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25. August 2008, 11:51 Uhr

Preisverfall und Aktionismus

Riesige Halden von Ladenhütern, Händler vor dem Ruin - der US-Automobilindustrie geht es so schlecht wie noch nie in ihrer Geschichte. In einer dreiteiligen Serie analysiert stern.de-Autor Helmut Werb die Auswirkungen der Dauerkrise, die auch Deutschland treffen werden.

US-Automarkt in der Krise, der Boom der spritschluckenden SUV ist vorbei© Helmut Werb

Seit die Benzinpreise in den bis dato autovernarrten USA in Höhen gerückt sind, die für Amerikaner bislang undenkbar waren, verändert sich die Einstellung der US-Verbraucher zu ihrem bislang liebsten Spielzeug, dem Automobil - und damit auch ihr Kaufverhalten. Der Boom der spritschluckenden SUVs ist bei Preisen von vier Dollar pro Gallone (etwa 0,80 Euro pro Liter) vorbei, doch die Folgen der Dauerkrise drohen die Szenerie auf dem amerikanischen Automarkt dauerhaft zu verändern. Und wer denkt, dass uns in Deutschland sowas kalt lassen kann, ist sich der globalen Vernetzung der amerikanischen Auto-Konzerne nicht bewusst.

Die Vorstände der US-Automobilhersteller müssen sich vorkommen wie der Kapitän eines riesigen Öltankers, der auf offener See eine Vollbremsung versucht - sowas geht nicht mal eben auf die Schnelle. Lange Produktionsvorläufe bescherten den Autohändlern von Miami bis Los Angeles schwer verkäufliche Halden von bislang erfolgreichen Modellen wie dem Ford Explorer, vor kurzem noch das meistverkaufteste Sports Utility Vehicle der Geschichte. Im Juli dieses Jahres konnte Ford von seinem ehemaligen Bestseller gerade mal 5404 Stück absetzen. Den Konkurrenten General Motors und Chrysler geht es nicht besser. Im Juli hatten die GM-Händler einen Bestand ihrer einst beliebten Yukon/Suburban-Modelle auf Halde, der für 174 Tage ausreichte, deutlich höher als die normalen 92-Tage-Bestände noch vor einem Jahr.

Vor kurzem noch das meistverkaufte SUV der Geschichte: der Ford Explorer© Helmut Werb

Händler stehen vor dem Ruin

Viele Händler stehen vor dem Ruin, besonders in ländlichen Gegenden, wo bisher die meisten Trucks und SUVs verkauft wurden, und bieten ungeheure Rabatte, zusätzlich zu den generösen Discounts, die von den Herstellern angeboten werden. "Wir kriegen die Dinger einfach nicht mehr vom Hof", klagte ein Verkäufer von Buerge, einem der grössten Ford- und Chrysler-Händler in Los Angeles. "Wir werden für 2009 erst mal nichts bestellen", sagte ein Chevrolet Händler im US-Bundesstaat Illinois.

Sowas kostet richtig Geld. General Motors musste aufgrund der fallenden Preise 716 Millionen Dollar Verlust auf seinen schwer verkäuflichen Fahrzeugbestand abschreiben. Es kommt noch schlimmer. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind große Autos nicht mehr loszuschlagen. Das bedeutet: Die Hersteller müssen hohe Verluste bei ihren Leasing-Fahrzeugen - in den USA über die Hälfte des Marktes - einstecken, denn Leasing-Raten werden auf der Differenz aus Neuwagenpreis und Wiederverkaufswert berechnet. Fällt der Wiederverkaufswert, bricht das Kartenhaus zusammen. Chrysler hat als Erster die Notbremse gezogen und sich seit dem 1. August 2008 gänzlich aus dem Leasing-Geschäft zurückgezogen. Und Ford schrieb atemberaubende 2,1 Milliarden Dollar Verlust aus dem Leasing-Geschäft ab. General Motors steckte 1,5 Milliarden Dollar in Leasing-Unterstützungszahlungen weg.

