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Sicher Radfahren ohne Helmzwang

Ganz ohne Helmpflicht ist die Zahl der getöteten Radfahrer 2013 trotz des Radbooms weiter gesunken. Die leidige Helmdiskussion muss beendet werden, denn sie macht die Opfer zu Schuldigen.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

  Radfahrverbände fordern sichere Radwege statt einer Phantomdiskussion

Radfahrverbände fordern sichere Radwege statt einer Phantomdiskussion

Glaubt man den Befürwortern der Helmpflicht, ist Fahrradfahren eine hochriskante Tätigkeit, die man nur mit spezieller Schutzkleidung überleben kann. Doch trotz des Fahrradbooms sank 2013 die Zahl der auf Fahrrädern tödlich Verunglückten auf 354 Menschen, das ist ein Rückgang von 12,8 Prozent in einem Jahr. 2012 waren es noch 406.

Jeder Tote ist ein Toter zu viel, aber in welchem Kontext steht die Zahl 354? Unfallopfer werden in Deutschland nicht jedes Jahr exakt erfasst. Doch für das Jahr 2011 hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Unfallzahlen zusammengestellt. Damals wurden 7868 Todesopfer durch Unfälle bei häuslichen Tätigkeiten und 7796 Tote bei Freizeitaktivitäten gezählt. Arbeits- und Verkehrsunfälle wurden gesondert berechnet. Im Vergleich zum Fahrrad mit 354 Toten wird die Wohnung zur Todesfalle. Ein besonderer Eifer des Gesetzgebers für das Thema Radfahren lässt sich aus den Zahlen nicht herleiten. Im Gegenteil: Geht man nach der Statistik, wäre es dringlicher, Schutzkleidung für Dusche und Küche zu verordnen.

Helm wirkt keine Wunder

Der Rückgang von 12,8 Prozent in einem Jahr ist jedenfalls beachtlich - ganz ohne Helmpflicht. Laut dem Mobilitätspanel Deutschland von 2011 erreicht der Radverkehr einen Anteil von 14,5 Prozent am Gesamtverkehr. Gemessen an der Zahl der Verkehrstoten insgesamt (3290 für 2013) sind die Radfahrer zu ihrem Glück sogar leicht unterrepräsentiert.

Nur ein kleiner Teil der Radtoten könnte durch einen Helm gerettet werden. Der Helm schützt letztlich nur den Kopf, und auch den nur vor mäßiger Gewalteinwirkung. Wer von einem Lkw beim Rechtsabbiegen übersehen wird, den nützt ein Helm nichts mehr. Aber auch wer mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h mit dem Kopf gegen einen Mast prallt, wird aller Voraussicht nach sterben, weil das Genick der Belastung nicht standhalten kann. Die Sicherheit, die ein Auto mit einer Handvoll Airbags, mit Sicherheitszelle und Knautschzone schafft, wird es mit einem Helm nicht ansatzweise geben können.

Meist sind Autofahrer schuld

Ärgerlich ist, dass die Helmdiskussion das Problem der Sicherheit einseitig auf den Radfahrer verlagert. Denn meist sind die Radfahrer schuldlos an ihrem Tod, auch wenn in dem Text einer Nachrichtenagentur das Verhältnis umgekehrt wird. Dort schreibt man autofreundlich: "Rund 45 Prozent der schweren Unfälle verursachen die Radler selbst."

Politische Aufgabe wäre es, dafür zu sorgen, dass die Radwege aus dem Zustand der Flickschusterei herausgehoben werden. Etwa indem Kreuzungen sicher passiert werden können, weil Radfahrer vor dem ersten Autofahrer stehen und nicht im toten Winkel eines Lkws. Neben die Entschärfung der Gefahrenstellen muss die Verkehrserziehung der Radfahrer treten.

Denn neben der Unachtsamkeit der Autofahrer bringt diese die eigene Verachtung der Verkehrsregeln ins Grab: Bei 22 Prozent der tödlichen Unglücke fuhren die Radler auf der falschen Straßenseite. Die Kamikazefahrer an der Ampel sind bei der Zahl nicht mal dabei.

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