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3. August 2010, 12:01 Uhr

Perpetuum-Mobile aus dem Märchenland

FDP-Mann Daniel Volk meint, in dem er von den Autobauern die Abwrackprämie zurückfordert, das Perpetuum-Mobile für den Bundeshaushalt gefunden zu haben. Üppige Subventionen will er in satte Einnahmen verwandeln. Funktionieren wird der Zaubertrick aber nicht. Ein Kommentar von Gernot Kramper

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Der Schrott von gestern soll den Haushalt von morgen sanieren© Jörg Sarbach/AP

Sommerloch – das ist die Jahreszeit, in der auch die dümmste Idee ungestraft in die Öffentlichkeit getragen wird. Jetzt ist also die Abwrackprämie dran. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Obmann im Finanzausschuss, Daniel Volk, hat einen Vorschlag wie aus dem Märchenland. Im Märchen wird aus Stroh Gold gesponnen, Volk will aus den Subventionen von gestern die Einnahmen von morgen machen.

Die Ausgangslage ist klar: In Berlin sind die Kassen leer, bei der Autoindustrie sprudeln die Gewinne. Da muss man doch irgendwie rankommen, denkt Volk. Der Hebel soll die Abwrackprämie sein. Zur Erinnerung: Mit dem staatlichen Bonus von 2500 Euro wurde der Kauf von Neuwagen im vergangenen Jahr bezuschusst, wenn ein zehn Jahre alter Wagen dafür verschrottet wurde. Die Maßnahme führte tatsächlich zu einem Absatzrekord bei Kleinwagen. Am stärksten konnten Anbieter von Kleinstwagen ihren Absatz steigern. Chevrolet, Daewoo, Fiat und wie sie alle heißen.

Keine Oberklasse durch die Prämie verkauft

Die Marken, die jetzt große Renditen in Deutschland einfahren, profitierten dagegen kaum vom Absatzschub im Inland. Die Premiummarken lehnten den Finanzsegen für Billigwagen immer ab. Ein Politiker, der nur einmal nachdenken würde, könnte das auch wissen. Von der besseren Mittelklasse an aufwärts wird das Neuwagengeschäft von Dienstwagen und Fahrzeugflotten dominiert. An Firmenkunden wurde keine Prämie ausbezahlt. Privatpersonen, die sich einen nagelneuen Wagen für 40.000 Euro und mehr gönnen, fahren nur in den seltensten Fällen einen zehn Jahre alten Wagen, der weniger als die 2500 Euro der staatlichen Prämie wert ist. So gesehen, könnten Audi, BMW und Mercedes durchaus einen Teil ihres Prämienanteils zurückgeben. Bringen würde das mangels Masse leider nichts für die leeren Bundeskassen. Interessant wäre die Prämienrückführung nur bei den günstigeren Herstellern. Leider sprudeln die Gewinne bei Opel und Co. nicht gerade.

Auch mit viel Phantasie kann man sich nicht vorstellen, wie Volk das Geld von ausländischen Herstellern wieder eintreiben will, die in Deutschland nur eine Importeur-Dependance betreiben. An Sonderfälle, wie Grauimporte von EU-Autos braucht man gar nicht zu denken. Die Vorstellung, nur bei den deutschen Herstellern Ford, VW und Opel mit Arbeitsplätzen in Deutschland abzukassieren, Hyundai, Fiat und Co. aber ungeschoren zu lassen, ist mehr als abenteuerlich.

Weg ist weg

In dem unausgegorenen Vorschlag fällt kaum noch ins Gewicht, dass die Abwrackprämie an den Verbraucher und nicht an die Industrie überwiesen wurde. Erschreckender ist die Unkenntnis über eine wichtige Branche, die dieser Vorschlag des "Finanzexperten" Volk verrät. Die satten Gewinne der Autoindustrie werden nicht im Kleinstwagenverkauf in Deutschland erzielt. Das Geld kommt durch den Verkauf teuerer Wagen in Übersee insbesondere in China herein.

Die Zeiten, in denen der deutsche Automarkt der Schrittmacher für das weltweite Branchenwachstum war, sind seit mehr als zehn Jahren vorbei. Seitdem stagniert das Autogeschäft in Deutschland. Schön wäre es, wenn man im politischen Berlin endlich einmal auf den Boden der Tatsachen ankommt. Dazu gehört es, nicht den Ausgaben von gestern hinterher zu trauern. Über Sinn- und Unsinn der Abwrackprämie kann man streiten, aber die Entscheidung ist gefallen, das Geld ist weg. Dumme Einfälle bringen es nicht zurück.

Ein Kommentar von Gernot Kramper
 
 
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