Kleinwagen verzeichnen grosse Erfolge

Das hat - man sollte es nicht glauben - auch seine guten Seiten für den Konsumenten. Ein persönliches Beispiel: Ich fuhr einen Jeep Cherokee in der SRT-8 Sportversion, ein wirklich gutes Fahrzeug mit superben Fahrwerten und in absoluter Vollausstattung, in den USA locker "christmas tree" genannt, inklusive Navigation, Ledersportsitzen, DVD-Spieler und teuersten Felgen, allerdings auch mit Verbrauchswerten von über 20 Liter auf 100 Kilometern gebeutelt, ein Auto, das per Listenpreis nicht einmal 48.000 Dollar kostet. Ich besuchte damit mehrere Händler in Los Angeles, und fragte, wieviel ich denn für einen gleichwertigen SRT-8 hinlegen müsste - das beste Angebot lag bei 35.000 Dollar Neupreis von einem Händler in einem Vorort von Los Angeles. Beim heutigen Umrechnungskurs also runde 24.000 Euro! Da kann man schon den einen oder anderen Tank vollmachen.

Die amerikanischen Hersteller versuchen indes verzweifelt, die Verluste durch eine schleunigst überarbeitete Modellpolitik zu korrigieren. Ford scheint im Augenblick die Nase vorn zu haben. Der Ford Edge, ein äußerst gelungen designter Crossover, entwickelt sich langsam zum Hit, der Flex, ein futuristischer Minivan hat beeindruckende Vorbestellungen. Auch General Motors sieht ein wenig Land, das neue Malibu verkauft sich ordentlich, vor allem seit die US-Modelle neuerdings mit Vierzylindermotoren und Vollausstattung angeboten werden, eine Kombination, die bislang gar nicht angeboten wurde. Die grossen Erfolge verzeichnen aber die Kleinwagen, wie der Ford Focus oder der Chevy Aveo, die von den europäischen und asiatischen Tochterfirmen entwickelt und zumTeil auch gebaut werden.

Helmut Werb, Los Angeles

Lesen Sie am Mittwoch im nächsten Teil der Serie, mit welchen Strategien die Automobilkonzerne der Krise begegnen wollen - und warum der Opel Astra zum Retter von General Motors werden könnte

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Eisenbaer (26.08.2008, 19:27 Uhr)
@Molch66
Warum wollen Sie denn 25.000.- Euro für einen Golf bezahlen? Müssen Sie wirklich GTI fahren oder reicht nicht ein normaler Golf für knapp 17.000.- als Viertürer? Und wenn man mit dem Verkäufer nett redet, kann man ihn meistens auch schon für knappe 16.000.- sowie einem Satz Fußmatten mitnehmen... ;-))
107Summer (26.08.2008, 15:11 Uhr)
Tja
Das hat man nun davon: SUVs und Co. sind nichts anderes als veredelter Schrott! Die Dinger will doch kein normal denkender Mensch mehr kaufen, auf dem Gebrauchwaagenmarkt wird man diese Tonnen noch verschenken müssen. Die Zeiten ändern sich, wer sich nicht anpasst wird hinweg gespült werden. Dies gilt insbesondere für unsere ewig gestrige Autoindustrie.
Der neue Golf 6 soll bis 1,5 Tonnen wiegen, geht's noch? noch ganz sauber oben in der Birne? Gewicht will bewegt werden, das kostet Kraft bzw. Energie.
Ne ne, so wird das nichts. Meiner einer wirft schon mal einen vorsichtigen Blick Richtung Mazda 2.
laeppe (26.08.2008, 14:34 Uhr)
Keine Schadenfreude
In kurzer Zeit werden hier auch Veränderungen stattfinden.
Nur die die wirklich nicht aufs Geld
schaun müssen werden noch mit SUVs
oder Porsches und großen Mercedes
und BMWs durch die Gegend schaukeln. Die haben dann allerdings das Problem als Umweltsau geoutet zu werden. Keiner braucht doch diese Kisten. Ein Tempolimit wäre schon längst fällig.
kaisergarten (26.08.2008, 11:20 Uhr)
Scheideweg.
Die dt. Autoindustrie steht an einem Scheideweg, der entscheidend für Ihr Überleben in den nächsten 10 Jahren sein wird.
Neue teure Entwicklungen bei den Motoren stehen an - folgt man hier dem falschen Trend kann das schnell das Ende bedeuten.
Sollten steuerliche Vergünstigungen für Dienstwagen wegfallen kommt die Automobilindustrie hierzulande schon in den nächsten Jahren heftig ins schlingern. Also Herr Gabriel vorsichtig sein mit solchen Forderungen und nicht nur an den bösen Vorstandschef denken sondern an die zig tausend Arbeiter.
Molch66 (26.08.2008, 11:08 Uhr)
Deutschland wird als nächstes betroffen sein
Was hat man in Deutschland mit dem Finger auf die Amis gezeigt - und tut es heute immernoch: "Schau mal wie doof die sind! Ist doch klar, dass sie diese riesigen Dinger nicht mehr verkauft bekommen!"

