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31. Mai 2010, 17:28 Uhr

Streit ums Energielabel im Autohaus

In Zukunft soll der Käufer sofort erkennen, wie effizient ein Auto mit der Energie umgeht. Der Vorschlag der Bundesregierung machte die dicksten Brummer zu Umweltengeln, nun gibt es einen Alternativvorschlag von Umweltverbänden. Von Gernot Kramper

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Ist der X6 active hybrid ebenso wie grün wie der Smart cdi?© David McNew/Getty Images

Gutes Auto – schlechtes Auto. Das soll der Verbraucher in Zukunft auf einen Blick erkennen können, denn für Autos wird es ein verpflichtendes Energielabel geben. Die Farben grün, gelb und rot signalisieren auf den ersten Blick die ökologische Wertigkeit des Fahrzeugs. Solchen Effizienz-Skalen begegnet man seit Jahren beim Besuch der Elektro-Großgeräte-Abteilung. So wie beim Kauf von Kühlschrank und Waschmaschine soll der Kunde auch im Autohaus einfach einen Vergleich der wichtigsten Kaufkriterien - Verbrauch und CO2-Ausstoß – anstellen können.

Die Masse macht es

Neben der Farbskala von grün, gelb, rot wird das Label 7 Energie-Effizienzstufen vorsehen - von A wie "sehr sparsam" bis G wie "wenig sparsam". Die Einordnung der Autos auf der Effizienz-Skala erfolgt beim im Mai vorgestellten Vorschlag der Bundesregierung allerdings nicht nur auf Basis der CO2-Emission, es wird außerdem die schiere Masse des Autos berücksichtigt. Damit sollen auch Wagen einer Klasse miteinander vergleichbar werden. Im Prinzip kann also ein "effizienter" SUV trotz eines erheblichen Mehrverbrauchs auf der Effizienz-Skala besser abschneiden als ein Kleinwagen.

Bereits dieser offenbar gewünschte Effekt zur Begünstigung der Wagen aus der Mittel- und Oberklasse muss die Kritiker auf den Plan rufen. Wenn aber allein die Masse zum Kriterium gemacht wird, hat man es sich zu leicht gemacht. Böse gesagt gilt dann: "Je dicker umso besser." Und dies gilt eben auch innerhalb von Fahrzeugklassen. Zu Recht wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Fortschritte im Motorenbau im Wesentlichen von mehr Gewicht und mehr PS aufgezehrt worden sind. Für diese Fehlentwicklung würde es dann eine energiepolitische Absolution geben. Eine der großen Herausforderungen heute ist es, Autos leichter zu bauen, ohne dass sie weniger sicher oder komfortabel sind. Wenn aber höheres Gewicht einen höheren Verbrauch rechtfertigt, werden ausgerechnet die rückständigsten Modelle ausgezeichnet.

Kleinwagen werden abegstraft

Das radikale gegenteilige Konzept "wenig Verbrauch ist gut, viel Verbrauch schlecht" überzeugt leider nur auf den ersten Blick. Die "guten" Noten werden hier von ökologischen Kleinstwagen belegt. Dieser Effekt mag noch erwünscht sein. Große Familienvans, Lieferwagen und normale Mittelklasse PKW können in einem solchen System nie eine Top-Position einnehmen. Das kann die Innovationsfreude hier hemmen, auf jeden Fall hilft das Label dem Käufer nicht weiter. Wenn er nach einem großen Minivan sucht, wird kein Modell am Markt mit einem grünen "A" punkten können. Wenn aber alle in Frage kommenden Fahrzeuge nur im roten Skalenbereich angesiedelt sind, steht zu befürchten, dass die Skala überhaupt nicht beachtet wird.

Das Anfang Mai vorgestellte Modell der Bundesregierung färbt die großen Wagen grün ein und obendrein haben es die leichten Kleinwagen hier besonders schwer. Nach Berechnungen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bekäme beim offiziellen Vorschlag ein BMW ActiveHybrid X6, der 231 Gramm CO2 je Kilometer ausstößt, ein C verliehen. Die gleiche Kennzeichnung bekäme auch der Smart cdi, das Serienauto mit dem derzeit niedrigsten CO2-Ausstoß von 86 g/km.

Der Verkehrsclub Deutschland, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) haben nun ein eigenes Modell für die Verbrauchskennzeichnung von Pkw vorgelegt – auch sie folgen der Einteilung in Fahrzeugklassen. Das Modell der Verbände orientiert sich an der EU-Vorgabe, ab 2012 den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Neuwagen auf 130 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. In dem Modell können nur Autos, die den spezifischen Grenzwert ihrer Klasse um 25 Prozent unterschreiten, ein A für die beste Einstufung erreichen. Außerdem plädieren die Umweltverbände für eine regelmäßige Verschärfung der Kriterien.

Ob die Vorgaben der Verbände in aller Schärfe übernommen werden sollten, kann diskutiert werden. Dem Modell der Regierung ist die Alternative auf jeden Fall vorzuziehen. Das Kriterium der schieren Masse diente allzu offensichtlich lediglich dazu, Oberklassenfahrzeugen und Geländewagen eine grüne Tarnkappe zu verleihen.

Von Gernot Kramper
 
 
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