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1. Dezember 2011, 19:23 Uhr

Vollgas nach dem Jahr der Katastrophen

Die japanische Autoindustrie wurde von einer Katastrophen-Serie schwer getroffen. Doch untergegangen ist sie nicht. Im Gegenteil: Auf der Tokio Motor Show kann man zuschauen, wie die Industrie des Gastgeberlandes wieder Gas gibt. Von Frank Janßen, Tokio

Tokio Motor Show

Toyota will emotionalere Autzos bauen, das zeigt die Studie "T-Brain"© Yoshikazu Tsuno/AFP

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn fand leise Töne der Anteilnahme: "Ich habe größten Respekt für die Kraft und die Solidarität der Japaner während des Desasters im vergangenen Frühling", sagte er während einer kurzen Ansprache auf der Tokio Motor Show. "Die Geschwindigkeit, mit der die Produktion sich erholt hat, zeigt die Stärke dieser stolzen Industrienation." Das Lob kommt nicht von Ungefähr: VW profitiert von der starken japanischen Währung. Jeder in Japan verkaufte Wagen aus dem VW-Konzern spült mehr Geld nach Niedersachsen.

Mag sein, dass auch der Streit mit dem Noch-Partner Suzuki Winterkorn dazu bewogen hat, besonders freundlich zu klingen, um nicht noch mehr Zorn auf Volkswagen zu lenken. Doch das Wohlwollen des Chefs aus Wolfsburg war durchaus glaubhaft. Die japanische Autobranche rappelt sich sichtbar wieder auf. Sie ist allerdings nicht mehr so unbeschwert wie zuvor. Die Tokio Motor Show war bekannt für ihre spaßigen, intelligenten und manchmal sogar durchgeknallten Studien. Im Vergleich dazu geben sich die gastgebenden Hersteller auf der Messe 2011, die am kommenden Wochenende für das Publikum geöffnet wird, bodenständiger: Die Studien zeigen eine größere Nähe zur Serie; kleine, sparsame und umweltfreundliche Modelle stehen im Vordergrund.

Honda zeigt auf seinem gigantischen Stand mit 3150 Quadratmetern Fläche beispielsweise einen Elektroflitzer für junge Leute; außerdem erneuert der größte Motorenbauer der Welt, dessen Palette vom Außenborder bis zum Rasenmäher reicht, seine Minicars, das "härteste Segment im Heimatmarkt", wie Präsident Takanobu Ito sagte. Es ist offenbar nicht die Art der Japaner, lange zu lamentieren. Hondas Antwort auf den nuklearen Gau: Die Fabriken werden nach und nach mit Solarkraftwerken ausgestattet.

Tokio Motor Show

Emotionen zeigte auch Toyotachef Akio Toyoda© Toru Hanai/Reuter

Toyota, mit mehr als 40 Prozent Marktanteil der größte heimische Autobauer, zeigt ebenfalls den Weg in die Zukunft: Freilich macht auch Präsident Akio Toyoda keinen Hehl aus seiner Erschütterung: "Es gibt immer noch Menschen in den betroffenen Gebieten, die jeden Tag ohne Hoffnung für die Zukunft erleben." Doch für Resignation ist bei ihm keine Zeit. Am Ende seiner Präsentation wird er lauter und emotionaler als erwartet. Wie bei einer Wahlkampfrede reißt er die Zuhörer mit: "Wir werden uns weder aus der Tsunami-Region noch aus Thailand zurückziehen", ruft er dem Publikum zu, "Wir werden niemals aufgeben".

Die Reaktion des offenbar verdatterten Publikums kommt zunächst verzögert, aber dann umso heftiger: tosender Beifall. Dieser Auftritt entsprach überhaupt nicht dem Klischee vom zurückhaltenden Japaner. In einer kleinen Runde gab Toyoda am Rande der Tokio Motor Show später Auskunft über seinen Innenleben: "Ich liebe Autos. Aus meiner Arbeit schöpfe ich viel Kraft. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch." Trotz allem.

Von Frank Janßen, Tokio
 
 
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