. .
Autokauf - Kaufberatung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. September 2007, 18:53 Uhr

Reisen bald nur noch Reiche?

Runter mit den CO2-Emissionen! Das wollen alle, aber die fossilen Ressourcen werden teurer, bevor sie endgültig aufgebraucht sind. Hinter der Diskussion um EU-Grenzwerte lauert die Frage der Gerechtigkeit, wenn ein Porsche Cayenne mit einem kleinen Trick zum Klimafreund wird. Von Christoph M. Schwarzer

"Klimaschweine": Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrieren am Rande der IAA gegen den hohen CO2-Ausstoß von Autos© Getty Images

"Klimaschweine". Mit rosa Farbe, Ohren und Ringelschwänzen verzierte Greenpeace vor der IAA Autos von Audi, BMW und Volkswagen. Der Vorwurf der Umweltschutz-Organisation: Mit ihrem hohen Verbrauch und den entsprechenden Kohlendioxid-Emissionen heizen die dicken deutschen Luftverschmutzer das Klima an. Und die Spar-Studien auf der Automesse seien nur "Scheinaktivitäten". Die eine Million Gäste, die zur IAA pilgern werden, sollte sich für mehr als nur das Klima interessieren. Denn die CO2-Emissionen gehen mit dem Verbrauch einher, und der müsste bei Rekordpreisen um 80 Dollar pro Rohöl-Fass eigentlich von allein sinken. Aber was passiert, wenn die breite Masse trotz hoher Preise noch Auto fahren will.

120 Gramm CO2-Ausstoß pro 100 Kilometer: Wie soll das ein BMW X5 jemals schaffen?© Getty Images

EU plant harte Obergrenzen

Das Problem ist bekannt. Die fossilen Ressourcen sind begrenzt, die Nachfrage steigt nicht nur wegen der Chinesen, und kleinste politische Unruhen können den Preis in die Höhe treiben. Sparen ist angesagt, und das sieht sogar die EU-Kommission so: Bis 2012 soll die Obergrenze beim Kohlendioxid 120 Gramm pro Kilometer betragen. Das entspricht etwa fünf Liter Verbrauch beim Benziner und 4,5 Liter beim Dieselmotor. Wie soll das ein Geländewagen vom Schlag eines Mercedes GL oder BMW X5 jemals schaffen? Das, so scheint die Position der EU, ist Aufgabe der Hersteller. Und die könnten unter Umständen, siehe Porsche, den Laden dichtmachen, weil die Ziele unerreichbar sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat darum Stellung bezogen: Die deutschen Hersteller hätten ihre Unterstützung bei der Forderung, dass die von der EU geforderte Reduktion des Treibhausgases Kohlendioxid auf die verschiedenen Segmente verteilt werden müsse. Was das in der Übersetzung heißt, ist wie so oft bei Angela Merkel nicht klar zu deuten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) plädiert nämlich für eine Differenzierung der Grenzwerte nach Fahrzeuggewicht.

VDA ohne zukunftsfähigen Vorschlag

Im Klartext möchte der VDA also, dass schwergewichtige Autos, deren Hauptvertreter die großen Geländewagen - neudeutsch SUVs - sind, weniger scharfe Grenzwerte erfüllen müssen als Kleinwagen. Wie absurd diese Forderung ist, zeigt ein Vergleich innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Ein Oberklasse-Audi A8 wiegt bei ähnlicher oder gleicher Technik wie ein VW Phaeton etliche Zentner weniger. Eine Regelung nach VDA-Vorstellung würde in der Folge den Druck von den Herstellern nehmen, endlich die Gewichtsspirale umzudrehen und leichtere, sparsamere Autos zu bauen.

Langsam packt den VDA offenbar die nackte Angst. Die Profitbringer der deutschen Autoindustrie, und zu denen gehören die fast ausnahmslos im Ausland produzierten schweren Geländewagen, könnten plötzlich entweder per Gesetz vom Markt verschwinden oder durch hohe Steuern im Absatz geschwächt werden. Da wird auch Frau Merkel nicht helfen: Wenn sie von der Verteilung der Reduktionsziele auf verschiedene Segmente spricht, hat sie bestimmt nicht die Erlaubnis für schwere Limousinen und Geländewagen im Auge, ungestraft höchste Verbräuche zu realisieren.

