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2. April 2008, 15:00 Uhr

Ost in Space

Wir sind nicht nur Papst, bald haben wir auch ein Space Shuttle. Die russische Raumfähre "Buran" schwimmt auf einem Ozeanriesen nach Deutschland. Die ausgediente Legende soll das Highlight des Technik-Museums Sinsheim werden. Kleiner Schönheitsfehler: Sie war nie im All.

Ende März wird die Buran (Schneesturm) in Rotterdam erwartet© Press-inform

Im Weltraum wurde der Kalte Krieg richtig heiß geführt. Russen und Amerikaner versuchten sich mit immer neuen Meilensteinen zu übertrumpfen. Nicht selten hatten die Russen die Nase vorn, mit dem ersten künstlichen Erdtrabanten Sputnik ebenso wie mit Juri Gagarin, dem ersten Mann im All. 1969 dann die große Enttäuschung: Der erste Mensch auf dem Mond trug nicht Hammer und Sichel, sondern Stars and Stripes auf dem Anzug. Neill Armstrongs kleiner Schritt war ein großer für die Menschheit und ein Rückschritt für die Sowjets.

Doch so schnell gaben die sich nicht geschlagen. Russische Wissenschaftler entwickelten in den 70er Jahren ein neues Raumfahrtsystem, das dem amerikanischen Space Shuttle sehr ähnlich war. Die Fähre bekam den Namen Buran (Schneesturm). Sie war größer als das amerikanische Pendant, sah ihm aber zum Verwechseln ähnlich. In der Konstruktion gab es große Unterschiede. So sind beim US-amerikanischen Space Shuttle die Haupttriebwerke in die Fähre integriert. Beim russischen Gegenstück lieferte die gewaltige Trägerrakete "Energija" den nötigen Schub zum Start.

Irrfahrt auf Erden

Bei der Raumfähre, die das Technik-Museum Sinsheim/Speyer gekauft hat, handelt es sich nach Angaben des Museums um "Buran 002", eine Testversion des Shuttles. Sie führte zwischen 1984 und 1988 mit eigenen Triebwerken an Bord insgesamt 25 Erprobungsflüge in der Erdatmosphäre durch. Nur eine Fähre aus dem Buran-Programm hat den Sprung ins All geschafft: Der erste und einzige Orbitalflug der Buran 1.01 fand am 15. November 1988 statt. Astronauten waren dabei nicht an Bord, die Fähre wurde ferngesteuert. Das Buran-Programm wurde schließlich auch wegen der immensen Kosten eingestellt.

Bevor das künftige Museumsstück Buran 002 jetzt seine wohl letzte Reise antreten durfte, hatte es eine Irrfahrt auf Erden hinter sich. Das weiße Monstrum wurde zur Olympiade 2000 von Russland aus nach Sydney gebracht und dort als Leihgabe in einer Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt. Danach haben die russischen Besitzer die Buran zu einer weiteren Ausstellung nach Bahrain verschifft, in einem Hafen eingelagert und schließlich an das Technik-Museum verkauft.

Grünes Licht für das Museum

"Im Kaufvertrag war vermerkt, dass die Buran frei von Rechten Dritter sein soll. Nach kurzer Zeit musste das Museumsteam aber feststellen, dass ein Geschäftsmann aus Singapur Rechte beanspruchte", schildert Pressesprecherin Simone Lingner den weiteren Verlauf. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit gab es endlich grünes Licht für das Museum. Die Buran wurde von ihrem Lagerplatz mit zwei Raupenkränen auf eine Schwimmplattform verladen und an Bord eines Ozeanfrachters gehievt. Ende März wird das Schiff mit seiner seltenen Fracht in Rotterdam erwartet.

Buran 002 werde das "spektakulärste Ausstellungsstück Europas", glaubt Museumsdirektor Hermann Layher. Das Museum hat bereits eine andere Ostblock-Ikone auf dem Freigelände geparkt: Neben einer Concorde kann man dort das russische Gegenstück zum französisch-britischen Überschallflieger bewundern, die Tupolev TU-144. Während die Jets Wind und Wetter ausgesetzt sind, soll es die Buran allerdings schön trocken haben. "Um das Raumschiff im Museum unterzubringen, war es notwendig, eine neue 22 Meter hohe Halle zu bauen. Das Stahlskelett ist schon fertig, nun wird mit Hochdruck daran gearbeitet, Dach und Boden bis zur Ankunft der Buran fertig zu stellen", berichtet Museums-Sprecherin Simone Lingner. Das Museum stecke knapp 10 Millionen Euro in die gesamte Aktion.

Noch muss der russische Schneesturm allerdings ein paar Hürden überwinden. Wie die "Rheinpfalz" berichtet, soll das Shuttle in Rotterdam umgebaut werden, damit es während des Transports auf dem Rhein keine Probleme mit Brücken gibt. Um die Fähre sicher an Land zu bringen, soll sogar ein provisorischer kleiner Hafen entstehen.

Sebastian Viehmann, press-inform
 
 
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