27. Juni 2008, 15:03 Uhr

Den Letzten quetschen die Laster

Ratgeber-Stau

Staus auf Autobahnen bergen Gefahren. Ein Übersehen des Stauendes hat meist einen tödlichen Ausgang. Außerdem sind Rastplätze häufig so überfüllt, dass die Schlange bis auf den Standstreifen reicht. Mancher glaubt man sich schon in Sicherheit und die tödliche Überraschung kommt von hinten.

So nicht! eine Party auf der Autobahn ist gefährlich©

Staus auf Autobahnen bergen viele Gefahren. Das Übersehen eines Stauendes etwa führt zu schweren Unfällen - oft mit tödlichem Ausgang. Regelmäßige Pausen erhöhen die Aufmerksamkeit und verringern das Unfallrisiko. Allerdings reihen sich an Zufahrten zu Rasthöfen wartenden Lkw und Pkw ebenfalls zu langen Schlangen auf, meist bis auf den Verzögerungsstreifen. Einfache Tipps erleichtern sowohl das Staustehen auf der Autobahn als auch das Anfahren überfüllter Rastplätze.

Warner anschalten

Während der Ferienzeit und im täglichen Berufsverkehr ist "Stop and Go"gerade bei der Fahrt entlang vielbefahrener Strecken angesagt. Aber auch Pannen, Unfälle und Baustellen sorgen oft für kilometerlange Staus. Am einfachsten ist es daher, entsprechende Streckenabschnitte und Hauptverkehrszeiten zu meiden. Da dies in der Realität leider kaum umsetzbar ist, sollte man stets Vorsicht walten lassen, wenn Verkehrszeichen wie beispielsweise Baustellenschilder auf ein Staurisiko hindeuten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist ferner vor Kurven und Hügelkuppen gefragt, da ein Stauende erst spät einsehbar ist. Ebenso reduziert eine regelmäßige Information über den Verkehrsfunk die Gefahr eines Auffahrunfalls.

Gefahren in der Hauptsaison

Vorsicht ist immer angebracht, aber in der "Hochsaion" muss man noch aufmerksamer sein als sonst. Wieso? Die Gefahr für Auffahrunfälle und Berührungen bei Spurwechseln wächst enorm, wenn sehr viele Fahrzeuge unterwegs sind. Jeder Fahrer weiß aus Erfahrung, wie plötzlich sich schnelle Kolonnen bei zu enger Packung "hoch bremsen" können. Was eben noch eng aber flott war, erfordert bei plötzlichen Verzögerungen die volle Konzentration am Steuer.

Angemessen abbremsen

Beim frühzeitigen Erkennen eines Stauendes soll die Geschwindigkeit rechtzeitig und gleichmäßig verringert werden. Bei unübersichtlichen Situationen ist es besser, einmal zuviel abzubremsen, als auf das Glück zu vertrauen und dann von der Vollbremsung des Vordermannes überrascht zu werden. Keinesfalls sollte man forsch an das Ende des Staus heranfahren. Sofortiges, rabiates Abbremsen bei ersten Anzeichen eines Staus kann den Hintermann allerdings übel überraschen. Das Einschalten der Warnblinkanlage informiert die folgenden Fahrzeuge über den stehenden Verkehr, denn sie sind die eigentliche Gefahr.

Abstand im Stand

Empfehlenswert ist laut der Zeitschrift "Auto Tests" auch im Stand ein Abstand zum Vordermann von mindestens drei bis vier Wagenlängen. Im Notfall kann so ausgewichen werden, wenn ein zu schnell fahrendes Fahrzeug von hinten heran rauscht. Schnelle Reaktionszeit und Beobachtung des ankommenden Verkehrs ist in den ersten Minuten enorm wichtig. Immer wieder fahren Fahrzeuge in ein Stauende. Besonders gefährlich sind Lkw und Busse. Sie können sogar mehrere Fahrzeuge ineinanderschieben. Abstand ist hier also wichtig. Besondere Vorsicht ist auch angebracht, wenn man hinter einem LKW zum Stehen kommt. Wer von hinten unter den Aufbau vorn gedrückt wird, hat kaum eine Überlebenschance. Hat sich erst ein hundert Meter langer "Schwanz" hinter dem eigenen Wagen aufgebaut, ist die größte Gefahr vorbei. Ist ein Crash jedoch unvermeidlich, sollte man den Körper fest in den Sitz sowie den Kopf gegen die Kopfstützen pressen und sich keinesfalls abschnallen.

