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9. Februar 2012, 13:13 Uhr

Ramsauer, der Punkte-Jongleur

Das Flensburger Punktesystem soll völlig umgebaut werden. Nur noch 8 statt 18 Punkte dürfen Verkehrssünder nach Vorstellungen von Minister Ramsauer künftig sammeln. Andererseits werden viele Verstöße mit weniger Punkten bestraft.

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Punkte, die keiner will: Akten im Verkehrszentralregister in Flensburg© Carsten Rehder/DPA

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die Flensburger Verkehrssünderdatei drastisch vereinfachen. Künftig soll es weniger Punkte für Vergehen geben, gleichzeitig aber die Grenze für den Verlust des Führerscheins von 18 auf acht Punkten gesenkt werden, sagte Ramsauer im ZDF-"Morgenmagazin". Bis Ende Februar will der Minister entscheiden, was mit bereits gesammelten Sünder-Punkten geschieht.

Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg führt die Verkehrssünderdatei, in der die durch Vergehen im Straßenverkehr gesammelten Punkte gespeichert werden. Bereits im 2009 geschlossenen Koalitionsvertrag hatten Union und FDP vereinbart, das Punktesystem zu reformieren. Die rechtlichen Grundlagen dafür sollen nun bis spätestens kommendes Jahr gelegt werden. Wann die Änderungen in Kraft treten, steht nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums aber noch nicht fest.

Ramsauer sagte im ZDF, er werde Ende Februar seine Vorschläge für Änderungen im Detail vorstellen. Das bisherige System sei derartig kompliziert geworden, dass niemand mehr richtig durchblicke. "Ich will das einfacher machen, transparenter machen." Dazu sollen einzelne Vergehen anders sanktioniert werden: Wo es bisher etwa drei Punkte für ein Vergehen gebe, soll es künftig nur noch ein Punkt sein. "Das heißt, das Ganze wird gestaucht, geschrumpft und acht Punkte werden im Grunde genommen dann nicht strenger gehandhabt, als das bei 18 der Fall war."

Aus drei mach eins

Berichten der "Bild"-Zeitung und "Autobild" zufolge soll es in Zukunft einen Punkt für alle Vergehen geben, die bisher mit einem bis drei Punkten sanktioniert werden. Dazu gehören etwa Verstöße wie Geschwindigkeitsüberschreitungen um 21 Stundenkilometer in geschlossenen Ortschaften.

Für alle Vergehen, die bisher mit drei bis sieben Punkten bestraft werden, soll es künftig dem Bericht zufolge pauschal zwei Punkte geben. Dazu zählten etwa schwerwiegende Ordnungswidrigkeiten wie das Überfahren einer roten Ampel oder Drängeln. Bei Straftaten wie Trunkenheitsfahrten soll der Führerschein nach wie vor direkt abgenommen werden.

Laut "Bild" sollen im Zuge der Reform außerdem die Geldstrafen für Verkehrsgefährdungen noch einmal drastisch erhöht werden. Hier stimme Ramsauer derzeit die Details mit dem Bundesjustizministerium ab. Gleichzeitig sollen für Ordnungswidrigkeiten, die für die Verkehrssicherheit belanglos sind, keine Punkte mehr in Flensburg eingetragen werden. Dazu zählten etwa Verstöße gegen Umweltzonen. Laut Ramsauer ist noch nicht klar, was mit den in Flensburg registrierten 47 Millionen "Altpunkten" wird. Auch dies wolle er in den kommenden zwei Wochen klären.

Polizeigewerkschaft warnt vor Schnellschüssen

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, warnte Ramsauer vor Schnellschüssen im nun beginnenden Gesetzgebungsverfahren. "Eine wirksame Verbesserung der Verkehrssicherheit wird nicht dadurch erreicht, dass ein funktionierendes und in der Bevölkerung akzeptiertes System auf den Kopf gestellt wird", erklärte Witthaut. Grundsätzlich sei es aber nicht falsch, dass System zu überprüfen.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Anton Hofreiter kritisierte im Sender N24, dass Ramsauer seine Pläne nicht mit dem zuständigen Bundestagsausschuss abgestimmt habe. Der Auto Club Europa (ACE) bemängelte, es sei zu befürchten, dass die Reform für die Betroffenen kein Mehr an Transparenz bringe.

jwi/AFP/DPA
 
 
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