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4. März 2009, 14:01 Uhr

Stromstoß am offenen Grab

So einem Messeauftritt wie in Genf hat das Haus General Motors wohl zum letzten Mal erlebt. Der Autozombie Saab zeigt knuffige Elche, die Hummer brummen und Opel versucht sich als Pionier der Elektromobilität.

Opel, Genf, Messe

Nur den ganz Ahnungslosen kann man den Ampera als Weltneuhiet verkaufen© Martial Trezzini/EPA

Genf hat sich in den letzten Jahrzehnten als noble Messe der exklusiven Studien und Kleinserienhersteller einen Namen gemacht. Man war nicht so groß wie Frankfurt und nicht so richtungsweisend wie Detroit; doch bei Fahrzeugen, Hostessen und Messeständen durfte es am elitären Genfer See gerne ein bisschen mehr sein. Da macht der GM-Konzern, seit Jahren im ersten Stock an prominenter Stelle auf der Schweizer Leistungsschau platziert, keine Ausnahme. Dieses Jahr war alles etwas dezenter, die Neuheiten dünner und die von GM Europe beauftragten Messebauer hatten deutlich weniger Budget. Alles drehte sich um den Opel Ampera, den beblitzten Zwilling des gefühlte tausend Mal durchs Mediendorf getriebenen Chevrolet Volt. Der helle lackierte Bolide wirkte in den Scheinwerferfluten nach der überfüllten Pressekonferenz jedoch allzu verloren und erfreute sich bei den Fachbesuchern nur einer geringen Aufmerksamkeit.

Das Ende vor Augen

Es gibt bei General Motors und insbesondere auch bei Opel derzeit wichtigere Themen als den Genfer Salon und die neuen Produkte. „Eine Pleite ist nicht auszuschließen", gestand der Präsident von GM Europe, Carl-Peter Forster, der „Bild“-Zeitung. Wenn es kein Geld vom Staat gebe, sei die Tochter des angeschlagenen US-Konzerns General Motors in einer ganz schweren Situation. Hätte man das Dilemma früher absehen können - man hätte den Stand fraglos deutlich mehr gestutzt. Ob die Messeauftritte von Nebendarstellen wie Hummer, Cadillac oder Saab in dieser Form sein mussten, kann dahingestellt bleiben. Die Neuheiten waren dünner denn je. Ampera, Ampera und nochmals der elektrifizierte Ampera. Auch der Blitz im Kühlergrill macht das Elektromobil nicht zu einem Schönling; wenngleich die Anleihen an die viel beachtete GTC-Studie von vor zwei Jahren deutlich zu erkennen sind.

Opel, Genf, Messe

Ein letztes Glas Sekt auf den SAAB 9-3X© Martial Trezzini/AP

Marktziel verfehlt

So reichte es auch auf dem Messestand von Opel für den überaus erfolgreich gestarteten Insignia nur für einen Platz am Rande. Der ist auf dem Genfer Salon erstmals als Kombiversion Sports Tourer zu sehen. Hübsch anzuschauen allemal und praktisch sowieso. Doch die guten Modellnachrichten in Sachen Opel interessieren angesichts der düsteren Rahmenbedingungen auch auf einer Automesse wie dem Genfer Salon kaum jemanden. Im Februar verkaufte Opel in Deutschland gut 22.000 Wagen und damit 4,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Allerdings wuchs Opel damit langsamer als der Gesamtmarkt, der durch den von der Verschrottungsprämie ausgelösten Kaufansturm um 21,5 Prozent zulegte und damit das höchste Absatzniveau in einem Februar seit zehn Jahren erreichte.

Noch bitterer sieht es am Saab-Stand aus, wo die blonde Messehostess ein paar Meter weiter eifrig noch einen schwedischen Elch ins rechte Licht rückt. So wie auf dem Genfer Salon 2009 wird man die General-Motors-Töchter in Zukunft wohl nur noch selten zu Gesicht bekommen. Die Zukunft von Saab scheint ungewiss und dass GM sich weltweite Messeauftritte von Kleinstmarken wie Hummer oder Cadillac noch erlauben kann, erscheint unwahrscheinlich. Man darf auf die nächsten wichtigen Messen in New York (Anfang April) und Frankfurt (September) gespannt sein.

Stefan Grundhoff
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
heartlander98 (05.03.2009, 12:06 Uhr)
Richtige Richtung!
Wann werden die Elektro-Autos aufgeladen? Überwiegend nachts, und da laufen die Kraftwerke ohnehin 'im Leerlauf'. Von einer Verlagerung des Schadstoff-Ausstoßes kann also keine Rede sein. Die Reichweiten bessern sich, und eine einfache Lösung gibt es auch für dieses Problem: Dass an Tankstellen nicht aufgeladen wird, sondern gleich immer der komplette Akkublock getauscht wird.
Eisenbaer (05.03.2009, 10:49 Uhr)
Man hört ja gar nichts mehr....
...von dem heißen Feger "Tesla Roadster"! Hat es sich etwa herumgesprochen, dass die winzigen Akkus im Fahrbetrieb dazu neigen den Fahrer mit einem kleinen Feuerchen zu wärmen?

