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10. Mai 2008, 18:07 Uhr

Der Staat macht Kasse

Der Rekordpreis für Sprit an den Zapfsäulen hat die Diskussion über die Steuerbelastung bei Benzin und Diesel neu angefacht. Aus Politik, Wissenschaft und von Automobilclubs kamen Forderungen nach Erleichterungen für die Autofahrer bei der Ökosteuer, Mehrwert- und Kfz-Steuer.

Preisanstieg und kein Ende© Philipp Guelland/DDP

An den Pfingstfeiertagen tobte derweil an den deutschen Tankstellen ein Preiskampf sondergleichen. Insbesondere beim Dieselpreis ging es drunter und drüber. Vereinzelt war der früher so günstige Kraftstoff sogar noch teurer als Benzin.

Hoffnung auf Entspannung bei den Kraftstoffpreisen und Entlastung von der Steuerbürde können sich die Autofahrer jedoch kaum machen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte am Samstag einem Sprecher zufolge: "Forderungen, die Ökosteuer zu senken, sind verantwortungslose Propaganda zulasten der Rentner. Diejenigen, die das fordern, sollen mal erklären, wie sie eine bezahlbare Rentenversicherung sicherstellen wollen." Schließlich diene der größte Teil der Ökosteuer der Entlastung bei den Beiträgen.

Hoher Staatsanteil

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle hatte zuvor die Abschaffung der Öko- und der Kfz-Steuer verlangt. Für zwei Drittel von jeder Tankstellenrechnung trage der Staat "die Verantwortung", sagte Brüderle der "Frankfurter Rundschau". "Die wirklichen Ölscheichs sitzen in Berlin." Auch ADAC-Präsident Peter Meyer verlangte von der der Bundesregierung, eine Stufe der Ökosteuer zurückzunehmen. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach sich in der Kölner Zeitung "Express" (Samstag) für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Kraftstoffe aus.

Unmittelbar vor Pfingsten hatte der Benzinpreis den Rekordwert von knapp über 1,50 Euro je Liter und Diesel den Höchststand von 1,45 Euro erklommen. "Aussichten auf deutlich niedrigere Preise gibt es unter den gegebenen Bedingungen nicht", sagte der ADAC- Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. In der vergangenen Woche habe es nach den vom ADAC erhobenen Datenan den Zapfsäulen jeden Tag einen Preisanstieg gegeben. Außerdem gingen je Liter Benzin bei den aktuellen Rekordpreisen fast 90 Cent als Steueranteil an den Staat. "Das ist sehr viel Geld."

Wie schon vor dem Jahreswechsel, als ein heftiger Preiskampf tobte, war Diesel am Pfingstsamstag vereinzelt teurer als Benzin. So wurde in Kiel Diesel für 1,42 Euro je Liter gesichtet, Benzin gleichzeitig darunter für 1,40 Euro. In Dortmund rieben sich Autofahrer die Augen, als bei einzelnen Shell- und Avia-Tankstellen Diesel für 1,43 Euro je Liter, Benzin gleichzeitig für 1,41 Euro zu haben war. An einer Aral-Tankstelle lagen Diesel- und Benzinpreis einträchtig bei 1,41 Euro, an anderen lag Diesel wiederum mit 1,35 Euro je Liter sechs Cent unter dem Benzinpreis.

Keine Entspannung am Weltmarkt

Die weiter hohen Kraftstoffpreise passten zu den Rekord- Rohölpreisen. Angesichts der weltweit großen Nachfrage seien die Zeiten billigen Öls wohl vorbei, auch wenn die derzeitige Spekulationsblase irgendwann einmal platzen sollte, sagte Albrecht. Hinzu komme, dass die Mineralölkonzerne wie üblich pünktlich zum Beginn der Pfingstferien zusätzlich an der Preisschraube gedreht hätten. "Das wird zwar aus mir nicht erklärlichen Gründen immer wieder bestritten, ist aber ein marktwirtschaftliches Verhalten in Reinkultur", sagte der Experte.

Grünen-Bundestagsfraktionsvize Bärbel Höhn beklagte vor allem zwei Gründe für "die saftigen Preissprünge beim Benzin": "Das Öl wird immer knapper, und Spekulanten schaffen verstärkt eine künstliche Nachfrage, die den Preis treibt." In einer Mitteilung hieß es: "Mittlerweile werden bis zu 45 Prozent der Ölvorkaufsrechte von Spekulanten gehalten, das treibt den Preis kräftig." Grünen- Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer lehnte Forderungen nach Steuersenkungen auf Kraftstoff in der "Netzeitung" klar ab: "So etwas zu fordern, ist kruder Unsinn." Wer dies verlange, "tut so, als könne man mit Adhoc-Massnahmen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren".