Schock an der Raststätte

Die Vorausschau schützt auch bei den meist nächtlichen Staus an Rasthöfen. Bereits zu Beginn der Abbiegespur ist sich auf dem Verzögerungsstreifen einzuordnen, so dass die Situation auf dem Rasthof richtig und rechtzeitig eingeschätzt werden kann. Wie bei einem Stau sollte man sich auch hier langsam, vorsichtig und bremsbereit dem Rasthof nähern und nicht mehr überraschend die Spur zurück auf die Autobahn wählen. Der Wagen sollte auf der Abbiegespur bereits abgebremst sein, denn es ist möglich, dass direkt im Einschwenkbereich der Spur schon unbeleuchtete Fahrzeuge stehen, die nur eine kleine Gasse frei lassen. Obendrein können sich auch noch Personen auf der Strecke befinden. Kurz und gut: den Bereich einer Autobahntankstelle sollte man so befahren wie den einer städtischen Tankstelle.

Keine Frustmanöver

Fühlt man sich überfordert und unbehaglich, kann auch ohne Anhalten die Raststätte wieder verlassen werden. Das sollte allerdings nicht das Fahrverhalten beeinflussen, denn Gefühle und Aggressionen haben im Auto nichts verloren. Wer wutentbrannt durchstartet, weil ihm die Schlange an der Tanksäule zu lang ist, bringt sich und andere unnötig in Gefahr.

Standtreifen und Rettungsgasse sind tabu

Die Sonne scheint, die Zeit verrinnt und nichts passiert. Immer wieder kommen dann Fahrer auf die Idee die Wartezeit abzukürzen, indem sie auf dem Standstreifen oder gar auf einer Rettungsgasse an den anderen vorbeifahren. Ganz Wilde kommen sogar auf die Idee sich hinter ein Einsatzfahrzeug zu hängen und den Blaulichteinsatz als Eisbrecher zu nutzen. Das ist nicht nur verboten sondern auch unverantwortlich gefährlich. Das "Eisbrechermodell" hat härteste Konsequenzen zur Folge zu Recht. So jemand beweist, dass er nicht in der Lage sich in den Verkehr einzuordnen. Beim Befahren von Gassen und Standstreifen warten neben dr Strafe zahlreiche Gefahren. Türen können sich öffnen, Wagen ausscheren, andere Fahrzeuge regulär abbiegen. Jedes Mal liegt das Verschulden beim Abkürzer. Man sollte sich auch von anderen Fahrern nicht provozieren lassen es ihnen gleichzutun, auch wenn es schwer fällt. Insbesondere Motorradfahrer scheinen häufig an ein "Zwei-Rad-Recht" zu glauben, dass ihnen das Warten im Stau erspart. Dieses Recht existiert natürlich nicht.

Weder Pinkeln noch Picknick

Auch wenn die Wartezeit lang ist, verwandelt sich die Autobahn dennoch nicht in eine Loungezone. Bleiben Sie im Auto, auch wenn es schwerfällt. Wenn der Wagen doch verlassen werden muss, ist äußerste Vorsicht angebracht. Einsatzfahrzeuge dürfen am Stau vorbei fahren, andere Fahrer machen es trotz Verbot. Mit spielenden Kindern rechnet dort niemand. Entfernen Sie sich niemals weiter als nötig vom Fahrzeug. Ein Stau kann sich sehr schnell auflösen, wenn dann ein Fahrzeug warten muss, um die Passagiere aufzunehmen, liegen die Nerven aller anderen meist blank. Hupkonzerte und Beschimpfungen sind das Wenigste. Häufig wird versucht, irgendwie an dem Hindernis vorbeizukommen. Für hinzu eilende Kinder kann das schnell zum tödlichen Ausflug werden.

