Murat Günak, der Aufpolierer

27. September 2004, 10:35 Uhr

Altbacken, muffig und wenig innovativ. Optisch verkauft VW viele Fahrzeuge unter Wert. Nun soll Chef-Designer Murat Günak das in die Jahre gekommene Image wieder aufpolieren.

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Murat Günak neben dem Concept R©

Realismus und Vision, Vernunft und Leidenschaft - für Murat Günak sind das keine Widersprüche. Wenn der 47-jährige Chefdesigner bei Europas größtem Autobauer Volkswagen über seinen Job spricht, dann blitzen seine braunen Augen. Worte wie Magie und Sinnlichkeit fallen. Von Begierde spricht er und von Seele. Aber gleichzeitig sagt er ganz pragmatisch: "Designer sind keine Künstler. Und Autos sind keine Kunstwerke, sondern Gebrauchsgegenstände."

Murat Günak soll mit seinen rund 50 Mitstreitern das in die Jahre gekommene Image der Marke VW wieder aufpolieren. Für ihn hat das nichts Romantisches und noch weniger geht es ihm darum, zu den alten Formen zurückzukehren. Von der so genannten Retro-Welle hält der VW-Chefdesigner nichts. Nicht zurück zum Käfer oder zum VW-Bus, ist seine Devise. "Unsere Marke schaut nach vorne", sagt der Deutsch- Türke.

VW-Chefdesigner Murat Günak im CarDesignStudio in Wolfsburg©

Kampf um die Köpfe

Unter den Autobauern hat seit längerem ein heftiger Wettbewerb um die kreativsten Köpfe unter den Designern begonnen. "Der Volkswagen- Konzern beschäftigt mittlerweile zwei der drei besten Designer in Europa", frohlockte VW-Chef Bernd Pischetsrieder, als Günak am 1. Januar dieses Jahres die Leitung des Konzern-Designs übernahm.

Nachdem technisch bei allen Herstellern ein hoher Standard erreicht wurde, ist die Form aus Günaks Sicht immer wichtiger geworden, um sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden. Der Sparkurs, der angesichts der Krise auf dem Automarkt auch bei VW Einzug gehalten hat, beeinträchtigt das Geschäft der Kreativen dabei nicht, meint der 47-Jährige.

Der in Istanbul als Sohn eines Arztes geborene Designer kam mit 16 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte er Design an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel und machte seinen Abschluss als Bühnenbildner. Mit einem Stipendium von Ford wurde er am renommierten Royal College of Art in London "Master of Automotive Design". Sein Können bewies er anschließend bei unterschiedlichen Arbeitgebern: Bei Peugeot entwarf er das sehr erfolgreiche Cabrio Peugeot 206 CC, bei Mercedes den Supersportwagen SLR. Nun soll Volkswagen ein neues Gesicht bekommen, um der Marke frischen Schwung zu bringen.

Wahnsinnsmagie aus Wolfsburg

"Speziell die Marke Volkswagen hat eine Wahnsinnsmagie", meint Günak. Sie könne immer noch Träume wecken, Emotionen und Begierde. Diese Magie zu beleben - darin sieht Günak seine Hauptaufgabe.

Zum Beispiel beim Golf, der seit 30 Jahren das erfolgreichste Auto in ganz Europa ist. Der Golf sei eine "Ikone" und Inbegriff für eine ganze Generation, findet Günak. Doch auch der Zeitgeist will bei der Weiterentwicklung des Modells berücksichtigt werden. Bis zur Serienreife dauert es etwa zehn Jahre, rund drei Jahre vor Markteinführung ist das Design fertig. Bei so viel Vorlauf ist "vorausschauende Inspiration" beim Entwurf des Autodesigns gefragt.

Schon kurz nach der Produkteinführung beginnt daher die Weiterentwicklung der Marke. Murat Günak betont aber, es sei keineswegs so, dass der Golf VI auf dem Golf V aufbauen werde. Da gibt es nach seinen Worten "viele Zwischenschritte" und Konzeptautos, die nie auf die Straße kommen. Wie der nächste Golf VI aussehen wird - da lässt sich der Chefdesigner nichts entlocken. Aber generell gilt für ihn: "Wir wollen wieder mehr Emotionalität, Leidenschaft und Seele für die Marke VW."

Von Eva Tasche, DPA

 
 
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