. .
Autokauf - Kaufberatung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Juli 2009, 10:04 Uhr

Töff-Töff statt Choo Choo

Den Chattanooga Choo Choo kennt durch Glenn Millers Hit aus den 40ern fast jeder. Ansonsten hat die Stadt im Süden des US-Bundesstaates Tennessee wenig zu bieten. Ab 2011 produziert Volkswagen hier Autos. Die Rückkehr in eine alt bekannte neue Automobilwelt.

Chattanooga, Tennessee, Volksawagen, VW, Autobauer, Fabrik

Mehr als eine Milliarde US-Dollar investiert VW in die neue Fabrik, mit der rund 2000 Arbeitsplätze entstehen werden© Hersteller/Press-inform

Am 15. Juli 2008 begann für Chattanooga ein neues Zeitalter. Keine Cover-Version des alten Glenn-Miller-Hits, der die Stadt wieder landesweit in die Schlagzeilen gespült hätte, und auch einer bekanntesten Söhne der Stadt, R&B-Sänger Usher, war nicht publikumswirksam in die Stadt am Ufer des Flusses Tennessee zurückgekehrt. Trotzdem war der Tag für Bürgermeister Ron Littlefield und die anderen rund 170.000 Einwohner der Stadt ein großer. Immer wieder war der automobile Choo Choo in den vergangenen Jahren an Chattanooga vorbeigerauscht ohne am Bahnhof zu halten. Mercedes und Toyota hatten mehrfach Interesse an einer Ansiedlung einer neuen Fabrik in der Region bekundet - und sich dann doch anders entschieden. Besonders bitter war es seit der Jahrtausendwende als Toyota zweimal kurz vor einem Vertragsabschluss stand, und sich bei den Produktionsentscheidungen für die Modelle Tundra und Highlander dann letztlich für andere Städte entschied.

Und auch am 16. Mai 2008 sah es alles andere als rosig aus. Eine Gesandtschaft von Volkswagen besuchte Chattanooga. Doch der Besuch, bei dem es um alles oder nichts gehen sollte, war vorbei bevor er überhaupt begonnen hatte. Ein paar grüne Hügel auf dem Gelände eines alten Munitionslagers, zwei Bahnlinien und zwei Autobahnkreuze waren den Produktionsverantwortlichen aus Wolfsburg unter der Leitung von Vorstand Dr. Jochem Heizmann einfach zu wenig, um den Daumen zu heben. Man setzte sich in den Flieger und zog unverrichteter Dinge gen Deutschland ab. Schien so, als würde die Eisenbahnstadt im traditionsreichen Süden der USA ihren verschmutzen Charme aus längst vergangenen Montanzeiten nie ablegen können. Doch noch eine Niederlage für Chattanooga wollte der umtriebige Gouverneur des Bundesstaates Tennessee, Phil Bredesen, nicht hinnehmen. Schließlich ging es um 2.000 Arbeitsplätze, einen neues Werk und ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Dollar. Den Finanzfluss wollte man nicht zu den Konkurrenten Huntsville oder Battlecreek abwandern sehen.

Der Anfang scheint gemacht

"Die haben am Tag nach dem Ortsermin damit angefangen, eine Fläche von über 1.300 Acres abzuholzen, damit man sich das Gewerbegebiet besser vorstellen konnte", erzählt Thilo Brockhaus, Bauleiter des VW-Werkes, "und das ohne jeden Auftrag. Einfach unglaublich." Einen Tag später rollten Dutzende von Baggern und schwerstes Baugerät an. Die hügelige Landschaft im Südosten von Chattanooga wurde abgeholzt und binnen kürzester Zeit dem Erdboden gleich gemacht. "Hier wurde sieben Tage die Woche, rund um die Uhr mit schwerem Gerät gearbeitet", berichtet Brockhaus, "so etwas habe ich noch nie erlebt." Nach zwei Monaten war alles bereit für die nächste Besichtigung. Damit Volkswagen sich in der Zwischenzeit nicht anderweitig mit einem der Konkurrenzstandorte verheiratete, schickten die Verantwortlichen von Stadt und County mehrfach in der Woche Zustandsberichte und Luftfotos nach Wolfsburg. Die spektakuläre Kamikaze-Aktion verfehlte ihren Sinn nicht. Am 15. Juli 2008 vermeldete die Zeitung "Chattanooga Times Free Press", dass VW sich zugunsten der Choo-Choo-Stadt entschieden hatte. Die ganze Region feierte und Bürgermeister Ron Littlefield konnte schon einmal den Champagner für seine zweite Amtszeit bereitstellen. Ein Telefonat in die deutsche Partnerstart Hamm ließ nicht lange auf sich warten.

