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So meistern Sie das weiße Chaos

Das Fahren durch Schnee- und Eis ist gar nicht so schlimm, wenn man sich vorbereitet. Wer die richtige Ausrüstung hat und sich an ein paar Regeln hält, kommt sicher durch den Winter.

Von Gernot Kramper

  Der nächste ersten Schneefall kommt bestimmt.

Der nächste ersten Schneefall kommt bestimmt.

In jedem Winter müssen Autofahrer mit massiven Behinderungen rechnen. Der erste Schneefall führt in Deutschland regelmäßig zu einem Verkehrschaos. Dabei ist die kalte Jahreszeit für den Autofahrer gar nicht so schlimm - wenn man sich vorbereitet. Wer die richtige Ausrüstung hat und sich an ein paar Regeln hält, kommt sicher durch den Winter.

Und ganz wichtig: Wer jetzt noch keine Winter- oder Ganzjahresreifen montiert hat, sollte das Auto bei winterlichen Straßenbedingungen unbedingt stehen lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, wie Autofahrer Kälte, Glätte und Schnee am besten meistern.

Die richtige Ausrüstung

Im Winter sollte im Auto folgende Grundausstattung dabei sein: Enteiser, Eiskratzer, Schneebesen, Handschuhe und einen Reservekanister Scheibenreiniger.

Bei starkem Schneefall oder auf dem Land ist diese Zusatzausrüstung sinnvoll: Abtaumittel für Scheiben, Schneeschaufel, Granulat als Anfahrhilfe und Schneeketten (mit Arbeitshandschuhen, Taschenlampe und Decke), außerdem sollte man immer rechtzeitig auftanken.

Das Paket für das Landleben hört sich gewaltig an, doch keine Sorge: Es passt alles in eine Einkaufstasche.

Vorbereitung des Fahrzeugs

Winterreifen sind Pflicht. Sie sollten also schon aufgezogen sein. Das normalerweise in Deutschland verwendete Motoröl reicht für einen hiesigen Winter aus.

Wichtig ist, dass die Kühlflüssigkeit des Motors im Winter nicht friert. Wer in einem älteren Wagen häufiger Mal Wasser nachgeschenkt hat, muss aktiv werden, weil der Frostschutzanteil dadurch immer weiter verdünnt wird. Mit einem kleinen Röhrchen aus dem Zubehörhandel kann der Frostschutzanteil bestimmt werden. Gegebenenfalls muss Frostschutz nachgefüllt werden.

Freie Sicht vor dem Start

Vor dem Start müssen die Scheiben von Eis und Schnee befreit werden. Nur ein Guckloch freizukratzen ist gefährlich und verboten. Frontscheibe, vordere Seitenscheiben und Rückspiegel müssen von Schnee und Eisbefreit werden. Schnee wird am besten mit einer Bürste entfernt. Wer auf das ewige Eiskratzen keine Lust hat, kann zu einem Enteiser, wie er auch für Flugzeuge benutzt wird, greifen. Kleine Spraydosen sind sinnlos, man sollte in Litern rechnen. Vorteil: Mit dem Enteiser lassen sich auch dicke Eispanzer schnell auflösen.

Bei starker Kälte dürfen Mitfahrer nicht vor dem Start im Auto Platz nehmen. Ihr Atem wird sofort an den Scheiben kondensieren und anfrieren. Das Laufenlassen des Motors ist in Deutschland verboten, wenn es "unnötig" ist. Der Motor selbst benötigt den Vorlauf vor dem Start keine Leerlaufphase, das Aufheizen des Wagens wird allerdings beschleunigt.

Langsam und vorausschauend

Bei Schnee und Glätte verlängert sich der Bremsweg auch mit Winterreifen deutlich. Dem begegnet man am besten mit einem deutlich reduzierten Tempo. Abrupte Brems- und Lenkmanöver müssen vermieden werden. Sie sollten einen besonders großen Abstand halten.

Freie Sicht während der Fahrt

Jede Menge frostsicheres Scheibenklar ist Pflicht für eine Fahrt im Winter – ohne dieses Mittel verschmutzt die Scheibe schnell so stark, dass Sie nichts mehr sehen können.

Gehen Sie die Mischung großzügig an, bei Außentemperaturen von minus 10 Grad sollte Sie besser für minus 20 Grad mischen, sonst gefrieren bei hoher Geschwindigkeit Reste des Gemisches zu einem dünnen Eisfilm auf der Frontscheibe. Konzentrat muss immer mit Wasser verdünnt werden. Pur bildet es einen Schmierfilm. Besser ist es, auf Vorrat zu kaufen, an der Tankstelle werden Höchstpreise verlangt.

Tipp: Bei starker Kälte müssen Sie Warmluft auf die Frontscheibe lenken. So beugen Sie dem Einfrieren des Spritzwassers vor. Die warme Luft beansprucht auf Dauer allerdings die Augen.

Lenken und Bremsen bei Schnee

Bei Schnee und Eis werden die Grundprinzipien der Physik spürbar. Dazu gehört, dass Lenkmanöver und das Abbremsen über die Haftung der Reifen auf den Boden übertragen werden muss. Sobald es rutschig ist, sollte man daher tunlichst nicht auf einmal Bremsen und Einlenken. Grundsätzlich sollte die reduzierte Geschwindigkeit für das Abbiegen schon im Geradeauslauf erreicht werden.

Grundfalsch, aber häufig ist folgender Fehler: Auf einer geräumten Straße wird zugig gefahren, erst beim Abbiegen wird abgebremst. Exakt dann, wenn die Vorderreifen den geräumten Bereich verlassen haben und auf der schneebedeckten Seitenstraße keinen Halt mehr finden. Der Wagen rutscht dann unkontrolliert weiter.

