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Für wen sich ein Dienstrad lohnt

Seit Ende 2012 gilt das Dienstwagen-Privileg auch für Fahrräder. Das Rad wird vom Fiskus gesponsert. Das klingt klasse, ist aber nicht immer zu empfehlen.

Von Gernot Kramper

  Steuersparmodell "Dienstrad": Die Idee ist bestechend, aber leider nur auf den ersten Blick.

Steuersparmodell "Dienstrad": Die Idee ist bestechend, aber leider nur auf den ersten Blick.

Seit dem Dezember 2012 wenden Finanzbehörden die einschlägigen Regeln für Dienstwagen auch für Fahrräder an. Ein dienstliches Rad kann seitdem privat genutzt werden. Und da es egal ist, ob man für den Job überhaupt ein Zweirad benötigt, können alle Arbeitnehmer von einem Dienstfahrrad profitieren, wenn ihr Arbeitgeber mitspielt.

Die Idee ist bestechend: Wie bei Dienstwagen wird ein Teil der Kosten auf den Fiskus abgewälzt. Bislang ist die Nachfrage allerdings noch verhalten. Das dürfte zum einen daran liegen, dass kaum jemand das Steuersparmodell Dienstfahrrad kennt. Zum anderen sollten Arbeitnehmer genau durchrechnen, ob sich das Dienstrad für sie lohnt.

Wie funktioniert das Steuermodell?

Das normale Verfahren geht so: Die Firma schafft das Rad an - meistens im Leasing inklusive eines Wartungsvertrages. Sie überlässt es dem Angestellten, der das Rad auch privat nutzen darf. Die private Nutzung gilt als sogenannter geldwerter Vorteil und muss mit einem Prozent des Listenpreises im Monat versteuert werden. Kostet das Rad 2500 Euro, müssen jährlich 300 Euro versteuert werden. Diese 300 Euro addieren sich zum Einkommen hinzu und werden entsprechend veranschlagt. Das gute Rad kostet den Arbeitnehmer etwa 130 Euro im Jahr. Das ist wenig Geld, so viel muss man schon für den Wechsel von Radmänteln und Schläuchen kalkulieren.

Welches Rad darf es sein?

Über das Modell entscheidet letztlich der Chef. Aber anders als beim Dienstwagen dürfte es keine umfangreichen Regelwerke zur korrekten Auswahl geben, sondern nur einen maximalen Betrag. Auch ein Pedelec mit Stromantrieb ist möglich. Doch verkehrssicher muss das Rad sein. Ein Bike, das nicht der StVZO entspricht, sollte die Firma nicht zur Verfügung stellen. Ein Problem für Radliebhaber: Speedbikes, Rennräder und Mountainbikes sind eigentlich tabu.

Für welchen Arbeitgeber macht das Dienstrad Sinn?

Das neue Modell der Dienstfahrrad-Regelung gibt Großbetrieben die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern rechtlich sauber Räder zu überlassen, die sie auch privat nutzen dürfen. Rechtlich nicht sauber, aber üblich ist eine andere Variante: Die Firma schafft Räder ausschließlich zum dienstlichen Gebrauch an, aber niemand kontrolliert, ob sie nicht doch privat genutzt werden. So wie viele Firmen Notebooks und Smartphones offiziell nur zum dienstlichen Gebrauch aushändigen, aber nie prüfen, ob nicht doch private E-Mails verschickt werden. Vorteil der Grauzone: Hier zahlt der Arbeitnehmer überhaupt keine Steuern.

Wann lohnt sich ein Dienstrad für Arbeitnehmer?

In drei Jahren muss der Arbeitnehmer für sein 2500-Euro-Dienstrad etwa 400 Euro mehr an Steuern und Sozialbeiträgen bezahlen. Nach Auslaufen des Vertrages kann er das Rad für zehn Prozent des Neupreises übernehmen. Insgesamt hat er dann nur 650 Euro für ein Rad bezahlt, welches 2500 Euro gekostet hätte - Wartung und Versicherung gab es drei Jahre lang noch dazu. Auf den ersten Blick ist das eine überzeugende Rechnung.