Wir sind von einer ähnlichen Marktentwicklung nicht mehr weit entfernt - wer kann sich die großen Kisten denn noch leisten? Wer kann sich denn überhaupt noch einen neuen Golf leisten - per definitionem DER VOLKSWAGEN?? 25.000.- Euro für Otto-Normalverbraucher - das will ich sehen. Nicht umsonst drängen immer mehr Japaner auf den deutschen Markt und verdrängen VW & Co, weil sie ordentliche Autos für ordentliches Geld anbieten.

Nochwas: Wieso kostet ein neuer VW Golf in gleicher Ausstattung bei uns 25.000.- Euro, in den Staaten aber umgerechnet ca. 18.000.- Euro - inclusive Umbau und Verschiffung!!!

Wir sind nicht mehr weit von der amerikanischen Automobilkrise entfernt. Seit Jahren geben Automobilhersteller vor, an Alternativantrieben zu arbeiten. Pläne für solche Antriebe gibt es seit den 70er Jahren - seit mehr als 30 Jahren ist also nichts passiert! Und solange der gemeine Deutsche dumm genug ist, weiterhin völlig überteuerte Autos mit völlig überteuertem Sprit zu fahren (btw, die Hersteller verdienen alle in der OPEC ihren Anteil mit), wird sich nichts ändern. Bis der Crash kommt. Kein ökologisches Auto an den Start bekommen (Strom, Wasser, Solar o.ä.). aber ins All fliegen. Das passt nicht.
tagora-sagittara (25.08.2008, 23:30 Uhr)
tja,... nun!!
vor Monaten habe ich gewusst das die Tage diese Boliden der ökologischen und ökonomischen Unvernunft gezählt sind.... Schmäh habe ich im Forum erhalten.
Ich bleib dabei,... diese Dinger sind ruinöse Saufboliden, die am Ende des Fließbands eingeschmolzen gehören,... und sagt den Entwicklern endlich, daß gegen den Trend und Ökonomie tausende Arbeitsplätze kostet.
Wennse das nicht kapieren,... schickt se auf die ARGE,... und fertig!!
Da drußen warten tausend kluge Köpfe die diese bornierten Deppen gerne ablösen!!
Eisenbaer (25.08.2008, 22:48 Uhr)
So kann´s gehen...
...erst sollten die europäischen Niederlassungen gegen den großen Widerstand der Betroffenen geschlossen oder doch bis auf wenige zusammengelegt werden und nun erweisen sich gerade diese als Retter in größter Not.

Tja und was lernen wir aus der Geschichte: wer immer nur nach dem schnellen Geld schielt und nur in der Gegenwart lebt, sollte sich ein paar ernsthafte Gedanken machen, ob er denn mit dieser Einstellung (noch) eine Zukunft besitzt.
feingold (25.08.2008, 22:00 Uhr)
Wenigstens keine Druckerschwärze
Glücklicherweise verplempert man bei Stern.de nicht auch noch Druckerschwärze für solche Artikel.
Wenn ich schon lese "der meistverkaufteste SUV....", dementsprechend auch der Artikel, maximal-ste Zeilenzahl mit minimal-ster Aussage
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