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Höchste Zeit für den Reifenwechsel

23. November 2012, 11:34 Uhr

Wer jetzt noch mit Sommerreifen fährt, muss sich beeilen: Vor Bodenfrost und Schneewehen müssen Winterreifen montiert werden. Worauf Sie beim Reifenwechsel achten sollten. Von Gernot Kramper

Service Winterreifen

Hochbetrieb im Reifenlager. Seit einem Jahr besteht in Deutschland eine Winterreifenpflicht©

Einmal im Jahr macht sich der Autofahrer Gedanken um seine Reifen. Meist dann, wenn der erste Schnee fällt. Dabei sollte er sich schon vorher mit dem Thema "Winterreifen" auseinandersetzen. Beim ersten Schneefall kommt es unweigerlich zum "Schneechaos" – dann wollen alle auf einmal die Reifen wechseln und entsprechend lang sind die Schlangen in den Werkstätten. Außerdem lagern die Händler keinen Reifen-Vorrat für mehrere Jahre ein. Wer zu spät kommt, muss sich aus dem reduzierten Angebot das aussuchen, was übrig geblieben ist. Wer noch keine Winterreifen hat oder neue braucht, sollte daher spätestens jetzt aktiv werden.

Was Sie dabei beachten sollten, erfahren Sie hier:

Gesetzeslage

Bei Winterwetter müssen Sie mit M+S-Reifen unterwegs sein, sonst drohen 40 Euro Strafe. Reine Winterreifen werden nicht verlangt. Wer andere behindert, etwa weil er an einer Überführung nicht anfahren kann, zahlt 80 Euro und kassiert einen Punkt in Flensburg. Sollten Sommerreifen an einem Unfall Schuld sein, kann die Kaskoversicherungen die Zahlung verweigern oder nur einen Teil des Schadens begleichen. Es gibt keinen vorgeschriebenen Zeitraum für M+S-Reifen – nach wie vor kann man mit Sommerreifen durch den Winter fahren, solange man den Wagen bei Schnee und Eis stehen lässt.

Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen erkennt man an der M+S-Kennzeichnung. Sie gelten per Gesetz als für den Winter "geeignete" Bereifung, ein Bußgeld muss man nicht befürchten, wenn man mit ihnen fährt. Allerdings ist die M+S-Kennzeichnung mit keinem Qualitätsstandard verbunden. Wirklich wintertaugliche Ganzjahresreifen tragen zusätzlich das Schneeflocken-Symbol. Sie eignen sich als Kompromiss für Wenigfahrer, die meist auf geräumten Straßen unterwegs sind.

Finanziell lohnen sich Ganzjahresreifen, wenn weniger als 10.000 Kilometer im Jahr zurücklegt werden. Wer so wenig fährt, kann in absehbarer Zeit nicht einen Sommer- und eine Winterreifensatz runter fahren. Kilometerfresser sparen durch ihre hohe Laufleistung auf lange Sicht nichts, weil sie in wenigen Jahren beide Reifensätze verschleißen. Ganzjahresreifen sind auch eine Alternative, wenn die Sommerreifen bereits abgefahren sind, und der Wagen nur noch über eine begrenzte Lebenserwartung verfügt. Wenig bekannt ist, dass Ganzjahresreifen nur dann auf Schnee glänzen können, wenn sie – wie Winterreifen - eine Profiltiefe von mehr als vier Millimetern aufweisen. Mit geringerem Profil müssen sie ausgetauscht werden.

Winterreifen

Vor allem auf Schnee zeigen reine Winterreifen ihre Stärke. Wer häufig auf ungeräumten Straßen unterwegs ist und dabei auch noch Steigungen und Gefälle bezwingen muss, ist auf echte Winterreifen angewiesen. Auch sie müssen mindestens vier Millimeter Profiltiefe aufweisen, damit die feinen Lamellen im Schnee greifen können. Über gute Reifen informieren Tests, ausgesprochene Billigreifen fallen meist durch. Wer die Testauswertungen genau durchliest, kann auch bei Qualitätsreifen sparen: Neben dem Kaufpreis ist die Lebensdauer des Reifens entscheidend, über sie informiert der Abriebwert.

Preisniveau

In diesem Jahr haben die Reifenpreise angezogen - unter anderem wegen höherer Rohstoffpreise. Trotzdem kann man sparen. Die Preisunterschiede zwischen den Händlern sind enorm, ein Vergleich lohnt sich also. Für einen normalen Wagen in der Kompaktklasse kostet ein Satz Winterreifen mit neuen Stahlfelgen inklusive Auswuchten und Montage etwa 400 Euro. Bei Kleinwagen sind die Reifen etwas billiger, da der übrige Aufwand aber gleichbleibt, muss man dennoch mit mindestens 300 Euro rechnen. Wer nicht ein halbes Jahr mit schmucklosen Stahlfelgen unterwegs sein will, muss tiefer in die Tasche greifen, da noch ein Satz Alufelgen hinzukommt. Reifen für große, schnelle Wagen sind merklich teurer. Der Reifensatz inklusive Felgen für einen schnellen SUVs kostet über 2000 Euro.