"Klimaneutral" durch Biosprit

Wahrscheinlicher ist, dass ihr ein Flottenverbrauch vorschwebt: Jeder Hersteller müsste im Durchschnitt der von ihm angebotenen Fahrzeuge einen Wert von 120 Gramm erzielen. Das ist leichter für alle Hersteller, die auch kleine Autos anbieten. Für die Vollsortimenter Opel und Ford trifft das ohnehin zu. Auch Mercedes hat mit A-Klasse, Smart und kommenden Brennstoffzellen-Autos Verbrauchssenker im Programm. Und bei BMW hilft der Mini. Einzig Porsche hätte ein Problem - es sei denn, die Baden-Württemberger kauften wirklich Volkswagen. So wären alle aus dem Schneider. Selbst ein paar kleine Strafzahlungen beim leichten Übertreten der Grenzwerte wären kein ernsthaftes Problem. Alle wären zufrieden, und die Kanzlerin hätte mal wieder gezeigt, was mit Kompromiss, Verstand und ein wenig List alles möglich ist. Von der EU droht den deutschen Autobauern also wenig Gefahr, zumal der Wert der CO2-Emissionen nominell auch durch den Einsatz von Biokraftstoffen gesenkt werden kann. Auf die Spitze getrieben könnte das bedeuten, dass ein Porsche Cayenne mit Bioethanol oder Biomethan vom eigenen Feld plötzlich als "klimaneutral" eingestuft werden könnte. Und gewonnen hätte wieder der, der sich den Ackerbau leisten kann. Der Normalo kann schon mal die Reifen von seinem Fahrrad aufpumpen.

Politik könnte Individualverkehr sichern

Sorgen machen muss sich die breite Masse der Autofahrer, die Pendler und Alltagsnutzer. Für sie droht Ungemach in Gestalt der kommenden, CO2-basierten Kfz-Steuer. Ein Luxusauto verbraucht drei bis vier Mal so viel wie ein Kleinwagen. Sollte die zukünftige Steuer linear gestaltet werden, und das könnte ab 2009 für Neuwagen der Fall sein, wäre dann eben auch nur das drei- bis vierfache an Steuern fällig. Ein Scherz für den, der es sich leisten kann. Politiker sprechen es ungern direkt aus: Verhaltensregulierung über der Preis bedeutet für das untere Ende der Einkommensspanne immer Verzicht. Eine ernsthafte Lenkungswirkung wäre wohl nur zu erzielen, wenn man einen erstrebenswerten Zielwert von zum Beispiel den 100 Gramm Kohlendioxid-Emissionen eines VW Polo BlueMotion annimmt, die darüber liegenden Autos überproportional besteuert und das Geld benutzt, um darunter liegende Fahrzeuge zu fördern.

