Verkehrte Welt im Automarkt, Deutschland wird zum Billig-Auto-Land. Bei vielen Modellen erhält man beim deutschen Händler mehr Rabatt, als beim Import aus der EU. Von Gernot Kramper
Früher zahlten Autokäufer in Deutschland tüchtig drauf. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern waren Neuwagen in Deutschland etwa 20 Prozent teurer - bei manchen Modellen waren es sogar 30 Prozent. Die Preisaufschläge erklärten sich durch Differenzen in der Besteuerung und durch das unterschiedliche Einkommensniveau. Nachdem die EU grünes Licht für den Grauimport von Pkw gegeben hatte, etablierte sich der EU-Import von Autos als feste Größe am Markt. Etwa zehn Prozent aller neuzugelassenen Fahrzeuge in Deutschland sollen aus dieser Quelle stammen.
Die "Auto Motor und Sport" hat verglichen: Ist der EU-Import billiger als der Kauf beim deutschen Händler über einen Neuwagenvermittler? Die Antwort: Das kommt darauf an. Teilweise gibt es beim deutschen Händler inzwischen bessere Preise, manchmal ist der Import noch günstiger. Immer mehr gleichen sich die Preise einander an, bei kaum einem Modell bringt der EU-Import den gleichen Preisvorteil wie früher. Bei einigen Autos wie dem Passat Variant (Abbildung) können die Importeure noch richtig punkten, aber immer öfter haben sie das Nachsehen.
Damit sich ein EU-Import wirklich lohnt, reicht ein Vorsprung von ein oder zwei Prozent beim Rabatt nicht aus. Denn auch beim Kauf über einen Internetvermittler kauft man letztlich bei einem deutschen Vertragshändler. Man muss sich nicht mit Unterschieden in der Ausstattung herumschlagen und auch beim Wiederverkauf drückt das Label "EU-Fahrzeug" nicht den Preis.