Wechsel in der Werkstatt

Wird der Reifenwechsel von einer Vertragswerkstatt der Automarke durchgeführt, kann für den Montagetag ein Ersatzfahrzeug gestellt werden. Gleichzeitig kann die Werkstatt einen allgemeinen Wintercheck an Bremsen, Lichtanlage, Batterie und Scheibenreiniger vornehmen. Das kostet allerdings extra. Vertragswerkstatt und Reifenhändler lagern den Reifensatz auch ein - gegen Gebühr. Wer seine Reifen im Frühjahr nicht selbst zurückwechseln will oder kann, sollte das Angebot annehmen. Sonst muss er die überzähligen Reifen selbst transportieren, zu Hause ausladen, in Garage oder Keller unterstellen und im Frühjahr wiederum zur Werkstatt bringen. Insbesondere bei den Maxigrößen der Oberklasse und der SUVs ist das eine anstrengende Angelegenheit. Nur eins sollte man bedenken: Die Lagerung bindet die Kunden. Wer sein Reifen in einer Werkstatt unterstellt, wird dort vermutlich auch die nächsten Reifen kaufen.

Selbstmontage

Das Geld für die Montage können Selbermacher sparen, wen sie bereit sind, sich die Finger dreckig zu machen. Das lohnt sich vor allem, wenn mehrere Fahrzeuge vorhanden sind: Bei drei Autos und zwei Wechseln im Jahr kommen 180 Euro zusammen. Die Wagenheber im Bordwerkzeug sind allerdings nur ein Notbehelf, ein stabiler Montageheber mit gutem Stand ist zu empfehlen. Ein geeigneter Platz und Sorgfalt sind Pflicht bei der Montage. Absolute Laien sollten zur Werkstatt gehen: Wer die Ansatzpunkte des Hebers an der Karosserie verbiegt, hat mehr Schaden angerichtet, als er Geld sparen konnte.

Reifenkontrolle

Wer die Reifen selbst wechselt, muss kontrollieren, ob sie noch zu verwenden sind. Als erstes sollte die Profiltiefe nachgemessen werden, sollte das Profil an der niedrigsten Stelle weniger als vier Millimeter betragen, müssen die Reifen ausgetauscht werden. Wenn der Reifen älter als zehn Jahre ist, kann man ihn ebenfalls nicht mehr verwenden. Lassen Sie sich nicht von einem vermeintlich "guten" Profil täuschen – im Alter verhärten die Reifen und verlieren ihre Eigenschaften trotz des guten Aussehens. Auch bei unregelmäßigkeiten in der Form, ungleichmäßiger Abnutzung, sichtbaren Beschädigungen und porösem Material müssen die Reifen entsorgt werden.

Reifen aus dem Internet

Reifen kann man auch per Mausklick bestellen – zu Toppreisen. Aber Vorsicht: Mit bloßen Reifen – ohne Montage auf der Felge – kann ein Laie ohne Werkstatt nichts anfangen, trotzdem ordern Ahnungslose immer wieder vermeintliche Superangebote. Einen bereits aufgezogenen Reifensatz kann man durchaus bestellen. Wegen der Transportkosten ist der Preisvorteil bei Standardreifen allerdings gering. Dabei muss man genau auf den zugesagten Liefertermin achten – sonst wartet man noch auf die Pneus, wenn die Straßen bereits weiß sind. Problem: Online wird meist per Vorkasse bezahlt. Eine Stornierung ist daher schwieriger.

Gebrauchte Reifen

Bereits benutzte Reifen müssen nicht zwangsläufig schlecht sein. Bei einem Gebrauchtwagen sind schließlich auch gebrauchte Reifen montiert. Bei Unfallschäden oder auch nach der Rückgabe von Leasingfahrzeugen bleiben regelmäßig gute zweite Reifensätze in der Garage stehen. Der Preisvorteil ist groß: Ein Satz mit Alufelgen ist gebraucht meist billiger als vier neue Pneus ohne Felgen und Montage. Die größten Schnäppchen gibt es allerdings bei sehr teuren Felgen. Und doch bleibt beim Gebrauchtkauf immer ein ungutes Gefühl, weil Sie die Vorgeschichte der Reifen nicht kennen. Kaufen Sie bei einem Händler, wurden die Pneus zumindest vom Fachmann begutachtet. Reifenkauf von Privat ist Vertrauenssache: Achten Sie auf ein Profil von sechs Millimetern und auf das Baujahr des Reifens. Abgefahrene Schlappen und alte Reifen gehören entsorgt.

Schneeketten

Gute Winterreifen können viel, aber sie ersetzen keine Schneeketten. Bei starkem Gefälle halten nur die Stahlketten den Wagen in der Spur, vor allem dann, wenn die Straße unter dem Schnee vereist ist.

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