Unions-Fraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte der Zeitung, die abermalige Benzinpreis-Erhöhung verschaffe "auch dem Finanzminister unvorhergesehene höhere Einnahmen". Die müsse er "an die Bürger zurückgeben, am besten durch die Wiedereinführung der Pendlerpauschale in vollem Umfang". Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) brachte eine Sondersteuer auf die Gewinne von Ölmultis ins Gespräch. Sie regte in der "Bild"-Zeitung an, mit einem Teil der Einnahmen einer solchen Sondersteuer finanzschwache Autofahrer zu entlasten.

DPA

 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Aurum (14.05.2008, 09:49 Uhr)
"Bruder Gabriel" und die Rentenversicherung
Was hat den die Rentenversicherung mit der "Öko"-Steuer zu tun?
Haben die jetzigen Rentner denn nie in eine Rentenversicherung eingezahlt? Ja, wo ist denn das Geld geblieben??? In China, Afrika oder bei den den Juden? Zweckentfremdung der Rentenkassen! Dies zeigt wieder die Verbrechen am Volk auf! Und bei dem Wort "Öko-Steuer" kommt glatt die Decke runter! So eine verlogene Bagage gibt es nicht noch mal auf der Welt! Da werden echt Steuern erfunden um noch mehr raus zu holen aus dem Volk. Aber wer braucht denn einen Staat? Noch dazu einen, welcher rein rechtlich überhaupt nicht existiert! Kein Friedensvertrag, kein eigenes Territorium, keine rechtmäßige Verfassung um nur einige Fakten zu nennen. Nur ein Grundgesetz, was mehr als 150 mal geändert und mit Fußnoten versehen wurde!
mariahellwig (13.05.2008, 14:40 Uhr)
Sündenböcke gesucht
Wir können froh sein im Euroland zu leben. Im Dollarraum sieht der Preisanstieg noch ganz anders aus.
Vielleicht töstet dies etwas...
Absolut unerklärlich ist der hohe Preis des Diesel. Diesen besteuert der Gesetzgeber nämlich mit 20 Cent weniger als Bezin, müsste also 20 Cent unter dem Bezinpreis liegen. Komischerweise tut er das aber nicht. Vielleicht erklärt es aber den Gewinnanstieg der Ölkonzerne.
Und auch die so oft gescholtene Ökosteuer kann da überhaupt nichts für.
Apropos Ökosteuer. Ein Absenken der Ökosteuer wird nur das Anheben anderer Steuern nach sich ziehen. Auf meine Fahrverhalten habe ich noch einen Einfluss. Auf das Anheben der Rentenbeiträge nicht.
terrax (13.05.2008, 11:11 Uhr)
@Skarrin
Weshalb steigen die Benzinpreise dann nicht in der Schweiz, in Lichtenstein, in Luxemburg, auf den kanarischen Inseln, in Monacco? Ich bezweifel Ihre Theorie! Und zum Thema Steuer - die Mehrwertsteuer wir auf den Endpreis aufgeschlagen!
B.GrossRohrbach (12.05.2008, 20:31 Uhr)
Der Staat "Verarscht"das Volk
Ich wollte nur mal die Meinung von mir hier darstellen.-
Als die Ökosteuer kam sagte man uns die ist nur mal für 2 Jahre und jetzt sind es schon gute 6 Jahre!
Und genauso wie bei der Wende 1989 als von Aufbau die Rede war und jetzt sind es schon knappe 20 Jahre her!
Ich bin allein erziehende Mutter, mein Sohn ist 13 Jahre alt, ich bekomme nicht mal einen Mietzuschuß weil ich mit Brutto 1.375.-€ zuviel Verdiene!!Ich bin so stinke sauer auf unsere sauberen Politiker die Verdienen sich die goldene Nase und wir Otto normal Verbrauch müße schauen wie wir klar kommen.-
Und das mit dem Benzinpreisen da Verdient sich auch wieder die da oben eine goldenne Nase.
Es wird immer schlimmer hier in Deutschland!!
Ich würde heute auch keine Kinder mehr in diese Welt setzen, dass sage ich heute schon meinen Kindern!!!Ciao
Skarrin (12.05.2008, 11:23 Uhr)
Einfache Lösung
Wer die Staatsquote beim Benzin senken will, braucht einfach nur abzuwarten: je weiter der Rohölpreis steigt, desto geringer wird der prozentuale Steueranteil!
