Cool und angesagt - das war einmal. Die Tage der großen Geländewagen sind gezählt. Eben noch das Potenzmobil des Alpha-Mannes gilt der SUV nun als Sündenbock für Ölkrise und Klimawandel. In den USA bekommen das die Hersteller besonders drastisch zu spüren. Aber auch Deutschland ist betroffen. Von Michael Specht

Kein Einzelfall: Diese Hummer-Flotte wartet vergeblich auf Käufer© Kevin Lamarque/Reuters
"Ihre beste Zeit haben diese Autos hinter sich", sagt Ferdinand Dudenhöffer. Der Auto-Experte an der Fachhochschule Gelsenkirchen prognostiziert für die kommenden Jahre einen empfindlichen Einbruch bei den so genannten Full Size SUV. "Es wird sicher ein paar Reiche geben, die diese Autogattung weiterhin fahren werden und denen die hohen Spritzpreise wurscht sind, "sagt Dudenhöffer. Doch viele Hersteller bieten neben ihren dicken Boliden mittlerweile bessere Alternativen: SUV des Kompaktsegments. Warum einen Q7, wenn es einen Q5 gibt? Warum noch einen Touareg, wenn es einen Tiguan gibt? Gleiche Fragen müssen sich Fans der Marken BMW (X5/X3), Volvo (XC90/XC60) oder auch Land Rover (Discovery/Freelander) stellen. Dudenhöffer ist sogar fest davon überzeugt, dass auch Porsche mit einem kleineren SUV kommen wird. "Dieses Auto wird vermutlich auf der Technik des Audi Q5 basieren."
In den vergangenen zehn Jahren schossen monströse Allradwagen der Gattung "Sport Utility Vehicles" wie Pilze aus dem Boden. Den Stein in Rollen brachte hauptsächlich Mercedes, die 1997 ihre M-Klasse präsentierten und den Begriff Lifestyle ins Spiel brachten. Erstmals löste man sich technisch vom Lkw-ähnlichen Leiterrahmen (wenn auch nur halbherzig) konventioneller Geländewagen wie sie beispielsweise der Toyota Land Cruiser, Nissan Patrol oder Mitsubishi Pajero aufwiesen. Damit ließen sich ein handlicheres Fahrverhalten und mehr Komfort realisieren. Einen neuen Maßstab setzte in dieser Disziplin dann aber der X5, den Konkurrent BMW 1999 vorstellte und der schnell zu einem der bestverkauften SUV überhaupt wurde.
Sein Erfolg rief schnell andere Hersteller auf den Plan, selbst jene, von denen man solch einen Schritt nie erwartet hätte. Prominentester Vertreter: Porsche. Der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen tat sich mit VW zusammen. Gemeinsam entstand ein SUV, den Volkswagen als Touareg und Porsche als Cayenne verkauft. Für Porsche-Puristen ein Schlag ins Gesicht, die die Traditionsmarke niemals mit vier Türen, fünf Sitzplätzen und einer Heckklappe in Verbindung bringen wollten. Auch Ferry Porsche hätte sich vermutlich im Grabe umgedreht. Chef Wendelin Wiedeking aber sollte Recht behalten. Der bis zu 550 PS starke und 280 km/h schnelle Cayenne verkaufte sich glänzend. Mütter in gediegenen Vororten setzen damit ihre Kinder vor der Schule ab und über die "Whiskey-Meile" auf Deutschlands Schickimicki-Insel Sylt rollt der Cayenne so häufig, dass er bereits "Sylter Volkswagen" genannt wird. Auch Volvo brach mit seinen Prinzipien und stellte 2002 den XC 90 auf die Räder, siebensitzig und damit größer als die damalige deutsche Konkurrenz. Zeitweise war der große Schwede weltweit Bestseller im Volvo-Programm.
Auch der eigentliche "Erfinder" des SUV, die britische Firma Land Rover, die mit dem Range Rover bereits in den 80er-Jahren den ersten Luxus-Geländewagen im Programm hatte, rieb sich die vergangenen Jahre wegen des Booms in diesem Segment die Hände. Das Derivat vom Discovery, der Range Rover Sport, avancierte mit zum Liebling des Londoner Jet-Sets, die sich um hohe Staugebühren (congestion charge) ebenso wenig schert wie um teure Parkplätze oder hohen Spritverbrauch. Schnell hatten die London-SUV, in denen zumeist junge Blondinen a la Paris Hilton – der Engländer spricht von "snooty rich bitches" – hinterm Lenkrad sitzen, ihren Spitznamen weg: Chelsea-Tractor.
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