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27. Mai 2009, 14:25 Uhr

Der sichere Sitz für Ihre Kinder

Beim ADAC-Kindersitztest schnitten vier Kandidaten mit "mangelhaft" ab. Hier erfahren Sie, worauf Sie beim Kauf und in der Praxis achten müssen, damit der Kindersitz nicht zum Schleudersitz wird. Von Susanne Kilimann

Ratgeber Kindersitze

Nicht jeder Kindersitz hält, was er verspricht© Jens Schlueter/DDP

Ein Frontalzusammenstoß bei Tempo 64. Die Klickverbindung zwischen der Babyschale und der fest installierten Basis, die dem Kindersitz auf der Fahrzeugrückbank Halt geben soll, bricht. Der kleine Körper gerät außer Kontrolle, wird wie ein Geschoss durchs Auto katapultiert. In diesem Fall ist das Baby ein Crash-Test-Dummy und der Unfall wurde im Rahmen des ADAC-Tests 2009 herbeigeführt. "Ob ein Kind bei einem realen Unfall mit entsprechendem Hergang eine Überlebenschance hätte, hängt vor allem davon ab, ob sein Körper gegen eine scharfe Kante oder gegen eine günstigere, weil weichere Stelle im Auto geschleudert wird", erklärt Andreas Ratzek vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg am Lech. "Sehr schwere Verletzungen würde das Kleinkind in jedem Fall davongetragen." Für Eltern ist es besonders schockierend, dass auch die vermeintlich sicheren "Isofix"-Befestigungen versagt haben.

Kindersitz wird Schleudersitz

Ratzek ist Projektleiter des Kindersitztest 2009. Dabei nahmen die Tester 22 Sicherungssysteme für Kinder von null bis zwölf Jahren ins Visier. Das Ergebnis ist alarmierend. Vier der geprüften Sitze fielen komplett durch. Dieses erschreckend schlechte Ergebnis wurde von fabrikneuen Sitzen erreicht, die allesamt die geltenden Normen erfüllen. Das Modell Daisy des Herstellers Alpin, ausgelegt für Kinder mit einem Körpergewicht zwischen 15 und 36 Kilogramm, versagte beim Seitencrash und wurde deshalb mit "mangelhaft" abgestraft. Dieselbe miese Note gab es für die Modelle Emmaljunga First Class 0+ mit Base (Isofix) und IWH Babymax Isofix+Basis in der Gewichtsklasse 0+ für Säuglinge und Kleinkinder bis zu einem Gewicht von etwa 13 Kilogramm sowie für den IWH Megamax Isofix+Basis, der für die Gruppe der Ein- bis Zwölfjährigen angeboten wird. Alle drei Rückhaltesysteme machten beim ADAC-Frontal-Crash eine denkbar schlechte Figur. Entweder riss der Gurt oder der Sitz ging bei dem Aufprall zu Bruch, erläutert der Testprojektleiter

Dass es sich bei allen drei Frontal-Crash-Versagern um sogenannte Isofix-Kindersitze handelt, also um Kindersicherungs-Systeme, bei denen sich Babyschale oder Kindersitz auf einer festinstallierten Basis mit wenigen Handgriffen befestigen lassen, hat die Tester besonders überrascht. "Isofix-Befestigungen gelten in der Regel als besonders praktisch und sicher und haben in den vergleichbaren Tests der letzten beiden Jahre besonders gut abgeschnitten", sagt Andreas Ratzek. "Bei den diesjährigen Testversagern haben sich aber gerade die praktischen Klickverbindungen als gefährliche Schwachstelle erwiesen."