Kra mit MID

KOMMENTARE (5 von 5)
 
Silbador (29.06.2008, 12:11 Uhr)
So einfach ist es nicht
Es wurde versäumt die Schiene als Transportnetz zu etablieren - im Gegenteil immer mehr Teile des Schienesnetzes der Bahn werden stillgelegt.
Die Folge sind immer mehr Lkws auf den Strassen, noch dazu immer mehr davon aus dem Ostblock und die sind leider oft in einem technisch desolaten Zustand, über den Ausbildungsstand der Fahrer möchte ich mich gar nicht äussern. 25% der Fahrer sind sehr gute Fachleute, 50% machen ihren Job und geben sich Mühe, 25% dürften niemals einen Lkw fahren, weil sie sich absolut nicht bewusst sind, was sie da tun und welches Gefährdungspotential ein solche Masse in Bewegung hat.
Lösungsabsätze: Zunächst die Strecken für Lebensmittel beschränken, kein Schnitzel wird durch 1200 km Autobahn besser. Warum der Kasten Bier eines regionalen Anbieters genauso teuer verkauft wird, wie der vom anderen Ende Deutschlands, kann man auch nur mit Mischkalkulation erklären, verstehen kann ich es nicht. Auch der Kunde beeinflusst die Situation, Orangen im Sommer? Trauben im Frühjahr?
Mal drüber nachdenken, bein nächsten Einkauf.
botoxia (29.06.2008, 10:37 Uhr)
Nicht zu schnell fahren
Wie vor 3 Tagen in der hier bei Stern.de abgebildete Plakatkampagne sehr schön deutlich wurde: Männer fahren zu schnell. Auf keinem einzigen dieser Plakate der gesamten Kampagne war auch nur eine einzige Frau am Steuer. Also, Männer, ihr fahrt ja auch meistens die Laster, bzw. sowieso seid ihr es, die laut Statistiken gehäuft zu schnell fahren. Männer, fahrt defensiver und langsamer, und sauft nicht vorher.
AH.Maurer (28.06.2008, 21:11 Uhr)
@all
Reisst Euch mal bitte ein wenig am Riemen. Trolle sollten hier nicht gefüttert werden ...
droth (28.06.2008, 19:26 Uhr)
Wer ist schuld am LKW-Terror?
Wer nur billig einkaufen will, soll ja mit seiner Kaufentscheidung dazu beitragen, dass die endlose LKW-Schlange immer länger wird. Die Fahrer sind ja angeblich völlig unschuldig an den knappen Zeitvorgaben, die ohne vorsätzliche Missachtung der Vorschriften nicht einzuhalten sind. Die Spediteure stehen unter dem Preisdruck von Theo u. Karl Albrecht und all den anderen Billigheimern. Also trägt niemand Verantwortung? Doch, es gibt ja noch die Politiker, die durch richtungsweisende Entscheidungen auf ihren weltpolitischen Kaffeekränzchen (Gipfel genannt) dafür gesorgt haben, dass treu dem neoliberalen Zeitgeist immer mehr Produktion noch Asien usw. verlagert wird, dass immer mehr Container in europäischen Hafen gelöscht werden und dass das europäische Eisenbahnnetz immer maroder wird, so dass der größte Teil des Hinterlandtransports vom Seehafen über die Logistikcentren zum Einzelhandel über die Straße abgewickelt wird. Noch Fragen. Merkel?
Blacky007 (28.06.2008, 17:28 Uhr)
Mehr Kontrollen und Strafen für LKW Fahrer drastisch erhöhen
Alleine in dieser Woche sorgten 3 Gefahrguttransporter für Vollsperrungen auf Autobahnen - in 2 Fällen war Alkohol im Spiel, bei einem sogar über 1,5 Promille! In Bezug auf die Sicherheit unserer Autobahnen wäre es sinnvoll, dass mehr Kontrollen gemacht werden und LKW Fahrer bei verkehrsgefährdetem Verhalten (Lesen, TV schauen, Telefonieren, Alkohol, etc.) hart sanktioniert werden - wie Führerscheinentzug für min. 1 Jahr plus Geldstrafen die richtig weh tun - so um die 6 bis 12 Monatsgehälter. Wenn ich so manchen TV Bericht sehe, wo ein LKW Fahrer für Fahren mit Zeitung in der Hand gerade ienmal 60EUR bezahlen muss, dann ist dies ein Hohn.
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