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22. November 2008, 20:22 Uhr
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Mit Vollgas ins Chaos

Die Deutschen lernen es einfach nicht. Der Wintereinbruch hat mal wieder viele Autofahrer überrascht. Falsche Bereifung und unverantwortliche Geschwindigkeiten haben zu zahlreichen Unfällen geführt. Dabei helfen einige Tipps, das Schlimmste zu vermeiden.

Ein typisches Bild: Die Traktion reicht nicht aus, die Steigung zu bewältigen, dennoch glauben die Fahrer, weiter fahren zu dürfen© Thomas Wieck/DDP

Schnee und Eis haben in vielen Teilen Deutschlands den Verkehr behindert und zu zahlreichen Unfällen geführt. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. Schneefälle hatten zu chaotischen Verhältnissen auf den Autobahnen rund um Dresden geführt: Auf dem vier Kilometer langen Abschnitt der A4 zwischen Dresden- Hellerau und Dresden-Neustadt standen zahlreiche Lastwagen quer. Die Autobahn war zeitweise voll gesperrt. Die Polizei registrierte viele Unfälle. "Zu hohe Geschwindigkeit auf glatter Fahrbahn war häufig die Ursache", sagte eine Sprecherin der Autobahnpolizei.

Richtige Reifen wichtig

Wie jedes Jahr traf der Wintereinbruch viele Autofahrer gänzlich unvorbereitet. Viele Fahrer verzichten trotz der geänderten Rechtslage immer noch auf Winterreifen, oder lassen sie erst nach den ersten Schneefällen aufziehen. Besonders erschreckend: Auch Berufskraftfahrer und Lkw-Fahrer machen bei diesem sträflichen Leichtsinn mit. Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme sind tatsächlich geeignete Reifen. Für den Winter geeignete Ganzjahresreifen haben in den letzten Jahren an Leistung zugelegt, dennoch sind richtige Winterreifen am ehesten zu empfehlen. Tests zeigen nach wie vor große Unterschiede zwischen den Modellen, vor Billigangeboten von No-Name-Anbietern muss generell abgeraten werden. Wichtig aber auch: Reifen verlieren ihre Eigenschaften mit dem Alter. Auch wenn wenig gefahrene alte Winterreifen noch "gut" aussehen, sollten sie vom Fachbetrieb begutachtet werden. Gute Vorsätze bremsen nicht. Beim ersten Schnee bemerken manche Fahrer ihr Versäumnis, geloben zerknirscht Besserung und baldigen Reifenwechsel und fahren dennoch weiter. Das hilft natürlich nicht. Auch wenn es in der konkreten Situation schwierig ist. Wenn man es nicht verantworten kann zu fahren, dann darf man es nicht.

Wirklich langsam fahren

Neben den mangelhaften Reifen ist häufig die Geschwindigkeit unangemessen hoch. Die Bremswirkung bei Schnee und Eis kann rapide abnehmen. Den "Fuß vom Gas" nehmen und die Geschwindigkeit etwas zu reduzieren, reicht nicht aus. Bei Schneefall und gefrierender Nässe muss man jederzeit mit einer Rutschpartie rechnen. Wenn Sie allein auf der Strecke unterwegs sind, sollten sie kalkuliert die Bremswirkung testen. Darauf achten, dass Sie bei geringer Geschwindigkeit und moderaten Bremsdruck beginnen, um nicht unverhofft im Graben zu landen. Wenn Sie unsicher sind, halten Sie an einer geeigneten, sicheren Stelle und überprüfen Sie den Zustand der Fahrbahn.

Manchmal geht gar nichts mehr

Bei Blitzeis ist äußerste Vorsicht geboten. Wenn es irgendwie möglich ist, muss die Fahrt unterbrochen werden, bis die Straße abgestreut wurde. Bei einer durchgehenden Eisdecke ist das Fahrzeug auch bei geringen Geschwindigkeiten nicht mehr zu beherrschen. Ungeübte Fahrer lassen sich davon täuschen, dass man auf schnurgerader, leerer Strecke doch noch voran kommt. Das ist eine Illusion, das Fahrzeug fährt zwar noch, kann aber auf Brems- und Lenkmanöver kaum noch reagieren. In kritischen Situationen besagt es überhaupt nichts, dass der Wagen der Straße geradeaus folgen kann. Denken Sie auch daran, dass es nicht nur darauf ankommt, dass Sie selbst verantwortungsbewusst fahren. Auf der Fahrbahn sind Sie auch den waghalsigen Manövern Ihrer Mitmenschen ausgeliefert. Immer wieder muss man beobachten, dass Lkw-Fahrer keine Rücksicht darauf nehmen, dass sie keine Traktion mehr an den Reifen haben. Eine geringe Geschwindigkeit wird zudem nicht jeden Unfall verhindern können, aber sie mindert die Folgen erheblich. Wer mit 30 km/h gegen einen Baum prallt, muss einen Blechschaden tragen, wer mit 100 km/h auftritt, wird zumindest schwere Verletzungen erleiden.