"Wir sind natürlich nach wie vor froh und stolz, dass Volkswagen sich für Chattanooga entschieden hat", erzählt der 63jährige Mayor nicht ohne jeden Stolz. An der Wand hängt die Sonderausgabe der Chattanooga Times vom 15. Juli 2008. Auf dem rund 6,4 Quadratkilometer großen Areal werden Gebäude für Karosseriebau, Lackiererei, Montage sowie für die Verwaltung errichtet. Mit dem deutschen Großinvestor im Rücken soll sich in den nächsten Jahren am Tennessee River viel tun. Der Anfang scheint gemacht. "Derzeit liegt unsere Arbeitslosigkeit bei rund zehn Prozent", so Mayor Ron Littlefield, neben dessen Schreibtisch bereits ein roter Spielzeug-Beetle thront, "wir wollen sie in der nächsten Zeit gerne halbieren. Untersuchungen haben ergeben, dass uns das neue Werk zwischen 15.000 und 20.000 neue Arbeitsplätze in der ganzen Region bringt." Der Choo Choo scheint nach langen Jahren wieder Fahrt aufzunehmen.

An alte Erfolge anknüpfen

Volkswagen hat lange mit sich gehadert, ob man in den USA wieder investieren sollte. Das letzte Werk in Michigan wurde Ende der 80er geschlossen. Jetzt wollen die Niedersachsen den amerikanischen Markt wieder verstärkt in den Fokus rücken und mit dem neuen Werk nicht länger als Importeur gelten. Die Produktion der neuen Mittelklasse-Limousine, soll ab Frühjahr 2011 starten. VW rechnet mit einer jährlichen Kapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen. Rund jedes dritte Fahrzeug soll in Tennessee als Saubermann-Diesel vom Band laufen. Bis 2018 will man in den USA wieder mehr als 750.000 Fahrzeuge verkaufen und an alte Erfolge aus den 80er Jahren anknüpfen.

"Eine eigene Automobilproduktion made in America ist ein wichtiges Kernelement unserer Wachstumsstrategie auf dem US-Markt. Der US-Markt wird sich erholen und für diesen Moment ist Volkswagen gerüstet", so Volkswagen-Produktionsvorstand Dr. Jochem Heizmann, "mit unserem neuen Werk in Chattanooga setzen wir ein deutliches Zeichen für Volkswagen, für die Automobilindustrie und für den Bundesstaat Tennessee." Seit der Wolfsburger Entscheidung für Chattanooga dreht Volkswagen mächtig auf. Große Teil der neuen Lackierstraße stehen bereits als Bauleiter Thilo Brockhaus mit seinem schwarzen VW Touareg zu einer Inspektion der Baustelle aufbricht: "Ich habe vorher die Baustellen unserer Werke in Indien und Russland betreut. Aber so professionell war noch keiner. Wir haben hier eine Fünf-Sterne-Baustelle." Tag für Tag arbeiten rund 2.000 Arbeiter daran, die neue Produktionsanlage aufzubauen. Zäh gestaltet sich bislang allein die Ansiedlung von Zulieferfirmen.