Es gibt auch gute Kandidaten

Andere Modelle im Test 2009 zeigen jedoch, dass Bedien-Komfort und Sicherheit durchaus Hand in Hand gehen können. In der Gewichtsklasse 0+ schnitten der Römer Babysafe plus mit Belted Base, das Modell Cybex Aton und der Emaljunga First Class 0+ mit einem erfreulichen Ergebnis ab. Alle drei wurden in den allen vier Testkategorien - Sicherheit, Bedienung, Komfort und Gebrauch - durchweg für "gut" befunden. In der Klasse 0/I für Babys und Kleinkinder bis 18 Kilogramm brachte das Modell HTS BeSafe iZi Kid X1 Isofix die besten Ergebnisse und bekam die Note "gut". In der Gewichtsklasse I, die für Kinder von etwa einem bis etwa vier Jahre empfohlen wird, fällt das ADAC-Urteil 2009 für den Römer Safefix plus TT (Isofix) am besten aus. Auch hier gab es die Note "gut" in allen vier Testkategorien. Etwas größere Mitfahrer, die bereits zwischen 15 und 36 Kilogramm auf die Waage bringen, sind laut ADAC im Cybex Solution X-Fix und im HTS BeSafe iZi UP X2 gut aufgehoben. Beiden Modellen bescheinigen die Experten sogar ein "sehr gut" für die leichte Bedienbarkeit. Insgesamt aber reichte es auch hier nur für die zweitbeste Gesamtnote. Mit einem Gesamturteil "sehr gut" kann diesmal keiner der Kandidaten für sich werben.

Das Modell Alpin Daisy, Durchfall-Kandidat in der Gewichtsklasse 15 bis 36 Kilogramm, ist mit einem Preis von rund 50 Euro ein echter Billigheimer. Doch der ADAC-Kindersitz-Test zeigt auch, dass das teuerste Modell durchaus nicht immer das Beste ist. Emmaljunga First Class 0+ mit Base (Isofix) war im diesjährigen Test mit einem Preis von etwa 338 Euro das teuerste Modell in der Gewichtsklasse 0+ – und fiel dennoch mit "mangelhaft" durch. Cybex Aton dagegen ist bereits für etwa 129 Euro zu haben und zählt zu den diesjährigen Testsiegern in der Gewichtsklasse 0+.

Jeder Sitz ist besser als gar kein Sitz

"Selbstverständlich ist ein Modell, das die Note mangelhaft bekommt, immer noch besser als gar kein Kindersitz ", betont ADAC-Experte Ratzek. "Auch diese Sitze haben ja eine gesetzliche Zulassung, erfüllen also gewisse Mindeststandards." Doch die gesetzlich vorgeschriebenen Standards gehen den Testern des Automobilclubs nicht weit genug. So ist für die Zulassung eines Kindersitzes lediglich ein simulierter Frontalaufprall mit 50 Stundenkilometern vorgeschrieben. Beim ADAC-Kindersitztest wird dagegen in Anlehnung an die Euro NCAP-Norm mit Tempo 64 frontal gecrasht, "was Bedingungen, wie sie bei realen Unfällen vorkommen, eher entspricht", erläutert Ratzek. Zudem bezieht der Automobilclub den Seitenaufprallschutz mit in die Bewertung ein, der derzeit für die gesetzliche Zulassung von Kindersitzen noch nicht verpflichtend ist. Dabei seien Kinder gerade bei seitlichen Kollisionen besonders gefährdet, betont der Testprojektleiter. Richtig gefährlich wird’s wenn die Rückenstütze des Sitzes wie beim Modell Alpin Daisy für größere Kinder abgenommen werden muss. "Dann besteht überhaupt kein seitlicher Aufprallschutz mehr. Selbst wenn das Auto mit einem seitlichen Kopf-Airbag ausgestattet ist, profitiert das Kind nicht unbedingt davon, da es aufgrund seiner geringen Körpergröße unter dem Luftsack hindurch tauchen kann."

Bequemlichkeit sollte tabu sein, wenn um die Sicherheit geht. Mal eben mit dem Ranzen auf dem Rücken ins Auto steigen geht gar nicht, warnt der ADAC. "Weil sich bei einem Frontalaufprall mit 64 km/h das Gewicht eines Schulranzens um das 40-fache erhöht, lasten dann 200 Kilogramm auf dem Rücken des Kindes. Ein Schulranzen erhöht das Verletzungsrisiko sowohl beim Frontal- als auch beim Seitenaufprall erheblich."

Von Susanne Kilimann
 
 
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