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19. Februar 2008, 16:52 Uhr

Frech wie Oskar

Was ist schon ein Auto ohne die netten Annehmlichkeiten, wie Sonderausstattungen und Komfortdetails? Die Hersteller kassieren hier fürstlich ab. Oftmals ohne Sinn und Verstand.

Wer im Smart Fortwo nicht auf die Cockpituhr und den Drehzahlmesser verzichten möchte, wird mit 145 Euro zur Kasse gebeten© Hersteller/Pressinform

Auch wenn die Serienausstattungen in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden sind, sind die Listen mit den Sonderausstattungen keinesfalls kürzer. Manche Hersteller können den Buchcharakter der Optionsliste nur dadurch vermeiden, dass sie Extras und Preise in Kleinschrift darstellen. Der Einfallsreichtum kennt dabei kaum Grenzen. Premium- oder Volumenhersteller - Luxus- oder Kreisklasse, In- oder Ausland haben alle schwarzen Schafe. Besonders ärgerlich sind die Navigationssysteme, die den Shell-Atlanten von einst den längst überfälligen Rang abgelaufen haben. Exzellente Routenhelfer gibt es im Zubehörhandel bereits ab rund 150 Euro - für ganz Europa, inkl. neuesten Kartenmaterials und Stauumfahrung. Die Hersteller lassen sich Bildschirmsysteme mindestens 1.700 Euro kosten. Einige Hersteller ziehen ihren Kunden für den rechten Weg mehr als 2.500 Euro aus der Tasche - das grenzt fast an Wucherei.

Doch es wird noch besser. Bestellt man einen Mercedes ML 320 CDI zum Beispiel mit dem fraglos guten und 2629 Euro teuren Bildschirmnavigationsystem Command APS mit Bluetooth-Kompatibiltät kann man damit keinesfalls gleich eine Verbindung zu seinem Mobiltelefon herstellen und telefonieren. Hierfür muss nochmals ein rund 600 Euro teurer Bluetooth-Adapter bestellt werden. Ein solcher Adapter kostet in der Computerbranche zwischen 10 und 30 Euro - die Autohersteller verlangen für die gleiche Technik zwischen 200 und 700 Euro. Produzenten von Vans und Kombis verweisen nur allzu gern auf die grenzenlose Variabilität, die kaum Grenzen kennt. Eine verschiebbare Rückbank, Zurrösen und ein sinnvolles Gepäckkonzept kostet jedoch ebenfalls unangenehme Aufpreissummen. Schnell ist ein halber tausender beisammen - nur damit der Kombi das kann, was er soll: laden.

Ford gibt sich Blöße

Doch es sind nicht nur die teuren Extras, die einem beim Studium der Bestelllisten den letzten Nerv rauben. BMW verlangt wie viele andere für die Abschaltfunktion des Beifahrerairbags unglaubliche 40 Euro. Fiat möchte nicht zurückstehen und berechnet seinen Kunden beim Kompaktklassemodell Bravo für eine praktische 12-Volt-Steckdose im Kofferraum 30 Euro. Auch Volumenhersteller Ford, der mit Stolz und Nachdruck auf die kompletten Serienausstattungen verweist, gibt sich zahlreiche Blößen. Eine geringfügig verstärkte Batterie schlägt bei kleineren Modellen schon einmal mit 75 Euro zu Buche. Ein Aschenbecher kostet wie bei vielen zehn Euro Aufpreis. Einen zweiten Fahrzeugschlüssel mit Funkfernbedienung lassen sich Kölner mit frechen 50 Euro vergolden - ebenso wie der Szene-Hersteller Mini, der ab Werk nahezu nackt ausgeliefert wird. Der in unendlicher Zahl zu variierende Spaßmacher sieht besonders im Streifenlook cooler denn je aus. Die Klebefolien mit einem Realpreis von wenigen Euro kosten schnell ein paar hundert Euro. Wer noch 20 Euro übrig hat, entscheidet sich noch für die gesicherten Radmuttern. Dass ESP, beheizbare Spiegel und Klimaanlage trotz üppiger Preise trotzdem extra kosten, sei nur am Rande erwähnt. Ganz nebenbei: die teuren Extras haben noch keinen Mini-Kunden abschreckt.

Sonst gibt es auf den hinteren Plätzen billige Fensterkurbeln

Wer denkt, dass sich nur deutsche Hersteller Selbstverständlichkeiten teuer bezahlen lassen, irrt. Peugeot schreckt selbst davor nicht zurück, für die seit vielen Jahren etablierten elektrischen Fensterheber des neuen Peugeot 308 Tendance an den hinteren Türen 260 Euro zu verlangen - sonst gibt es auf den hinteren Plätzen billige Fensterkurbeln. Der Kunde zahlt es ebenso gern wie die Fußmatten, um die beim Neuwagenkauf oft noch hart gefeilscht werden muss. Matten vorne und hinten sind je nach Hersteller kaum unter 80 Euro zu bekommen. Smart verlangt bei seinem knuffig-trendigen Fortwo sogar für die Cockpituhr und den Drehzahlmesser 145 Euro Aufpreis. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass ein abschließbares Handschuhfach, das seinen Durchbruch in den frühen 70er Jahren feierte, nach wie vor mit 30 Euro berechnet wird. Das Basismodell hat nicht einmal elektrische Fensterheber.

Stefan Grundhoff/Pressinform

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
RedRat (20.02.2008, 07:45 Uhr)
Mal von der anderen Seite betrachtet...
Ich finde es immer nett, wenn Vergleiche mit Media-Markt Artikeln oder gar Computer Billig Artikel hergenommen werden, um dann Stimmungsmache zu machen. Ein wenig Recherche hätte gut getan.
Ok, manche Aufpreispolitik der Hersteller ist wirklich zu hinterfragen, vor allem wenn es um Kopplungen geht.
Ich kann aber eine MediaMarkt Billig Navi oder PV billig Bluetooth nicht mit den Fahrzeugkomponenten vergleichen. Diese sind eigens für die Fahrzeugsysteme entwickelt. Die Hardware ist so ausgelegt, dass sie extremeren Anforderungen genügt (Kälte/Hitze/Feuchte/Dynamik) und in die Fahrzeugbordsysteme einpasst. Die Software so, dass sie sich der gesamten Bedienlogik einpasst. Die Geräte können oft mehr als es auf den ersten Blick scheint. Da laufen viele Sicherheitsfunktionen im Hintergrund ab, von denen der Kunde nichts mitbekommt (Signalverarbeitung). Da die Geräte dann natürlich nicht in so großen Massen hergestellt werden, ist das alles auch ein wenig teurer. Nun kann der Kunde entscheiden, ob er lieber ein Radio mit Navi hat, dass sich im Fahrzeug einfügt oder ein Billiggerät aus dem Media-Markt...
Antipathisant (19.02.2008, 19:48 Uhr)
Airbagabschaltung ist sicherheitskritisch
Leistung gehört auf die Hinterachse, und nicht mit Schnickschnack verheizt.
Daß bei BMW allerdings die Airbag-Abschaltung für den Beifahrersitz nicht serienmäßig verbaut wird, ist m. E. kriminell. Der Airbag stellt bei Montage einer Babyschale im Ernstfall ein Risiko für das Kleinkind dar. Dieses Fahrzeug sollte umgehend die ABG entzogen bekommen und BMW zum Rückruf verdonnert werden, bis der Mangel serienmäßig behoben wird. Schade, daß unsere Behörden hier nicht aktiv werden. Aber die Kunden haben es ja in der Hand, oft hat Mutti - und die sitzt meistens rechts - auch ein Wörtchen beim Autokauf mitzureden. Allzeit gute Fahrt!
dist-bln (19.02.2008, 18:05 Uhr)
Mini..? Lieber FIAT 500
"Ganz nebenbei: die teuren Extras haben noch keinen Mini-Kunden abschreckt."
FALSCH! Wegen der ca. 2.500 € für die Extras (zuzüglich des hohen Grundpreises), mit denen ich mein personalisiertes nacktes Modell ausrüsten würde, habe ich mich gegen den Mini entschieden. Nun wird es ein FIAT 500- der trotz der Extra- Aufrüstung immer noch ca. 5.000 € weniger kostet.
MMSterling (19.02.2008, 18:00 Uhr)
Nicht nur der Auspreis ist dreist...
...äufig kann ein Extra nur in Kombination mit anderen oder als Paket geordert werden. Wieso bekomme ich bei Mercedes den elektrisch anklappbaren Aussenspiegel nur in Verbindung mit elektrisch verstellbaren Sitzen?
bernie-abg (19.02.2008, 17:45 Uhr)
Gute Ausstattung...
...ist, neben der eigenen Bequemlichkeit, wichtig bei einem späteren Verkauf.
Ob man aber die Mondpreise für einige Extras jemals einigermaßen herausholen kann?
Ein fest eingebautes Navi ist z.B. ganz toll, wenn es brandneu im Neuwagen steckt. Nach einigen Jahren wird es aber hoffnungslos veraltet sein und ein neues mobiles Navi die bessere Wahl.
faustjucken_de (19.02.2008, 17:38 Uhr)
noch ein Grund mehr, warum ich mir kein Auto kaufe
für jeden Scheiß extra zahlen...
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