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Lohnt sich das Schleichen für Rabatt?

Wer seinen Fahrstil rundum überwachen lässt, kann mit speziellen Telematik-Tarifen bei der Kfz-Versicherung Geld sparen - wenn er sehr defensiv fährt und das auch nachweist.

Für den Einsteiger gibt es eine App, auf Dauer benötigt man eine Box im Motorraum. 

Für den Einsteiger gibt es eine App, auf Dauer benötigt man eine Box im Motorraum. 

Schleichen kann sich lohnen: Versicherungen versprechen 20 Prozent Rabatt, wenn man sich überwachen lässt. Das kann mit einer App oder durch eine fest installierte Box geschehen. Der Einbau der Box ist nicht umsonst, aber auf Dauer die bequemere Lösung. Einmal installiert muss der Fahrer sich um nichts mehr kümmern. "Finanztest"-Redakteur Michael Bruns hat mehrere Tarife ausprobiert und es als Versuchskaninchen bei der App belassen.

Der Score-Wert entscheidet

Das Prinzip ist immer gleich: Bei jeder Fahrt misst die App die Fahrzeugdaten und vergibt dann einen Score-Wert. Je höher der Score, desto höher fällt am Ende des Jahres der Rabatt aus. Problem Nummer eins: Einige Werte können durch einen individuellen Fahrstil nicht verändert werden. Der Grund: Innerorts gibt es mehr Unfälle als außerhalb, nachts mehr als am Tage. Das drückt den Score. Fährt man an speziellen Unfallschwerpunkten vorbei, sinkt der Score ebenfalls.

Ansonsten werden Beschleunigung und Abbremsen gemessen, selbst die Querbeschleunigung in Kurven wird erfasst. Wird das Tempolimit überschritten, sammelt man Minuspunkte. Fährt man schneller als 130 auf der Autobahn, wird das ebenfalls nicht gern gesehen. Andere denkbare Unarten wie dichtes Auffahren oder das Ignorieren roter Ampeln kann die App nicht erkennen, sie bleiben folglich ungesühnt.

Minimale Ersparnis für die meisten Fahrer

Der Lohn der Mühe wäre der Rabatt. Am Musterbeispiel eines 19-jährigen männlichen Fahranfängers aus Berlin wurde ein Maximal-Rabatt von immerhin 357 Euro berechnet. Im besten Fall müsste er 720 Euro statt 1057 Euro zahlen. Der ergibt sich aber nur, wenn der 19-jährige Berliner nicht nachts oder auch nicht innerorts fährt. In der Praxis dürften wohl kaum mehr als 250 Euro Ersparnis möglich sein. Aber immerhin: gut 20 Euro im Monat für den Fahranfänger. 

Test-Redakteur Bruns nahm die Aufgabe mit sportlichem Ehrgeiz, fuhr betont defensiv und freute sich jedes Mal über einen hohen Score-Wert. Der Test-Redakteur zahlt derzeit allerdings nur 329 Euro für seine KFZ-Versicherung. Er könnte mit Telematik auf 291 Euro Beitrag sinken, wenn er seinen sportlichen Score-Wert über das ganze Jahr halten würde.

Doch für eine Ersparnis von weniger als vier Euro im Monat lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Um diese Ersparnis zu erreichen, muss man jederzeit extrem kontrolliert fahren und darf das Auto auch nicht an flottere Fahrer ausleihen. Man darf niemals das Pedal durchdrücken, stark beschleunigen oder flott durch die Kurven gehen. Auf der Autobahn hängt man sich am besten hinter einen Flixbus. Autofahren erreicht dann den kulinarischen Reiz von Tofu-Quark. Hinzu kommt bei einer App der regelmäßige Aufwand für das Handling des Ganzen. Die Kosten für den Einbau einer Box im Motorraum bekommt man bei 37 Euro Ersparnis im Jahr jedenfalls so schnell nicht wieder raus.

Fazit: Das lohnt sich nicht

Man kann es auch positiv sehen: Mit einem Telematik-Tarif muss man weder in Sportfahrwerk, Breitreifen oder auch nur einen starken Motor investieren. Für die gewünschte Fahrleistung dürfte der schlappe Einstiegsmotor eines Kleinwagens mehr als ausreichen. Unser Meinung nach lohnen sich die Telematik-Tarife nicht. Von den theoretisch denkbaren Maximalrabatten sollte man sich nicht blenden lassen. Wer unbedingt sparen will, sollte bei Punkten wie dem Verzicht auf freie Werkstatt ansetzen oder bei einem alten , die Teilkasko-Versicherung streichen.

Finanztest: Telematik in der Auto­versicherung: Fahr­stil per App kontrollieren

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