Wer meint, durch hektische Steuersenkungen würde das Benzin billiger, ist geistig nicht zur Teilnahme am Straßenverkehr geeignet, noch nicht mal als Fußgänger. Nach wenigen Stunden oder Tagen hätten die Ölkonzerne die Entlastung durch Preissteigerungen überkompensiert. Das ist sogar ihr gutes Recht, denn als Aktiengesellschaften sind sie dazu verpflichtet, für ihre Aktionäre möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften.
Außerdem wurde soweit mir bekannt ist noch kein einziger Junkie dadurch geheilt, dass die Preise für Drogen gesenkt wurden...
Clibanarius (11.05.2008, 17:57 Uhr)
Ökosteuer
Wenn die Ökosteuer laut Doppelnull-Steinbrück mit in die Rentenkasse fliesst und verhindern soll, daß die Rentebeiträge "ins Uferlose steigen", ja dann müssten doch jedem, der Tankt die Rentenpunkte steigen. Wenn das nicht massiv Verfassungswidrig ist, dann weiss ist Wasser nicht nass sondern trocken. Aber da es die Steuer immer noch gibt, kann man davon ausgegehen, daß das BVG keinen Anstöss daran nimmt und die Leute es solange bezahlen werden bis der letzte tropfen Öl gefördert wurde und darüber hinaus. Ähnlich wie bei der Sektsteuer, erfunden von Wilhelm II., um in seinem Größenwahn ein Kriegsmarine aufzubauen, die mit England mithält. Die Kriegsmarine wurde zwar längst versenkt, die Seksteuer gibt es aber immer noch.
SirDidimus (11.05.2008, 14:05 Uhr)
spritpreise
einige ideen, die mir kommen, wenn man über die hohen preise meckert:
pfingsten - höchster spritpreis der jeh erreicht wurde - megastaus, wg. verlängerten wochenende
bundesliga - ca. eine mio. leute fahren in die stadien, größtenteils mit dem auto.
leute fahren mit winterreifen bei fast 26 grad.
kavalierstart an der ampel.
das sind nur einige dinge, aber sie zeigen, das gemeckert wird, statt mal anders zu handeln.
ach ja, gerade fährt wieder die formel eins....
trailman (11.05.2008, 11:44 Uhr)
Beutelschneider
Ich sag's doch immer, die größten Verbrecher sitzen in der Regierung, resp. Finanzbehörden.
AttaTroll (11.05.2008, 11:09 Uhr)
So ein Quatsch
Mir kann niemand erzählen, dass es da jemanden gibt, der peinlichst genau die Öko-Steuer-Einnahmen überwacht und diese dann exakt auf das Konto der Rentenkasse transferiert. Die Öko-Steuer kommt zusammen mit den (zu) vielen anderen Steuern in den großen Haushaltstopf und von dort aus werden die Gelder verteilt. In diesem Topf ist eine Menge Geld drin, das eigentlich für alle nötigen Ausgaben ausreicht. Es ist genug Geld da, es wird nur für lauter unsinniges Zeug ausgegeben (Afghanistan-Krieg, Einsätze vor der Küste des Libanon, Entwicklungshilfe für China, regelmäßiger Wideraufbau von Ländern, die andere zusammengeballert haben, maßlose Abgeordnetenpensionen etc. etc. etc.) Die Steuergelder kommen vom Volk und sollten ihm nutzen. Wenn die Ausgabenpolitik endlich einmal geändert würde, bräuchten wir keine Ökosteuer mehr - weder für "die Rente" noch sonst. Übrigens soll Herr Gabriel mal schön zur Notwendigkeit einer Ökosteuer schweigen. Wer mal eben 50.000 Euro für einen Mallorcaflug verprasst und seinen Dienstwagen neben dem ICE herfahren lässt, in dem er sitzt, hat in meinen Augen ohnehin jede Glaubwürdigkeit als Umweltminister verspielt.
Nexcode (11.05.2008, 10:34 Uhr)
Ökosteuer
Ich sehe das genau wie mein Vorredner. Die Ökosteuer sollte ja doch was mit Ökologie zu tun haben. Demnach nachhaltigen Umweltschutz. Meinetwegen auch die Subvenzion alternativer Energiequellen. Mit der Ökosteuer allerdings die Rentenlöcher zu stopfen ist an Schlitzohrigkeit kaum noch zu überbieten. Auch die Aussage mancher Politiker, dass es für die Renten unverantwortlich ist die Ökosteuer zu senken sagt schon alles darüberaus, in welchem Tollhaus wir angekommen sind.
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