Der Staat kann also durchaus Einfluss nehmen und die Mobilität der breiten Masse zu sichern. Die Ressourcen sind begrenzt, und mit welcher Begründung sollte einer mehr vom kostbaren Gut Rohöl verwenden dürfen als ein anderer? Die Konsequenz kann nur sein, dass Großverbraucher erheblich zur Kasse gebeten werden, um Konzepte zu fördern wie den Opel Flextreme oder den Citroen C-Cactus, die geringe Verbräuche für Autos im Massenmarkt schaffen würden. Wenn alles so bleibt, wie es ist, gehört die Autobahn irgendwann den Reichen. Dann gilt frei nach Brecht: Man siehet die, die fahren, die die nicht fahren, sieht man nicht.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
RomanTicker (18.09.2007, 00:24 Uhr)
Keine Sorge
Es gibt genug Möglichkeiten, umweltfreundliche Fahrzeuge zu bauen. Sobald es entsprechende Gesetze gibt, werden Fahrzeuge mit anderen Antriebssysstemen den Markt geradezu überschwemmen. Egal ob Elektroantrieb, Brennstoffzelle oder Hybrid. Die Technik existiert und wird nur noch nicht genutzt, weil sich mit der herkömmlichen Technik momentan mehr Geld verdienen lässt. So ein Blödsinn, wie hier von anderen verzapft wird, dass Autofahren nur noch für Reiche erschwinglich sein soll, wird auf keinen Fall Realität. Dafür hängt wirtschaftlich zu viel von der Autoindustrie ab. Wer hätte denn etwas davon, wenn die Normalos sich kein Auto mehr leisten könnten? Das schmeckte höchstens ein paar Öko-Extremisten, aber auch die haben nichts gegen individuelle Mobilität, sofern sie umweltverträglich ist. Deshalb brauchen wir harte Gesetze, damit die umweltfreundlichen Techniken sich auch endlich durchsetzen. Wir brauchen keine Aufweichung der Gesetze durch Merkel oder andere Politiker. Die deutschen Automobilbauer bereiten sich ohnehin schon auf die unabwendbare Zeit nach dem Öl vor. Es wird endlich Zeit, dass mit Wasserstoffgewinnung im großen Stil begonnen wird. Dafür kann men hervorragend regenerative Energiequellen und das reichlich vorhandene Wasser nutzen.
Hannes73 (18.09.2007, 00:19 Uhr)
Unser Problem sind die vielen Reichen
Die Autohersteller werden immer das anbieten, was die Käuferschicht gerade so nachfragt. Und zur Käuferschicht gehören nun mal überwiegend jene, die über das nötige Kleingeld verfügen. Und dass diese Reichen sich zukünftig nun gerade nach dem CO2-Ausstoss richten, das darf man wohl stark bezweifeln. Da steht nämlich das Renommeedenken meistens im Vordergrund, und mit einem Kleinwagen läßt sich leider immer noch kein Eindruck schinden.
Es wird also letzlich wohl darauf hinauslaufen, dass sich lediglich im Unterschichtenbereich einiges tut. Dort werden im Laufe der Zeit wohl immer mehr aufs Fahrrad umsteigen müssen, und die Autobahnen werden somit ja auch freier. Und am Ende wird man uns dann stolz verkünden, dass der CO2-Ausstoss im Straßenverkehr erfreulich abgenommen hat, und das alles, obwohl unsere Autoindustrie nach wie vor diese ps-starken und großvolumigen Monster-Autos baut.
Solange sich das Auseinaderklaffen von arm und reich weiterhin so verstärkt fortsetzt wie bisher, solange wird es auch keinen Durchbruch hinsichtlich wirklich umweltschonender Autos geben. Unser Problem ist einfach, dass bei uns zu viele Menschen zu viel Geld haben.
mupfeline (17.09.2007, 22:26 Uhr)
Wozu wollen arme Leute noch reisen?
Freie Fahrt für Reiche damit man auf der Autobahn endlich mal vorwärts kommt. Diese Perspektive zeichnet sich schon lange ab. Warum also jetzt überrascht?
Salzsteuer (17.09.2007, 22:05 Uhr)
120 gr CO2 Flottenverbrauch
...für den Fahrzeugpark des Bundestages wäre ein sehr schöner, vorbildlicher Anfang!
Auf geht`s, Frau Bundeskanzlerin!!
Roy05441 (17.09.2007, 22:01 Uhr)
Find ich toll,...
Veronas Busen Grönlandeises voll!
Dann singe ich als 100 dertjähriger doch aus voller Brust, die Waldeslust!
PC118351 (17.09.2007, 20:25 Uhr)
Dann ist ja alles klar
wie gruen waren die Gruenen in den 80ern und 20 Jaehrchen spaeter- naja Ihr wisst schon. Also Europa, dann ma loss. Die USA, Indien, China, Japan und Russland werden so schnell wie moeglich folgen. Achja, wenn Sie deutsche Autos kaufen, dann sowieso...Bloss lustig, dass es kein Abgeordneter mit einem Kleinklassewagen gibt!
MEHR ZUM ARTIKEL
Alternative-Antriebe Wassertropfen statt CO2

Schadstoffe? Nein danke! Dieser Explorer hat der über 500.000 Kilometer abgespult. Nicht mit einem V8-Motor, sondern mit einer Brennstoffzelle. Vor der Serienreife könnte die Technik aber ganz schnell ganz veraltet sein. mehr...

Tempo-Limit Klimabremse aus Brüssel

Der Brite Chris Davies will die EU-Bürger auf die Schleichspur verbannen und nebenbei Porsche, Ferrari und alle anderen Sportwagenhersteller ruinieren. Um den CO2-Ausstoß zu begrenzen, sollen private Pkw nicht schneller als 162 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. mehr...

Klimadebatte "Dann können wir einpacken"

Audis neuer Entwicklungsvorstand verspricht Ressourcenschonung durch Hightech. Aber wenn ein Q7 nur so viel CO2 ausstoßen darf wie ein Kleinstwagen, sieht Michael Dick schwarz für den Auto-Standort Deutschland. mehr...

Kommentar Und der Klima-Verlierer heißt...

Das Autojahr sollte mit vielen, tollen Spielzeugen beginnen. Doch die Freude über noch mehr PS und noch dickere Reifen ist getrübt. Klimaschutz und CO2-Ausstoß bestimmen die Diskussion. Die deutsche Industrie steht vor dem Genfer Autosalon hilflos in der Manege. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft