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Schotten dicht für Auto-Stinker

Anfang Januar richten die ersten Städte in Deutschland Umweltzonen ein. stern.de sprach mit Ludwig Arentz, dem Koordinator für den Luftreinhalteplan der Stadt Köln.

Feinstaub, der vor allem aus winzigen Rußpartikeln aus dem Abgas von Dieselautos besteht, soll in Köln nicht länger die Luft belasten. In die City rein darf nur noch, wer eine von drei farbigen (grün = sauber, gelb = mittelmäßig, rot = geht gerade noch) Plaketten an der Windschutzscheibe kleben hat. Vorerst jedenfalls. Der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, dass ab 2010 ein Limit auch für das Lungenreizgas Stickstoffdioxid gilt. Das findet sich vor allem im Dieselabgas. Der Rußpartikelfilter, mit dem inzwischen viele Dieselautos ausgerüstet sind, hilft dagegen nicht. Benziner sind nicht betroffen, weil deren Katalysatoren das Gas weitgehend in harmlosen Stickstoff umwandeln. Steht also der Diesel in zwei Jahren vor dem Aus? stern.de-Interview mit Ludwig Arentz, dem Koordinator für den Luftreinhalteplan der Stadt Köln.

Wie belastet ist die Luft in Köln? Können Sie die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid einhalten oder geht es nicht ohne Umweltzone?

Die Luftqualität in Köln ist grenzwertig. Bereits heute wird in der Kölner Innenstadt der ab 2010 gültige Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid an allen sieben Messstellen überschritten. Wir beobachten da eine leichte Zunahme. Deshalb verzichten wir auf einen punktuellen Aktionsplan und richten stattdessen eine Umweltzone ein, die das gesamte linksrheinische Innenstadtgebiet und rechtsrheinisch Teile von Deutz und Mülheim umfasst. Der Feinstaubgrenzwert wurde allein am Clevischen Ring im Stadtteil Mülheim dieses Jahr an 53 Tagen überschritten, 35 sind aber nur zulässig. Der Feinstaubwert ist sehr stark von den meteorologischen Bedingungen abhängig.

Jetzt sieht es so aus, dass von 2010 an selbst modernere Diesel wegen des Stickstoffdioxid-Grenzwerts nicht mehr in die Citys dürfen. Die zulässigen Überschreitungen dieses Wertes werden von heute 18 Mal pro Jahr auf sieben Mal pro Jahr gesenkt. Was bedeutet das?

Dass Fahrzeuge mit roten Plaketten nicht mehr in die Umweltzone gelassen werden. Wir hoffen, dass diese Maßnahme zu umweltfreundlicheren Fahrzeugen führt.

Würden Sie auch zum äußersten Mittel greifen und die City für Dieselfahrzeuge tageweise dicht machen?

Da wir eher Probleme mit dem Jahresmittelwert haben, machen tageweise Maßnahmen wenig Sinn. Rechtsrheinisch läuft ein Pilotprojekt der Stadt mit einer umweltbasierten Ampelsteuerung. Wir erhoffen uns davon weniger Stau, weniger Stop-and-go-Verkehr und eine deutliche Schadstoffreduzierung. City-Sperrungen schließen wir derzeit aus.

Wird die Umweltzone von den Bürgern angenommen? Sind die Menschen bereit, für eine gesündere Luft auch mal das Auto stehen zu lassen oder auf ein saubereres umzusteigen?

Die Akzeptanz ist überraschend hoch. Die Menschen sehen darin keine Behinderung, sondern eine Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge. Und bei Kritikern, insbesondere Gewerbetreibende, kann man durch Erläuterung der Hintergründe mehr Akzeptanz erzielen. Mit Ausnahmeregelungen versuchen wir, eine Übergangshilfe zu schaffen.

Das Auto als Umweltfeind ist nicht neu. Was aber ist mit Industrie und Gewerbe? Was mit den Kraftwerken, die in großem Stil Feinstaub und Stickstoffdioxid aus den Kaminen jagen? Müssen die Autofahrer für andere Übeltäter mitbüßen, während diese ungeschoren bleiben?

Bei der Industrie sehe ich wenige Chancen. Dringend nötig wäre eine Regelung für Kleinfeuerungsanlagen. Die muss deutlich früher kommen als das derzeit diskutiert wird. Ferner wäre insbesondere für Köln eine Begrenzung der Emissionen von Binnenschiffen notwendig. Diese verursachen bei uns an rheinnahen Standorten einen erheblichen Beitrag zur Luftbelastung.

Im Dezember hat das EU-Parlament beschlossen, dass die Städte in der Europäischen Union frühestens ab 2012 mit Strafzahlungen bei Überschreitungen der Grenzwerte rechnen müssen. Heißt das, dass die Umweltzonen jetzt eigentlich zu früh kommen?

Nein im Gegenteil, nur wenn alle verhältnismäßigen und angemessenen Maßnahmen angewandt wurden, kann ein Aufschub in Anspruch genommen werden. Städte, die untätig bleiben, werden bereits vorher entsprechend abgemahnt. Wir werden also unser Maßnahmenprogramm wie vereinbart umsetzen und 2010 sehen, ob es reicht, dem Gesundheitsschutz der Kölnerinnen und Kölner gerecht zu werden.

Die Fragen stellte Dirk Vincken

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