 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
chatahootchee (24.07.2009, 15:01 Uhr)
WIE BITTE #2:
Malt, erkundigen Sie sich doch bitte erst, wenn Sie ueber Steuergelder schreiben. Tennessee hat zugebuttert, um das Werk zu bekommen. Und schliesslich plant VW, den Umsatz in den USA zu steigern; also produziert man hier im Lande und dies auch preisguenstiger.
Malt (24.07.2009, 14:39 Uhr)
Wie bitte?
DAS muss mir jetzt mal jemand erklären: Weltweit bricht der Automobilmarkt ein, in Deutschland werden die Unternehmen (die vorher jahrelang Gewinnrekord um Gewinnrekord gebrochen haben) durch die Abwrakprämie subventioniert um die alten Autos von der Halde zu bekommen und zwar so erfolgreich, dass die mit auf Halde produzieren gar nicht mehr hinterherkommen (komisch, immer diese Lieferzeiten von 6 - 8 Monaten für Autos, die doch eigentlich auf Halde stehen sollten), 2010 wird vermutlich das schwärzeste Jahr, dass die Automobilhersteller global je erlebt haben dürften, und VW baut ein neues Werk in den USA. Toll. Hoffentlich steht vor der Tür wenigstens ein Schild auf dem steht: Sponsored by german taxpayers! Aber vermutlich bin ich einfach zu dumm um das zu kapieren... vielleicht sollte ich in Audiokassetten investieren, eventuell kommt der Markt dafür auch nochmal in Schwung...^^
chatahootchee (24.07.2009, 13:57 Uhr)
@GMATHOL
Erstens ist es nicht Alabama, es ist, richtig, Tennessee.
Zweitens, forschen Sie mal, wo die US Werke von Mercedes und BMW sich viele Teile, z.B. komplette Motore, beschaffen? Auch richtig, aus Deutschland.
STR_EDDS (24.07.2009, 12:37 Uhr)
Ist doch ok so
Vor Jahren wurde bei uns bemängelt, die japanischen Hersteller würden zu 90% nur importieren. Freudig verwies man auf Ford. Dort entwickelt produziert man in Deutschland. Das Konzept "amerikanischer Konzern" und deutsche Arbeitsplätze war gut zu vermitteln und wurde auch so angenommen. Nun macht VW das Gleiche. Ebenso wie vorher BMW oder Daimler. Auch bei Ford in Köln kommen komplette power-trains aus den USA (Import). Die in den USA jeweils produzierten Kfz werden mehrheitlich auch dort abgesetzt (Z4, X5 - im Falle von BMW). Ich sehe da kein Problem.
.
Gekürzt und herabgebrochen auf die Linken und Rechten im Land heisst das doch nur: deutsche Arbeitsplätze für Ford sind ok. Aber amerikanische für VW sind schlecht? Vermutlich ist die Solidarität unter den "kleinen Leuten" noch nicht global.
.
@gmathol: die Gewerkschaften sind nicht vertreten? Da hatte ich von der UAW und der Einfluss einen ganz anderen Eindruck. Aber fein, dass Sie wieder einmal mehr ihrem Hass auf die Staaten freien Lauf lassen.
MisterBrezeldent (24.07.2009, 11:57 Uhr)
Alles falsch ...
... das ist die neue PORSCHE-Zentrale.
gmathol (24.07.2009, 11:53 Uhr)
Seit Lothar Spaeth kennen wir ja die Argumentation.
Um Arbeitsplaetze in Deutschland zu erhalten muss man sie zunaechst, samt technischen Wissen und deutschen Subventionen ins Ausland vorzugsweise nach China exportieren.
Danach ging es ja auch raketenartig aufwaerts mit Zeiss Jena oder etwa nicht.
Volkswagen bekommt in diesem Fall einen Haufen wertloser Dollar sowie das Fabrikgelaende in Alabama geschwenkt - zudem gibt es kein Arbeitsrecht oder Sozialvertrag mit Arbeitnehmern in Alabama. Die Gewerkschaften sind im Sueden der USA praktisch nicht vorhanden.
Pixelschubser (24.07.2009, 11:27 Uhr)
Gefährliches Halbwissen
Das Ding heißt Chattanooga Choo Choo (mit je zwei "o"). Chattanooga Choo Choo ist ein Swing-Titel von Mack Gordon, der den Text schrieb und Harry Warren, der das Lied komponierte. (Quelle: Wikipedia)
Glenn Miller hat's nur als Version 1941 veröffentlicht und kam damit in die Billboard Charts.
Soviel dazu.
Ansonsten kann ich Arniston begrenzt beipflichten, so lange es sich bei den Fahrzeugen, die dort produziert werden sollen, um Amerika-spezifische Autos handelt. Wenn die allerdings (wie es Mercedes macht) dann nach Europa verschifft werden sollen, stinkt's mich an.
Tempelhofer (24.07.2009, 11:16 Uhr)
Die Welt ist der Maßstab
Deutschland ist nur ein winziger Klecks auf der Weltkarte, ein Ort unter vielen. Auch wenn die Links- und Rechtsnationalisten mit ihrer kleinstaatlichen Weltsicht nicht verstehen können.
arniston (24.07.2009, 10:38 Uhr)
Neues VW-Werk in USA ?
würde ich auch machen , da wir in germany ja kaum arbeitslose zu verzeichnen haben.
MEHR ZUM ARTIKEL
Porsche und VW Wiedeking tut Rücktritt "in der Seele weh"

"Es tut in der Seele weh" - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist unter inneren Schmerzen abgetreten, um Schaden von Porsche abzuwenden. Der Weg für eine Zukunft mit VW ist frei - auch Volkswagen stimmte für einen integrierten Konzern. Jetzt geht es um die Frage, wieviel Autonomie können die Stuttgarter gegenüber Wolfsburg erhalten? mehr...

Südafrika Nur noch einmal pro Woche Fleisch

Das VW-Werk in Uitenhage entließ hunderte Arbeiter. Thobeka Nkevu ist eine davon: Jetzt ist die Mutter ohne Geld und Krankenversicherung. mehr...

VW-Werk Mexiko Quo vadis, Vocho?

"Vochito", Käferchen, nennen die Mexikaner liebevoll den VW-Käfer, der bis 2003 in Puebla produziert wurde. Heute werden in dem Werk nur noch Ersatzteile wie Motoren hergestellt, stattdessen läuft der New Beetle vom Produktionsband - doch auch der neue Käfer kommt langsam in die Jahre. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft