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7. April 2009, 16:32 Uhr

Fiat Panda stürmt an die Spitze

5000 Euro für ein schickes Auto? Da können viele nicht widerstehen. Abwrackprämie und hohe Rabatte haben den Fiat Panda unter den Kleinstwagen an die Spitze gebracht. Die Prämienhysterie wirbelt den Markt durcheinander.

PKW-Verkäufe, Zulassungszahlen

Mit Prämie und Rabatten kann sich der kleine Panda auf unter 5000 Euro runterrechnen© Hersteller

Mitten in der Krise boomt in Deutschland der Automarkt. Von der künstlich angeheizten Auto-Hysterie profitieren besonders die kleinen und die kleinsten Wagen. So hat im März 2009 der Überraschungssieger Fiat Panda dank hoher Herstellerrabatte mit 12.457 Verkäufen den VW Fox von Platz eins der Kleinstwagen-Charts vertrieben.

Im Vormonat haben dem Fox noch 3.541 Neuzulassungen zum ersten Rang gereicht. Innerhalb eines Monats konnte der Segmentbeste also 9000 Einheiten mehr verkaufen. Auch die Kleinwagen haben aufgrund der verschrottungswilligen Deutschen kräftig zugelegt: Der VW Polo hat mit 17.577 Verkäufen den Skoda Fabia verdrängt. Ihm reichten noch 9.190 Neuzulassungen für die Poleposition.

Die Prämienhysterie bricht dabei gewachsene Marktstrukturen auf. Denn trotz des bekannten Namens ist Fiat bislang eher ein Exot im deutschen Automarkt gewesen. Aber aggressive Rabatte und massive Werbung führen dazu, dass auch ein Zwerg über Nacht zum Giganten wird.

Golf unangefochten

In der Kompaktklasse ist bei der Bestseller-Liste des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) alles beim alten geblieben und VW Golf und der Modell-Bruder Jetta haben mit insgesamt 23.703 Neuzulassungen den ersten Rang belegt. Begehrtester Mittelklässler ist der VW Passat gewesen, der 8.799 Mal an Kunden übergeben worden ist. Audi A6 und S6 sind insgesamt 3.605 Mal verkauft worden und damit so oft wie kein anderer oberer Mittelklässler. In der Oberklasse hat die Mercedes-Benz S-Klasse die Konkurrenz mit 709 neu zugelassenen Fahrzeugen ausgestochen. Geländewagen-Spitzenreiter ist weiterhin der VW Tiguan mit 4 525 abgesetzten Autos gewesen.

Neu in die Siegerliste hat es der Audi TT geschafft, der mit 772 Verkäufen den Sportwagen-Wettbewerber Mercedes CLK verdrängt hat. Bei den Mini-Vans hat die Mercedes B-Klasse mit 4.936 Einheiten die Führung beibehalten, bei den Großraum-Vans hat der VW Touran mit 5.138 Neuzulassungen genau wie im Vormonat die Motorhaube vorn gehabt. Klassenprimus bei den Utilities ist der VW Caddy mit 3.528 Fahrzeugen gewesen und bei den Wohnmobilen ist wie eh und je der Fiat Ducato auf Platz eins gelandet, von ihm sind im März 1.223 Modelle zugelassen worden.

Konjunkturelle Scheinblüte

Betrachtet man nur die verkauften Einheiten, dann hat die Abwrackprämie das Neuwagengeschäft in Deutschland zum Blühen gebracht. Im März 2009 sind nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) 401.000 Pkw neu auf die Straße gerollt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Zahlen somit um 40 Prozent gewachsen und haben den höchsten Wert seit 1992 erreicht. Insgesamt haben die Neuzulassungen im ersten Quartal 2009 um 18 Prozent auf 868.100 Einheiten zugenommen. Doch die Abwrackprämie allein kann die exportanhängigen Autobauer nicht retten. Unabhängig von den guten Inlandsverkäufen sind sowohl Export als auch die Produktion weiter auf Talfahrt. Im März sind mit 274 900 Einheiten die Zahlen um 25 Prozent zurückgegangen. Die Produktionszahlen liegen mit 395.800 Einheiten rund 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

Opel, VW und Ford verlieren

Trotz zum Teil guter Verkäufe der deutschen Massenhersteller nimmt ihr Anteil am Fahrzeugbestand ab. Von der Prämie profitiert nicht nur Fiat, sondern auch bisherige Exoten wie Daihatsu und Chevrolet. Für die Fahrzeuge wird aber meist ein Pkw einer etablierten Marke vom Markt genommen. Von den Marken Opel, Ford und VW werden zur Zeit mehr Fahrzeuge verschrottet als neue geordert.

Kra/MID
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Malt (08.04.2009, 17:40 Uhr)
@JanvanHelsing
Woher haben Sie dnen diese Zahlen? Soweit mir bekannt ist, zahlt man in Italien 1500 für ein Auto und 500 für einen Roller/Motorrad und in Frankreich 1000 €... was bei denen aber fast ausschließlich der heimischen Industrie zugute kommt...
tolate (08.04.2009, 15:59 Uhr)
@stwberlin
richtig, wie bereits in meinem 1. Beitrag erwähnt sind Deutsche Fahrzeuge einfach zu teuer. Der Run auf Polo und Co. ist durch die AWP zu erklären, so gleichen sich die Preise wenigstens halbwegs "Normalmaß" an. Ich mach da nicht mit und warte bis ich einen schönen Gebrauchten Mittelklassewagen, 2-3 Jahre alt für "kleines" Geld kaufen kann. Ich lass mir einfach Zeit.
stwberlin (08.04.2009, 15:45 Uhr)
Nicht alles ganz schlüssig
@Midnight
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Ich kann Ihrer Argumentation nicht folgen, dass ohne Abwrackprämie mehr Fahrer einen deutschen Wagen gekauft hätten (geht man die Liste im Artikel durch, sind es ja auch überwiegend deutsche Wagen). Es ist eher das Gegenteil der Fall - nur durch die Abwrackprämie können viele Deutsche ein deutsches Auto überhaupt noch bezahlen.
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Der Markt günstiger gebrauchter Fahrzeuge wird durch die weltweite Wirtschaftskrise eher begünstigt, da deutlich weniger Fahrzeuge nach Osteuropa verkauft werden, wo die Krise sich extrem negativ ausgewirkt hat.
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Servicearbeiten in den Werkstätten wird es ebenso geben, da zum Erhalt der Fahrzeuggarantie regelmässige Inspektionen notwendig sind, die Fahrer älterer Fahrzeuge nicht unbedingt durchführen lassen.
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Dem (modernen) Zulieferer kann es auch egal sein, ob seine Teile in Neufahrzeuge oder als Ersatzteile verbaut werden. Lediglich die bereits vorhandenen Ersatzteilbestände werden langsamer abgebaut.
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Zudem werden nicht überwiegend "noch gute Fahrzeuge weggetötet". Es werden vielmehr etliche Dreckschleudern durch umweltfreundlichere Neufahrzeuge ersetzt, die übrigens meist auch verkehrssicherer sind.
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Kritisch sehe ich allerdings auch den von Ihnen genannten Punkt der "Übersättigung". Da könnte ein grosses, schwarzes Loch folgen...
Midnight_74 (08.04.2009, 15:27 Uhr)
Ja aber...
Wir reden hier von Fahrzeugen mit einer Restlebensdauer von 2 bis 5 Jahren. Diese sind vom Preisniveau her nur bis ca. 2000.-EUR anzusiedeln, also typische Kandidaten für das Abwracken. Die jetzt neuen Fahrzeuge werden schneller an Wert verlieren, als in der Vergangenheit, da mehr Angebot und oft Kleinwagen, das stimmt. Der Erstbesitzer trägt den höchsten Wertverlust, das war in der Vergangenheit ca. 25% des Fahrzeugwertes, danach ist der Wertverlust nicht mehr so rapide. Trotzdem sind wir vorerst noch nicht in der Preisklasse der Schüler, Studenten, Azubis, Arbeitslosen usw. Welche Verwerfung die Abwrackprämie in den Markt bringt, kann man wohl jetzt noch nicht so richtig vorhersagen.
tolate (08.04.2009, 13:58 Uhr)
@Midnight
interessanter Ansatz. Eine Frage. Wie komen Sie darauf das die Gebrauchtwagenpreise steigen. Hierzu kann mir offensichtlich niemand konkrete Angaben machen (mit Händlern gesp.)durch den Kauf von neuen Kleinwagen sind doch viele Potenzielle Gebrauchtwagenkäufer (Preiskl. 5-10K) zunächst mal weg vom Markt. also sinkende Nachfrage, sinkende Preise, oder?
tolate (08.04.2009, 13:51 Uhr)
@atticus
und jetzt fragen Sie sich mal warum ein Passat 25.000€ und ein Polo 14.000€ kostet, ein Panda aber nur 8-9.000€. In Zeiten wo das Geld knapper wird muss man sich zunächst nach der Geldbörse richte, erst dann nach CO2 und PS. Deutsche Wagen sind einfach unverschämt teuer. So mancher kann froh sein das es Fiat u.ä gibt, sonst wäre laufen die alternative.
Midnight_74 (08.04.2009, 13:48 Uhr)
Nebeneffekte
Ist sich die Politik eigentlich klar darüber, welche Nebeneffekte diese Abwrackprämie hat? Mal abgesehen davon, dass der Markt für erschwingliche Fahrzeuge für Schüler, Studenten usw. stark reduziert wird? Die Gebrauchtwagenpreise steigen mittlerweile an... Fahrzeuge deutscher Hersteller profitieren kaum von der Prämie. Die deutschen Hersteller sind in der Zwangslage durch starke Rabatte mithalten zu können, was nicht gerade dienlich ist. Der Markt wird mit Fahrzeugen anderer Hersteller momentan übersättigt und viele haben momentan die Gunst der Stunde genutzt, sich ein Fahrzeug anzuschaffen. Und da dies nun, wegen der Kurzfristigkeit, ausserhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten liegt, wird halt ein Kleinwagen angeschafft. Ohne Abrwackprämie hätten prozentual mehr einen Wagen deutscher Hersteller bzw. aus deutscher Produktion gekauft. Die Abwrackprämie erzeugt einerseits ein Problemchen (Verschiebung der Gewichtung) und zieht den Absatz der Zukunft nach vorne, zu Ungunsten deutscher Hersteller (Übersättigung). Es wird nicht nur ein gewaltiger Bestand an intakten Fahrzeugen vernichtet, sondern auch der Markt der Ersatzteillieferanten bzw. der Ausrüster der Zukunft zerstört. Verschleißteile werden nicht mehr so stark nachgefragt werden, bzw. sind Servicearbeiten der Werkstätten weniger gefragt, durch die Verjüngung des Bestandes. 50000 Batterien, die nicht -aufgrund des Alters- ausgetauscht werden müssen, werden in der Zukunft auch nicht nachgefragt werden, sowie sämtliche Ersatzteile.
Dies hat, dem Wahljahr sei Dank, niemand bedacht. Die notwendige Anpassungen in der Fahrzeugindustrie werden so nur hinausgezögert. Wer halbjährlich weltweit neue Werke eröffnet, aufgrund falscher -zu optimistischer- Prognosen, der wird durch die Realität auf den Boden zurückgeholt, d.h. irgendwann müssen irgendwo Werke geschlossen werden.
Leider sind die sogenannten "Experten" nicht in der Lage hier fundiert Prognosen zu liefern. Die Globalisierung scheint ihre eigenen Gesetze zu erzeugen. Ich hoffe, dass nicht jeder sein noch gute Fahrzeug wegtötet, sondern auch noch bedenkt, dass Mitglieder der Gesellschaft günstige Fahrzege benötigen. Ausserdem sollte jeder bedenken, dass, durch eine Preissteigerung im Gebrauchtfahrzeugmarkt, sein jetztiger Wagen eventuell noch einen Preissprung hinlegen wird und über die 2500.-EUR kommen wird. Schrotthändler berichten, dass selbst Fahrzeuge mit Restwert von 5000.-EUR in die Schrottpresse wandern... Schönes Beispiel, wie ein falscher Steuerungsansatz der Politik Menschen verrückt machen kann...
JanvanHelsing (08.04.2009, 13:14 Uhr)
@ Malt
nicht nur in Deutschland gibt es eine
Abwrackprämie, aber ads lässt der STERN unter den Tisch fallen...
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In Italien gibt es sogar 5000 Euro für das alte Vehikel, in Frankreich 3000 Euro, wir sind nicht alleine...
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Man sollte sich nicht nur auf stern.de informieren, sorry, aber Henry Nannen würde sich im Grabe umdrehen wenn er seine Erben beim arbeiten beobachten könnte.
Malt (08.04.2009, 12:52 Uhr)
Na, da...
...kann sich Ferrari die 5 Mio für den Schumi doch locker weiterhin leisten... der deutsche Steuerzahler kommt ja dafür auf!
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Manchmal frag ich mich, für wie bescheuert uns unsere "europäischen Freunde" halten müssen bei solchen Aktionen... da traut man sich ja nicht mehr aus dem Haus, so schämt man sich...
atticus (08.04.2009, 10:53 Uhr)
Super,
sie besitzen also einen Panda mit 60 PS und 133 g CO2. Ganz toll. Jetz fragen Sie sich mal, wieso ein Passat mit 110 PS 128 g CO2 ausstößt. Und ein Polo mit 80 PS 99...
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