Aber leider nur auf den ersten Blick. Die Gegenrechnung sieht nämlich so aus: Was wäre, wenn der Arbeitgeber die Gesamtkosten des Rades inklusive der Kosten der Leasinggesellschaft, des Services und der Versicherung einfach als Lohnerhöhung zahlen würde? Dann ergäbe sich wegen des Steuerprivilegs immer noch ein rechnerischer Vorteil gegenüber der Einzelanschaffung des gleichen, teuren Rades. Aber eben nur bei einem teuren Rad. Wenn ein einfaches Bike reicht, gibt es keinen Vorteil.

Fazit

Wenn Sie beim Chef nur ein Dienstfahrrad heraushandeln können, aber nicht mehr Lohn, sollten Sie das Rad nehmen. Können Sie zwischen Gehaltserhöhung und Rad wählen, ist die Gehaltserhöhung für Radbanausen die bessere Wahl. Für die Gehaltserhöhung spricht auch, dass diese fortbesteht. Wenn Sie das Rad wählen und irgendwann die Freude am Radfahren verlieren, haben Sie keinen Anspruch auf die Gehaltserhöhung.

Ein Dienstfahrrad kann sinnvoll sein, wenn Sie gern ein sehr teures Rad benutzen möchte. Da die Regelung neu ist, dürften die Finanzämter auch echte Liebhaberräder akzeptieren. Interessant ist die Leasingvariante, wenn Sie ein E-Bike haben wollen, da Räder mit Elektromotor schnell über 2000 Euro kosten, und es keine billigen Alternativen gibt. Als spezialiserten Anbieter gibt es Leasing eBike

Eine detaillierte Beispielrechnung:

Ein Arbeitnehmer verdient pro Monat 3000 Euro brutto. Er möchte ein Rad für 2500 Euro über Leaserad erwerben. Die Leasingrate beträgt bei einem Wert von 2500 Euro monatlich 69 Euro plus 9,90 Euro für die Versicherung. Der Arbeitgeber muss nun für einen geldwerten Vorteil von monatlich 25 Euro Steuern und Sozialbeiträge entrichten, das entspricht einer Belastung von weniger als 400 Euro über die Laufzeit von drei Jahren. Hinzu kommt der Restwert von 250 Euro bei Übernahme. Das teure Rad hat also netto 650 Euro inklusive einer Versicherung gekostet.

Hätte der Arbeitnehmer anstelle des Rades eine Gehalterhöhung von 79 Euro bekommen, gäbe es in dem Rechenbeispiel monatlich 40 Euro netto mehr. In drei Jahren sind das 1440 Euro. Addiert man die Netto-Belastung beim Leasing hinzu, käme man beim Eigenkauf auf ein Budget von 2090 Euro. Das sind 410 Euro weniger als der Listenpreis - hinzu kommt die Radversicherung. Kauft man aber ein Rad für 500 Euro, bleiben von der Gehaltserhöhung immerhin noch 950 Euro übrig. Berücksichtigt man den Eigenanteil am Leasingmodell, ist man mit 1600 Euro im Plus.

Anmerkungen

Die Auswirkung von Gehaltserhöhungen oder dem Dienstrad-Modell hängen vom individuellen Einkommen, der Steuerklasse und den jeweiligen Freibeträgen ab. Das Beispiel (Steuerklasse II, keine Kinder) dient nur der Illustration. Für günstige Alltagsräder lohnt sich der bürokratische Aufwand übrigens nicht.

Grundsätzlich kann auch ein Arbeitnehmer aktiv werden und den Arbeitgeber bitten, einen Teil seines Bruttogehalts für das Dienstrad umzuwandeln. In diesem Fall springt das Bruttogehalt nach Ende des Leasingvertrages wieder auf den alten Wert. Das ist attraktiv, wenn man so sein Traumrad billiger bekommen möchte.

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