"Back to the fifties..." - der "Victoria Spatz" lässt grüßen!!
-Dagegen- (05.03.2009, 08:20 Uhr)
Hallo Stern Redaktion!
Wie wäre es wenn die Bildunterschriften mit den Fotos korrespondieren würden???
radar74 (05.03.2009, 08:12 Uhr)
Elektroautos = falsche Richtung
Elektroautos klar ganz nett für den Stadtverkehr wo ich nur ein paar Kilometer fahren muß aber mehr auch nicht. Ansonsten mehr als unpraktisch da die Ladedauer viel zu lang ist, man nicht überall tanken kann, die Reichweite zu kurz ist und das der CO2 Ausstoß nur auf die Kraftwerke verlagert wird. Aber für viele kommt der Strom ja bekanntlich nur aus der Steckdose, aber mit welchem Aufwand er endsteht sehen sie nicht.
Meiner Meinung nach gibt es derzeit noch keine richtige Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor.
StefanT. (05.03.2009, 01:33 Uhr)
Trend verschlafen
Es gibt keine Tankstellen, also ist ein Elektroauto schonmal nur was wenn man ne Garage hat. Elektroautos werden irgendwann normal sein, nur aktuell ist man damit Vorreiter und Tester, das ist zwar ein wichtiges Standbein für die Zukunft, aber sicherlich keine schnelle Lösung gegen die Krise.
Ein Kleinwagen muss her, deutlich unter 10.000 muss der kosten, ABS rein, esp zum nachrüsten, dazu Airbags und das wars dann mti der Sonderausstattung. Ein kleiner Mototr, vielleicht vom Fremdhersteller und fertig ist der Kleinwagen.
Kein deutscher Hersteller hat nen sicheres kleines Auto im Angebot für Fahranfänger/Berufseinsteiger die ihr erstes Auto kaufen wollen welches unter 10.000 Euro kostet, von einem "Volkswagen" kann da also keine Rede sein.
Opel und co sind doch schon lange abgehoben und produzieren nur noch für die obere Mittelschicht denen der BMW oder Mercedes dann doch zu teuer ist. Der Rest nimmt gebraucht oder vergnügt sich mit Toyota und co.
gmathol (04.03.2009, 23:32 Uhr)
Zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite.
Audi und VW Konzepte wie Blue-Tec bieten mehr Effizienz und Preiswuerdigkeit als dieser tonnenschwere Exot, der niemals gebaut werden wird.
Elektro-Fahrzeuge muessen im Leichtbau ausgefuehrt werden, anderfalls macht es ueberhaupt keinen Sinn.
GM hat uebrigens den Bau des Werkes das Teile fuer die Elektrofahrzeuge liefern sollte gestoppt. In den USA spricht man nun von einer moeglichen Auslieferung um 2016.
Gray (04.03.2009, 22:58 Uhr)
Negative Berichterstattung
Herr Grundhoff,
Sie sollten mal die Rechtschreibprüfung einschalten. So viele Fehler habe ich bei Stern noch nicht ertragen müssen. Auch inhaltlich ist der Text ganz schwach. Offenbar haben Sie große Freude daran, dass sehr viele Menschen bald arbeitslos werden. Man kann Ihnen nur wünschen, dass Sie nicht auch bald auf der Strasse stehen, bei solch ermüdenden "Berichten".
Silbador (04.03.2009, 20:14 Uhr)
Elektroautos - 1. Schritt
Reine Elektroautos sollten so 60 - 80 Kilometer Reichweite haben, nicht mehr als 10000 Euro kosten und Platz bieten wie etwa ein Smart. Das wären dann die idealen Autos um auf die Arbeit zu pendeln.
Silbador (04.03.2009, 20:10 Uhr)
OPEL und der Teufelskreis
Kaufe ich mir einen OPEL habe ich vielleicht bald keine vernünftige Ersatzteilversorgung mehr (eigene Erfahrung: bei OPEL immens wichtig).
Kaufe ich keinen OPEL, gibt es wahrscheinlich bald überhaupt keinen OPEL mehr (wobei ich die auch nicht vermissen werde).
brabbelbox (04.03.2009, 16:21 Uhr)
Schritt in die richtige Richtung
Die Entwicklung des Opel Ampera finde ich sehr gut und ein Schritt in die richtige Richtung. Die CO2-Werte liegen ja auch weit unter dem, was der Markt bislang bietet. Die Infrastruktur zu den aufladbaren Autobatterien wird nicht lange auf sich warten lassen.
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