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9. Juli 2010, 10:55 Uhr

Der Trend heißt Busfahren

Einfach überall hinfahren können – ob mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug. Das wird es so in der Zukunft nicht mehr geben. Zwar wird das Elektrofahrzeug kommen, aber richtig glücklich werden wir damit nicht. Von Walter Hasselbring

Mobilität der Zukunft , Elektorauto, E-Mobility. Atomkraft

Die Frage lautet, kann der Stromantrieb unsere Mobilität erhalten?© Steffi Loos/DDP

Der Hype, der um die Elektrifizierung des Autos gemacht wird, stammt aus der puren Angst, dass es mit unserer Mobilität, mit unserer "Reisefreiheit" doch nicht mehr so weiter geht wie bisher. "Der Lebensstil in den industrialisierten Ländern beruht auf der reichlichen und billigen Verfügbarkeit von Erdöl", sagt Jörg Schindler von der Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO). Und er ergänzt: " Der moderne Verkehr ist zu fast 100 Prozent vom Öl angetrieben, aber die Tatsache der Endlichkeit dieser Energiequelle wird vielfach als rein theoretisch wahrgenommen." Dass Alternativen her müssen, liegt auf der Hand. Geht es nach der Bundesregierung, soll Deutschland sogar der Leitmarkt für die Elektroautos werden. Ein Ziel, das allerdings auch andere Länder wie China, Spanien , Frankreich oder die USA anstreben. Und tatsächlich böte der Elektromotor eine Reihe von Vorteilen. Er hat einen sehr hohen Wirkungsgrad. Wirklich umweltverträglich werden die Stromer aber erst bei einer vollständigen Energieversorgung aus regenerativen Quellen. Zur Zeit werden in Deutschland im Durchschnitt pro erzeugter Kilowattstunde 600 Gramm Co2 in die Luft geblasen. Allzu enthusiastischen Befürwortern sollte es zu denken geben, dass Frankreich weniger als ein Drittel CO2 bei der Stromerzeugung emittiert. Die deutschen Windparks kommen zumindest jetzt noch nicht gegen die Leistung der französischen Kernkraftwerke an.

"Der große Bringer ist das nicht", meint Professor und Kanzlerinberater Andreas Seeck, von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST), "schließlich hat die EU sich auf maximal zwei Grad Temperatursteigerung bis 2050 gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter geeinigt. Das bedeutet, dass wir pro Kopf und Jahr nur noch eine Tonne Co2 produzieren dürfen. Jetzt sind es in der OECD und auch bei uns zehn Tonnen pro Kopf und Jahr."

Alles gute Argumente für die autoelektrische Zukunft. Aber selbst Minimobile mit spartanischer Ausstattung wären derzeit unter 35 000 Euro nicht zu haben. Alleine die Hälfte des Preises muss für die Batterie veranschlagt werden. "Die Energiedichte eines benzin- getriebenen Fahrzeugs ist etwa 100mal so hoch wie die eines elektrischen - gemessen in Kilowattstunden pro Kilogramm", rechnet Professor Holger Hanselka, Leiter der Systemforschung Elektromobilität am Frauenhofer Institut vor. Natürlich sind Steigerungen zu erwarten, aber es gibt auch negative Faktoren. Unter zehn Grad Celsius halbiert sich die verfügbare Energie etwa noch einmal. Zudem gibt es noch erhebliche Zweifel an der Sicherheit der Akkus.

Professor Seeck, Leiter der Abteilung Fahrzeugsicherheit bei der BAST gibt zu bedenken: "Da gibt es vor allem das Problem etwa austretender toxischer Gase. Lithium - Ionen Batterien sind deutlich brisanter als ein Benzintank. Das gilt auch für die enorme Spannung von gut und gerne 400 Volt." Völlig ungeklärt ist beispielsweise, wie sich bei einem Unfall die Ersthelfer der Feuerwehr oder Sanitäter verhalten sollen. "Bei einem dramatischen Unfall kann die ganze Technologie an Bord verbrennen, deshalb brauchen wir von Anfang an hochwertige, sichere Fahrzeuge", sagt Professor Seeck nachdrücklich." Was bislang so herumfährt sind entweder Bastlerlösungen oder es sind konventionelle Autos, denen man einen E-Antrieb verpasst hat."

