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So funktioniert der Schummel-Motor für Radrennfahrer

Eine Sportlerin wurde beim Motor-Doping erwischt. Für Profis ist das streng verboten, aber Amateure dürfen sich die unsichtbare Leistungsspritze gönnen.

  Die Kraft des Motors setzt direkt auf der Welle an. 

Die Kraft des Motors setzt direkt auf der Welle an. 

Anfang Februar gab es den ersten Fall von Motor-Doping im Radsport. Bei den Cyclocross World Championships wurde ein Rad mit verstecktem Motor entdeckt. Das modifizierte Bike wurde bei den Teamrädern der Belgierin Femke Van den Driessche gefunden. Die beteuert allerdings ihre Unschuld. Sie sagt, das Rad habe nicht ihr gehört. Es soll sich um ein älteres Rad handeln, dass sie einem Mechaniker geschenkt habe. Benutzt wurde das Rad im Wettbewerb ohnehin nicht.

Warum eigentlich nicht?

Für Profis ist diese Art von Motor-Doping natürlich streng verboten, bei Laien spricht allerdings nichts dagegen, sich ein wenig Unterstützung zu gönnen. Bei den herkömmlichen E-Motoren von Bosch, Derby oder Yamaha sieht jeder sofort den Eingriff. Die aktuellen Mittelmotoren sind so groß wie eine Bowlingkugel und thronen fett vor dem Tretlager. Dazu kommt noch ein Akku, gegen den eine XXL-Flasche Cola zierlich wirkt. 

Motor im Rahmen: Belgierin Femke van den Driessche bei der Cross-WM in Zolder

Betrug im Radsport: Die mit einem im Rahmen versteckten Hilfsmotor erwischte Belgierin Femke van den Driessche bestreitet, davon gewusst zu haben


Unsichtbar geht anders. Heimlichtuern und Fahrradästheten fällt es schwer, solche Teile an einen zierlichen Rahmen zu bauen. Für sie gibt es Nachrüstmotoren wie den Vivax Assist. Dieser Motor wird einfach im Rahmen und zwar im Sattelrohr versteckt. Seine Kraft setzt direkt an der Kurbelwelle an. Von außen ist die Kraftkur nicht zu erkennen.

Deutliche Leistungssteigerung mit Vivax Assis

Der kleine Motor leitest immerhin 200 Watt und 14 Newtonmeter. Ein sattes Plus, dass einen mittelprächtigen Amateur, der selbst 250 Watt leisten kann,  in die Gruppe der Top-Fahrer katapultiert. Das sind Athleten, die eine Dauerleistung von 420 Watt und mehr auf die Pedale stemmen. Den Akku zum Motor kann man entweder in der Satteltasche oder in einer Trinkflasche verstecken und schon lässt man auf der Trainingsrunde alle anderen Freizeitsportler hinter sich. Zumindest solange man "vergisst" den Motor auf 25 km/h zu drosseln, so wie es der Gesetzgeber verlangt. Der Motor passt auf Rahmen, deren Sattlerohr einen Innendurchmesser von 30,9 oder 31,6 Millimeter aufweist und deren Tretlager die richtigen Maße für die verbreiteten Hollowtech-II-Lager hat. 

Der kleine Akku soll bei voller Leistung Kraft für eine Stunde speichern, der größere für 90 Minuten. Mit kleinem Akku  wiegt das ganze System nur 1,8 Kilogramm. Es lässt sich also ein Renner mit einem Gewicht von unter zehn Kilogramm aufbauen. Billig ist der Spaß allerdings nicht, ein Nachrüstset kostet mindestens 2700 Euro. Dafür gibt es auch schon ein komplettes E-Bike. Beliebt sind diese Motoren nicht nur bei notorischen Schummlern, sie erlauben es auch unsportlichen Fahrer eine Trainingsrunde zu begleiten.

Wer einen derartigen Motor allerdings vollkommen entdeckungssicher tarnen will, benötig einen spezielle angefertigten Akku, der ebenfalls im Rahmen versteckt werden kann. Mit einer verkabelten Satteltasche würde man auf einem Wettbewerb doch auffallen. 


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