilindustrie hier tut. Irgendwann werden sie merken das sie ihre autos nicht essen können.
BiffBoffo (02.10.2009, 15:36 Uhr)
@acitapple
meine mutter hat mal gesagt, jeder der mehr als drei ausrufezeichen macht ist ein idiot. Ok, das muss nich stimmen könnt aber durchaus sein. Anyways, klar, die deutschen werden natürlich abgezockt. BMW baut ihre autos komplett in den USA. Klar, is billiger. So, jetzt werden natürlich die Argument für die in D. hergestellten VWs schwierig. Von dem her liegt die Abzocke auf der hand. Ich finds echt traurig was die Autohersteller hier abziehn.
acitapple (02.10.2009, 15:04 Uhr)
@hisdudeness: oh mein gott
hab grad mal verglichen: der bmw x5 35d hat in den usa nen grundpreis von 52t usd, das sind umgerechnet 35t euro. in D liegt der grundpreis bei 60t euro !!!!!!!!!!! also für 35t würd ich den auch nehmen !!!!
acitapple (02.10.2009, 14:58 Uhr)
hisdudeness
liegt wohl auch daran, dass in D immer noch das motto gilt:"nur was teuer ist, ist auch gut" !!

@auwei: NOCH bestehen die leute eben auf dem golf, weil das beste gerade gut genug ist. ausserdem ist es den geschäftlichen leasingnehmern ziemlich egal, da die raten von der steuer abgesetzt werden. wenn der wunschgolf des privatkäufers laut liste 30t euro kostet und der händler gibt 2t rabatt, denken manche noch, sie hätten ein schnäppchen gemacht... irgendwie muss man sich ja vom nachbarn distanzieren !
HisDudeness (02.10.2009, 14:46 Uhr)
Meine Empfehlung:
Einfach mal die Preise vergleichen. Gehen Sie mal auf die amerikanische VW Seite und stellen Sie sich z.B.einen EOS zusammen.
Mein Ergebnis bei gleicher Ausstattung:
VW Deutschland: 41803 Euro
VW US: 35900 US$
Bei einem aktuellen Wechselkurs von
1 Euro = 1,4551 US-Dollar kann man deutlich sehen, wo die deutschen Hersteller ihr Geld verdienen. Wenn der Ami unsere Preise zahlen müsste, wäre er bei ca 60000 Dollar. Umgekehrt heisst das, das dt Autos in USA bis zu 40% (Liste) billiger sind als im Herstellerland.
Bei amerikanischen Preisen wäre von einer Absatzkrise in Deutschland nie die Rede gewesen.
Da ich öfter geschäftlich an der Ostküste bin, kann ich nur sagen das die tatsächlichen Preise dort noch mal ca 20% unter den Listenpreisen sind. Ein Fabrikneuer BMW M3 geht dort z.B für $55000(!) über den Thresen.
Mein Fazit: der dt.Michel wird eben gerne abgezockt. Traurig, aber war.

Grüsse
MEHR ZUM ARTIKEL
Nach Abwrackprämie Pkw-Neuzulassungen steigen - noch

Im September hat es noch einmal ein sattes Plus beim Autoabsatz gegeben - obwohl die Abwrackprämie Anfang des Monats ausgelaufen ist. Freie Kfz-Händler spüren jedoch schon jetzt den Wegfall der Prämie, und Auto-Experten sagen schwere Zeiten für die Branche voraus. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
stern.de in Social Networks
 
Mobil
 
Widgets
 
 
Adobe Flash Player