Technik bewirkt keine Wunder

Eine gute technische Ausstattung hilft, kann aber auch keine Wunder bewirken. Der nützliche Allradantrieb etwa hilft beim Abbremsen nicht. Auch perfekte Winterreifen können auf einer spiegelglatten Oberfläche keine satte Haftung herbeizaubern. Viele Autofahrer überschätzen die Möglichkeiten des Fahrzeugs. Immer wieder muss man beobachten, dass sich Fahrer nur schlitternd ihrem Auto nähern können, sich an Bord aber offenbar in Sicherheit wähnen und tüchtig Gas geben.

Ohne Sicht, keine Fahrt

Bei Schneefall kommt noch mangelnde Sicht hinzu. In jedem Fall muss man sich die Zeit nehmen, vor dem Start die Scheiben komplett zu enteisen und von Schnee zu befreien. Bei der Fahrt mit "Sichtluken" schränken Sie ausgerechnet dann ihre Beobachtung ein, wenn es besonders wichtig ist, andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu beobachten. Modernen Motoren müssen nicht im Leerlauf angewärmt werden, aber ein kalter Motor ist nicht in der Lage, Luft und Scheiben anzuheizen. In der Kälte kann das dazuführen, dass Atemluft und Spritzwasser sofort wieder anfrieren und die Sicht rauben. Dann muss abgewartet werden, bis die Scheibe warm und die Sicht frei ist.

Sicht wird es nur mit dem richtigen Scheibenreiniger geben. Salz und Matsch können die Scheiben in kürzester Zeit verschmutzen. Nur nicht gefrierender Scheibenreiniger hilft dann weiter. Im Winter sollte man immer eine Reserveflasche dabei haben. Wenn nicht, darf man nicht vor den Preisen der Tankstellen zurückschrecken, ohne die richtige Flüssigkeit startet man im Blindflug.

Gernot Kramper
KOMMENTARE (10 von 23)
 
STR_EDDS (24.11.2008, 14:18 Uhr)
@Gleichmann
Als alter Bahnmensch sollten Sie wissen, dass die Kraftübertragung von Schienenfahrzeugen in keinster Weise mit der von LKW vergleichbar ist. LKW mit Untersandung? Stellen Sie sich mal die Sauerei vor. Weiters bin ich sicher, dass nicht nur Fahrer "aus den alten Bundesländern" mit "dicken Schlitten" am Berg hängen. Dieser Ossi/Wessi-Faschismus hat nen 20 Jahre alten Bart - und ausserdem mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun. Mann!
botoxia (23.11.2008, 19:35 Uhr)
Alles blonde Autos
Warum haben Blondinen Schneeketten vor den Fenstern?
Weil sie Angst vonr Wintereinbruch haben.
Eisenbaer (23.11.2008, 18:45 Uhr)
Von "Überraschung" kann ja wohl keine Rede sein....
...einige Leute sind einfach nur doof oder verstehen kein deutsch oder gar beides.
mighty_bender (23.11.2008, 12:48 Uhr)
@picus:
Ich frage mich mittlerweile eh, ob in der Fahrschule nicht ein Sicherheitstraining sinnvoller wäre als der Erste Hilfe-Kurs. "Richtig bremsen" kann man täglich gebrauchen, und zu wissen, was ein Auto anstellt, wenn's bockt, dürfte auch einen höheren Sicherheitswert haben als die stabile Seitenlage (Na, wer kann die heute noch? ;-))
picus (23.11.2008, 10:59 Uhr)
Wichtig für Fahrneulinge
Der Beitrag ist nützlich für Fahrneulinge; die Ratschläge der Eltern fruchten da wenig und die verkalkten Großeltern waren noch gerade für die Finanzierung von Nöten.
Bin gestern Abend von einem Blödmann im bergigen Wohngebiet angemacht und mit ca. 70 km/h bei einsetzendem Blitzeis überholt worden.
Es gibt aber auch Positives: Junge, nicht unbedingt übervorsichtige Bekannte, mit denen wir uns treffen wollten, riefen an und wollten erst die Streufahrzeuge abwarten.
Malt (23.11.2008, 09:39 Uhr)
Ja...
...wer konnte denn auch Ende November mit Schnee rechnen... tststs
susiwolf (23.11.2008, 06:57 Uhr)
@manta....die Risse
Bis dato dachte ich immer, die Witze über 'Manta'-Fahrer seien eben nur Witze.
Nun, Sarkasmus oder auch Humor sieht für mich anders aus. Also gehe ich davon aus, es ist dümmliche Provokation oder auch
Manta (hoch)3
(zur Erklärung für @manta...d.h. Manta x
Manta x Manta ... oder auch dümmlich
hoch 3)...
und die Reifenrisse sind eigentlich Hirnrisse.
danov (23.11.2008, 06:15 Uhr)
@ manta
war das jetzt Humor, oder einfach nur offen zu Schau gestellte Dummheit? *kopfschüttel* Es war auf jeden Fall nicht lustig!
Schrdro (23.11.2008, 02:41 Uhr)
--
Die Versicherungen sollten die Tarife stärker spreizen (10% bei langjährig unfallfreiem Fahren, 500% bei mehr als 1 verschuldeten Unfall), und es sollte eine verdienstabhängige SB für die Behandlungskosten bei selbstverschuldeten Unfällen eingeführt werden.
flyingfree (23.11.2008, 01:48 Uhr)
"Mit Vollgas ins Chaos"
Und auf ein neues im nächsten Jahr.
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