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13. November 2008, 10:40 Uhr

Billig rutscht gut

Im Winter braucht das Auto Winterreifen - das ist seit zwei Jahren sogar gesetzlich vorgeschrieben. Doch Reifen ist nicht gleich Reifen. Einige Produkte halten, was sie versprechen, bei Billigreifen wird man aufs Glatteis geführt. Von Walter Hasselbring

Dekra-Studie: Bei Nässe halten die Conti-Reifen das Auto sicher in der Spur© Dekra/ Continental

Winterreifen sind in der kalten Jahreszeit eine notwendiges Sicherheitsmerkmal fürs Auto. Es gibt aber von Produkt zu Produkt starke Qualitätsschwankungen, die bei glatter Straße zu einem echten Sicherheitsrisiko werden können. Auf jedem vierten Auto mit Winterreifen sind hierzulande billige Pneus aus Asien montiert. Und die Tendenz zum Schnäppchen-Schlappen ist steigend. Sehr schnell stellen die Fahrer bei feuchter Fahrbahn fest, dass schon beim Anfahren oft der Grip fehlt.

Was beim Anfahren nur ärgerlich ist, stellt sich beim harten Bremstest als lebensgefährlich heraus. So haben Versuche der Dekra mit Budget-Reifen, wie die Billigprodukte auch heißen, alarmierende Resultate ergeben. Ein Fahrzeug wurde mit billigen Reifen ausgestattet, das zweite bekam die teurere Variante auf die Felgen gezogen. Beide wurden mit 55 km/h Geschwindigkeit auf ein stehendes Hindernis angesetzt und sollten ab einem bestimmten Punkt abgebremst werden. Während das mit Reifen aus europäischer Produktion ausgestattete Auto acht Meter vor dem Hindernis zum Stillstand kam, rauschte das andere mit 30 km/h Restgeschwindigkeit direkt hinein. "Der Entwicklungsstand der asiatischen Billigreifen entspricht dem europäischer Standards von vor 20 Jahren", sagt der Fahrsicherheits-Experte der Dekra, Walter Niewöhner.

Dekra-Studie: Die billigen Winterreifen bremsen das Auto zu spät ab© Dekra/ Continental

Auf dem Continental-Testgelände in der Lüneburger Heide wurde auch das allgemeine Fahrverhalten der verschiedenen Reifentypen getestet. Über die Strecke rasten jeweils zwei baugleiche BMW-Limousinen der 5er-Reihe. Die eine war mit rund 100 Euro teuren ContiWinterContakt TS 830 ausgerüstet, die andere mit einem chinesischen Budget-Reifen, der für 40 Euro pro Stück zu haben ist. In jeder Kurve verhinderte bei dem Billigreifen nur das ESP einen ungewollten Ausflug von der nassen Fahrbahn in die Sicherheitszone. Die Premium-Pneus hingegen blieben meist sicher in der Spur. Der ADAC hat kürzlich einem anderen chinesischen Reifen sogar die Bewertung „katastrophal“ ausgestellt – vor allem wegen der indiskutablen Handlingeigenschaften, speziell bei Nässe.

Winterreifen sind aufwändig in der Produktion und verursachen hohe Kosten. Die Ingenieure haben das Problem, bei der Konstruktion verschiedenste Ziele verfolgen zu müssen. „Die Reifen müssen sehr gute Trockenhandling-Eigenschaften haben, beste Fahrleistungen auf Eis und Schnee bieten und hervorragende Nässewerte vorweisen“, sagt der Leiter des Technical Benchmark bei Continental, Dr. Andreas Topp. Dazu kämen noch ein möglichst geringer Rollwiderstand und eine lange Haltbarkeit. Auch der Temperaturbereich zwischen minus 10 bis plus 15 Grad sei vorgegeben. Diese wichtigen Qualitätsmerkmale sollten beim Kauf von Winterreifen unbedingt beachtet werden. Die Verbreitung von Winterpneus ist in Deutschland recht unterschiedlich. Durchschnittlich fahren 82 Prozent der Autos mit Winterbereifung. Die größten Winterreifenmuffel sind die Hamburger mit nur 54 Prozent. Um die Freie- und Hansestadt herum sieht es schon besser aus (Schleswig – Holstein 78 Prozent, Niedersachsen 80 Prozent). Ganz vorne liegen Thüringen (91 Prozent), Sachsen Anhalt (90 Prozent) und Bayern mit 89 Prozent. Hier sind die Autofahrer also einigermaßen auf die seit zwei Jahren gültige Gesetzeslage eingestellt. Wer nämlich seine Fahrzeugausrüstung nicht „an die Wetterverhältnisse“ passt, muss mit Bußgeld und Punkten in Flensburg rechnen. Damit ist sowohl eine „geeignete“ Bereifung als auch Frostschutz im Scheibenwischwasser gemeint. Wer sich daran nicht hält, muss bei einem Unfall unter Umständen seine Kosten selber tragen.

Von Walter Hasselbring
 
 
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