Außerdem sind alle bisherigen Modelle ob E-Fahrräder, E-Motorräder oder E- Autos viel zu schwer für den Stromantrieb. Konsequenter Leichtbau wäre von Nöten. Die entsprechenden Werkstoffe würden die Fahrzeuge allerdings noch mal erheblich verteuern. Ihre aufwändige Produktion verschlingt zudem auch viel Energie. Völlig offen ist, wie eigentlich die Stromversorgung sichergestellt werden soll. Welcher Energiekonzern wird ein Netz von Zapfstellen bereitstellen für nur eine Million E- Autos im Jahre 2020 bei einem Gesamtbestand von 44 Millionen PKW? ´"Allein mit dem Strom-Bedarf der E-Autos können wir das nicht stemmen", sagt der Manager eines Stromanbieters. Außerdem arbeiten die Konzerne bislang unkoordiniert an Insellösungen. Sogar die scheinbar banale Frage, wie der Strom abgerechnet werden soll, bleibt bislang offen. Beim Thema Abrechnung dürfte auch die von der E-Mobilität so begeisterte Politik Probleme bekommen. Im Moment fahren E-Autos für lau auf den Straßen, den abkassiert wird an der Ölzapfsäule. Was aber, wenn nicht nur ein paar Versuchsmodelle sondern Millionen von E-Mobilen durch die Städte fahren. Was wird mit der Mineralölsteuer von jährlich rund 40 Milliarden Euro? ASPO - Vertreter Jörg Schindler ist sicher, dass "das Kostenniveau zukünftiger Mobilität erheblich höher liegen wird, und wir uns schon deshalb ganz vom Gedanken des fossil getriebenen Verkehrs, wie wir ihn heute betreiben, verabschieden müssen." Das bedeutet, weniger Individualverkehr, weniger Fernreisen, weniger Spritztouren ins Umland. Das heißt aber auch, dass der Staat weniger Einnahmen bei gleichen Kosten erzielen wird, denn bestehende Straßennetze müssen weiter erhalten werden. Für uns alle bedeutet das, auch mit Elektromobilen werden wir alle mehr laufen und mit Bus, Bahn und dem Fahrrad fahren!

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Von Walter Hasselbring
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Countryjoe (12.07.2010, 08:04 Uhr)
Unsicher
Wenn dann die öffentlichen Verkehrsmittel mit ihrer zwangsweisen Nutzung auch noch immer Tummelplatz von Gewalttätern sein werden, dann gute Nacht. Im Prinzip ist das eine Rückentwicklung die nicht hinnehmbar ist.
RonjaRaeubertochter (11.07.2010, 19:47 Uhr)
Erinnern Sie sich an die Ölkrise in den 1970-er Jahren?
Ich wäre gewiss die letzte, die nicht gutheißen würde, dass die Menschen mehr zu Fuß gehen und Wege bis zu 10/15 km per Fahrrad zurücklegen sollen.
Nur befürchte ich, dass wir wieder einmal nichts lernen, nichts dazu lernen und alle weiter individuell überall hinreisen wollen.
Time is cash, time is money... mit den Öffis dauert es zu lange, ist zu umständlich, kann man sich nicht drauf verlassen... Wir kennen alle diese Ausreden. Und manchmal sind es nicht einmal Ausreden.
Dass die E-Fahrzeuge nicht das Gelbe vom Ei sind, liegt allerdings auf der Hand. Elektrizität muss eben auch erst mal produziert werden und die Fahrzeuge in kurzer Zeit geladen werden können, sei es auch durch einen Austausch der Batterien. (An den ich alleine wegen der Haftungs- und Garantiefragen nicht so recht glauben mag.)
Vor allem wenn das Fahrrad und die eigenen Füße vermehrt eingesetzt würden, könnte das auch auf dem Gesundheitssektor enorme Kostensenkungen zur Folge haben: mehr Bewegung, mehr Fitness, sauberere Luft, weniger Atemwegserkrankungen und Allergien...
Ich finde den Artikel gleichwohl hervorragend! Und ich hoffe!
the_pope (11.07.2010, 19:07 Uhr)
"...Leiter der Systemforschung Elektromobilität am Frauenhofer Institut vor..."
Aua, was für ein Schnitzer. Das Institut heißt FraUNhofer.
Stirb_Susi (11.07.2010, 18:52 Uhr)
E-Cars sind die Steilvorlage
für Laufzeitverlängerung bzw. Neubau von AKWs, da es keine Infrastruktur gibt , die eine "Betankung" mit renerativen Energien ermöglicht. Imübrigen begeben wir uns in eine direkte Abhängigkeit zu den Stromversorgern und zwar noch mehr als wir es bei Öl je geschafft haben. (nebenbei ist das auch der Grund warum die CDU plötzlich so fürs E-Cars ist ). Aber der Kunde will es ja auch nicht anders, anstatt verstärkt LPG-Fahrzeuge nachzufragen (Neu- wie auch umgerüstet) , wo die Infrastruktur im Gegensatz zu Erdgas weit mehr vorhanden ist, spinnen wir gerade wieder mal in Deutschland in der für uns typischen 100 % Lösung (E-Car solarbetrieben) , die nie zu erreichen sein wird. Ganz davon abgesehen , ist es schon witzig mit anzusehen, dass wir uns über 1 Watt Standby aufregen, aber Fahrzeuge mit einem Wirkungsgrad entwickeln wollen, deren Verschwendung von Energie uns dann eigentlich zum sofortigen Herzstillstand treiben müssten.
IchWillAuchWasSagen (09.07.2010, 14:37 Uhr)
Es muß ja nicht sofort ein "Komplettstromer" sein
aber wenn man z. B. das Prinzip der Hypbridfahrzeuge oder das von Autos wie dem Opel Ampera fördern würde, wären wir ja auch schon mal einen Schritt weiter. Außerdem sollte man gesetzlich vorschreiben, daß Autos in Zukunft grundsätzlich mit Einrichtungen wie Start-Stop-Automatik, Bremsenergierückgewinnungsystemen und Energiesparreifen ausgestattet werden müssen.
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