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13. Oktober 2008, 13:51 Uhr

Ein Kleinbus für die ganze Welt

Der VW Bulli ist Kult. Ob als Friedensmobil in der Hippizeit oder später als Wohnungsersatz für Surfer: Auf der ganzen Welt schätzt man den Kleinbus aus Wolfsburg. Ein Bildband schaut jetzt tief in die Seelen der Bullibesitzer.

Das post-koloniale Friedensgefährt durchquert die Welt© Verlag

Simon Holloway wurde auf dem Rücksitz eines VW Käfers gezeugt. Abgesehen davon, dass es eine durchaus sportliche Leistung war, bekam Simon das VW – Gen mit der Zeugung sozusagen in die Wiege gelegt. Simon ist Brite und ohne ihn und seine VW Leidenschaft wäre die Insel um einen exklusiven Club und ein bedeutendes Ereignis ärmer: Einmal im Jahr veranstaltet Mister Holloway "das" Vanfest am Fuße der Malvern Hills in der Grafschaft Worcestershire. Über 3000 Camper, angerückt mit 18.000 Campingfreunden auf plüschigen Einbausitzen, feiern sich und vor allem ihre VW-Camper. Die Betonung liegt auf VW, denn kein anderer Campingbus hat auf den britischen Inseln den Kultstatus erreicht, den der VW- Bulli und seine Nachfolgemodelle T2 bis T5 besitzen.

Mit dem Bildband "Mit dem Bulli durch die Welt" haben David und Cee Eccles, Bulli-Fahrer, Lehrer und Weltreisende dem knuddeligen VW-Bus ein Denkmal gesetzt. Auf 175 Seiten mit unzähligen Fotos und abenteuerlichen Reisegeschichten illustriert das Buch britische Skurrilität. Erstaunlich ist die Hingabe, mit der der deutsche VW Bulli auf der Insel adoptiert wurde. Obwohl der Bulli ursprünglich aus einem Erbe des so genannten "Dritten Reiches" hervorgegangen ist, sind in dem Buch weder Naziverweise, noch Teutonenwitze zu finden. Hingabe, Stolz und Liebe zu seinem Camper kennzeichnen den Fan des Urtypen aus dem Volkswagenwerk.

Entstanden ist das vielseitige Modell eher zufällig, Die VW Arbeiter hatten sich auf einem Käfer Chassis mit Käfer Motor eine Art Transportpritsche für Werkzeugfahrten innerhalb des Werkes konstruiert. Ben Pon, holländischer Autohändler, entdeckte bei einem Werksbesuch das kreative Potential und fertigte eine rudimentäre Skizze von einem geschlossenen Bulli. Der Motor blieb, wie beim Käfer, hinten, aber der Fahrer wurde, anders als bei der Transportkiste, nach vorne gesetzt. Die Ladefläche, ursprünglich vor der Fahrerkabine gelegen, nach hinten verlegt.

Da das Werk noch in den Anfängen der Produktion steckte, wurde die Entwicklung zurückgestellt. Heinz Nordhoff, der das VW Werk 1949 von den Engländern als Geschäftsführer übernahm, schickte den Bulli aufs Fließband. Nordhoff hatte von Anfang an den Plan, den Bulli als "Variant", als Serie von Transporter Modellen zu entwickeln. So bekam der Bulli herausnehmbare Sitzreihen und das berühmte Sambamodell mit zusätzlichen acht Fensterluken im Dach rollte vom Band. Fünf Jahre später, 1955, brachte die Firma Westfalia den ersten vollausgestatteten Camper auf den Markt, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit VW, die bis zum Jahre 2004 reichen sollte. Westfalia war damals so innovativ, dass man die Inneneinrichtung herausnehmen - und als Gästebett im trauten Heim aufstellen konnte.

Bullifahrer verlangen nicht nach einem Allinclusive-Ressort© Verlag

Der erste Frontmotor des T4 im Jahre 1992 war ein Schock für die traditionsbewussten Briten. Lange überlegte man, ob man diesen modernen Schnickschnack überhaupt zu den "Van"-Festen zulassen könne. War doch die Umstellung vom luftgekühlten Motor zu der Wasserkühlung im Jahre 1983 schon shocking! Ohne den blubbernden Akzent blieb der Camper ein Außenseiter, der nur nach und nach in der Bulligemeinde akzeptiert wurde. Viele der Bulli Leidenschaften sind, wie bei Simon Holloway, vom Vater auf den Sohn übergegangen. In seltenen Fällen passiert das auch mit dem Bulli selbst, in der bulliverrückten Welt allerdings nur, wenn der Vater eines vorzeitigen Todes stirbt, wie Raymond Ward.

Sohn Allan Wards Erbe, ein T3 Bulli, war vorher bereits testamentarisch festgelegt worden. Die lange Krankheit des Vaters verdonnerte das geliebte Familienerbstück zu zwanzig Jahren Garagenhaft. Als Allan sein Erbe endlich antreten konnte, waren die Bremsen festgefressen und der Motor drehte nicht. Etwas Rock n´Roll, also vor- und rückschaukeln und ein wenig Öl lockerten die Bremsen und die Riemenscheibe des Motors wurde von Hand gedreht. Eine neue Batterie und der Motor lief mit 20 Jahre altem Benzin auf Anhieb! So etwas kann nur ein VW!

Mit dem Bulli durch die Welt: Der VW-Bus und seine Fans

Mit dem Bulli durch die Welt: Der VW-Bus und seine Fans Von David Eccles und Cee Eccles
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Delius Klasing
Preis: EUR 26,00

Marina Kramper
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
dobi (14.10.2008, 16:38 Uhr)
Alles schöne Erinnerungen -
da der Volkswagen-Konzern in der ihm eigenen Logik den weltweiten Markt der bezahlbaren Kleintransporter - besonders in der Dritten Welt - den Japanern und Koreanern überlassen hat!
susiwolf (14.10.2008, 09:03 Uhr)
Lebensphasen....
....Es gibt sie ja bekanntlich.
Eine positive Phase war tatsächlich mit dem Bulli (Camping/Hochdach) ... 2 Erwachsene und 3 Kindern bis nach Barcelona. Leider ging das Geld für die Überfahrt nach Mallorca aus. Die Pyrenäen wurden im April bei Schneetreiben und Sommerreifen durch das Gesamtgewicht und den Heckantrieb gemeistert. Der Benzinverbrauch war eklatant - die Umwelt-'Abgabe' auch.
Aber: Eine positive Lebensphase, eine schöne Erinnerung...nach Jahrzehnten.
Der Bulli: Orangefarben und vielseitig einsetzbar. Und heute...?
gmathol (14.10.2008, 01:50 Uhr)
Speziell der Oelverlust...
...bei diesem Kultfahrzeug hat zur Vergiftung von Trillionen Kubikmetern von Wasser gesorgt.
Die meisten dieser Kultfahrzeuge sind nach 30 Jahren in einem erbaermlichen Zustand und Abgasentgiftung brauchts ja auch nicht.
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