Was hilft ein Allradantrieb?

Allradantrieb hilft nur beim Anfahren und beim Beschleunigen. Die Spurtreue in Kurven wird geringfügig verbessert. Ein Allradwagen bremst aber nicht stärker ab, und darauf kommt es im Winter an. Immerhin: Auf polierten Eisflächen an Kreuzungen und bei Steigungen macht ein Allradfahrzeug eine deutliche bessere Figur.

Was bringt ESP?

Auch der Schleuderverhinderer ESP kann die Physik nicht außer Kraft setzen. Die Elektronik er kann die fehlende Reibung nicht herbeizaubern, doch der Wagen bleibt länger in der Spur. Wer mit einem Wagen ohne den ESP unterwegs ist, erlebt beim Bremsen auf glattem Untergrund leicht eine üble Überraschung, wenn der Wagen ausbricht. Aber der Bremsweg wird auch mit ESP lang.

Wie fährt man auf Eis?

Sobald die Straße vereist ist, kann man nicht fahren. Punktum. Das sollet man erstmal sacken lassen. Wenn die Möglichkeit besteht, sollten Sie auf eine Autofahrt verzichten.

Ist das nicht möglich, müssen Sie mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Viele Autofahrer unterschätzen eine Eisdecke. Wenn der Wagen rollt, ist es auch auf Eis leicht möglich, ihn weiter zu beschleunigen. Solange man weder bremst noch abbiegt, kann sich die Illusion einstellen, den Wagen zu kontrollieren.

Doch davon kann auch mit Winterreifen keine Rede sein. Tatsächlich kann es sogar passieren, dass Sie einen Wagen mit Schrittgeschwindigkeit nicht zum Stehen bringen können, wenn die Straße ein geringes Gefälle hat. Nur Ketten sorgen für Haftung. Vorsicht im Ausland: Die Einheimischen dürfen in vielen Ländern Reifen mit Spikes aufziehen, an ihnen dürfen Sie sich nicht orientieren.

An Einmündungen und Kreuzungen bilden sich leicht Eisflächen. Der Verkehr poliert den Schnee dort zu glattem Eis, dann verlängert sich der Bremsweg massiv.

Wenn die Batterie schwächelt

Tiefe Temperaturen setzten die Leistung einer Batterie herab. Im Winter passiert es daher häufig, dass der Wagen morgens nicht starten will. Bevor man eine neue Batterie kauft, sollte man sich einmal an die Fehlersuche machen. Häufig lief über Nacht ein Stromverbraucher. Auch können Kurzstrecken mit hohem Stromverbrauch für Heizungen und Licht dazu führen, dass die Batterie leergesaugt wird. Dann reicht eine längere Fahrstecke für eine frische Ladung.

Aber Achtung: Wer mit Starthilfe startet, darf danach nicht weiter nur Kurzstrecken fahren. So kann sich die Batterie nicht erholen.

Sollte die Batterieschwäche anhalten muss die Batterie ersetzt werden. Kostenpunkt bei einem Kompakten: 60 bis 100 Euro

Garage für Laternenparker

Kunststoffüberwürfe für den Wagen sehen uncool aus, funktionieren aber ausgezeichnet. Wenn es nur um die freie Sicht geht, reicht eine sogenannt Halbgarage, die nur die obere Hälfte des Wagens abdeckt. Das Auf- oder Abspannen der Plane dauert keine zwei Minuten. Eigentlich spricht alles für die Kunststoffmütze - außer ihr Image.

Tipp: Die zusammengelegte Plane muss in eine Kunststoffbox im Kofferraum gelegt werden, sonst sammelt sich das Schmelzwasser von Schneeresten im Auto.

Eingeschneit

Wenn sehr viel Schnee fällt, müssen Sie Ihren Wagen nicht nur oben herum vom Schnee befreien sondern ihn auch unten befreien. Nur wenn der Schnee sehr locker ist, können Sie versuchen vorsichtig durchzufahren. Testen Sie aber selbst, ob der Schnee nicht fest ist oder sich gar Hindernisse unter dem Neuschnee verbergen. Achtung: Wenn die Fahrbahn geräumt wurde, bilden sich schnell feste Wälle am Rand.

Front und Heckschürze Ihres Autos sind nicht als Schneeflug ausgelegt. Das verschüttete Mobil will freigeschaufelt werden. Mit einem Klappspaten oder einer Lawinenschaufel im Kofferraum fällt diese Arbeit leicht.

Tückische Schneeketten

Moderne Schneeketten lassen sich relativ einfach anlegen, wenn man weiß, wie es geht. Das sollte man zumindest einmal in aller Ruhe ausprobiert haben, damit man für den Ernstfall gewappnet sind. Wichtig für den Wechsel sind Decke, Handschuhe und eine gute Taschenlampe.

Vorsicht Räumfahrzeuge

Hinter einem Räumfahrzeug fahren Sie zwar langsam, aber sie bewegen sich auf geräumten und gestreuten Untergrund. Überholen ist gefährlich und unsinnig, weil sie auf der schneebedeckten Strecke nicht schneller als der Räumer fahren sollten. Wenn Ihnen auf der Landstraße ein Räumfahrzeug entgegenkommt, ist Vorsicht angebracht. Die massive Schneeschaufel ist sehr breit. Neben dem Fahrzeug geraten Sie kurz in einen Sog von Schnee und Matsch in dem Sie nichts sehen können. Wer unsicher ist, sollte am Straßenrand anhalten und den Giganten passieren lassen.

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