Zeit für den Reifenwechsel

23. September 2010, 18:21 Uhr

Im Herbst wird es Zeit, sich mit dem Thema "Winterreifen" zu beschäftigen. stern.de erklärt, worauf es beim Wechsel ankommt und stellt die Ergebnisse des aktuellen ADAC-Winterreifentests vor.

Wann sollte man die Reifen wechseln?

So schnell wie möglich, am besten im Oktober. Wer bereits Winterreifen besitzt oder auf jeden Fall beabsichtigt Winterreifen zu kaufen, sollte nicht länger zögern. Jetzt hat er die Möglichkeit sich einen passenden Termin bei seiner Werkstatt geben zu lassen. In den Tagen nach dem ersten Schneefall bilden sich immer Schlangen.

Jahr für Jahr beschwört der Handel eine drohende Reifenknappheit. Teilweise trifft das auch zu. Insbesondere die Sieger in den großen Reifentests von ADAC, Auto-Bild und Auto Motor Sport sind gefragt und irgendwann auch vergriffen. Gleiches gilt für seltene Größen und Spezialbereifungen. Die Händler ordern nur die Reifen, von denen sie annehmen, sie in der Saison absetzen zu können. Am Ende der typischen Wechselwochen soll das Lager leer sein. Mitten im Winter wird es schwer, Reifen beim Händler um die Ecke zu beschaffen.

Was sagt der ADAC-Test?

Kein Reifen bekam in diesem Jahr die Note "sehr gut" vom ADAC verliehen. Doch in beiden untersuchten Größen wurden jeweils drei Reifen mit "gut" bewertet. In der kleinen Dimension (185/65 R15 88T) sind das der Dunlop SP Winter Sport 3D MO mit der Bestnote (2,1) für das Verhalten auf Nässe, der Goodyear UltraGrip 7+, der auf Eis guten Halt entwickelt und der Esa-Tecar Super Grip 7. Beim aktuellen Test schnitten auch zwei in der 185er-Größe getestete Ganzjahresreifen gut ab. Laut ADAC bewegt sich der Goodyear Vector 4Seasons im Mittelfeld der echten Winterreifen.

Bei den größeren Reifen (225/45 R 17 91&94 H) liegen der Michelin Alpin A4, der trotz sensationell geringem Verschleiß auch noch mit dem besten Ergebnis auf Nässe aufwarten kann, der auf Schnee starke Continental WinterContact TS830P sowie der sehr ausgewogene Dunlop SP Winter Sport 3D vorne. Die drei Reifen mit der Note "mangelhaft" kommen aus China und lieferten teils katastrophale Ergebnissen ab.

Woran erkennt man gute Winterreifen?

Die gesetzlichen Normen legen nur Grundbedingungen fest und die Bezeichnung "M+S" beispielsweise sagt wenig über die Qualität der Bereifung aus. ADAC und die großen Autozeitschriften führen jedes Jahr unabhängige Testreihen durch. Reifen, die in diesen Tests gut abschneiden, kann man vertrauen. Neben den reinen Leistungssiegern gibt es häufig auch einen Preis-Leistung-Tipp. Generell gilt: Die großen Markenhersteller schneiden meist gut ab, die billigsten No-Name-Reifen nicht.

Was sagt das Gesetz?

Die aktuelle Gesetzgebung ist schwammig formuliert und wurde daher auch von einem Gericht bemängelt. In Zukunft könnte der Gesetzgeber die bisherige Regelung konkretisieren und für die Zeit der Wintermonate die Benutzung von Reifen vorschreiben, die als Winterreifen freigegeben sind. Das wären Winterreifen und sogenannte Ganzjahresreifen. Bei der Entscheidung, mit welchen Reifen man im Winter fährt, sollte die tatsächliche Verkehrssicherheit im Vordergrund stehen und nicht irgendwelche Gesetzeslücken.

Was kostet ein Reifensatz?

Ein Satz guter Winterreifen für die typische Golfklasse - geeignet für ein Tempo bis zu 190 km/h - kostet etwa 300 Euro. Generell gilt: Kleinere Reifen sind billiger, größere teurer, langsame Reifen sind billiger, schnelle teurer. Ein Reifensatz für SUVs beispielsweise kostet etwa 1200 Euro.

Zusätzlich zum Reifenpreis kommen Ausgaben für Aufziehen, Auswuchten und die Montage. Außerdem benötigen Winterreifen eine eigene Felge. Für eine neue Standardstahlfelge werden etwa 40 Euro verlangt. Wenn es Aluminiumfelgen sein sollen, muss der entsprechende Aufpreis berücksichtigt werden.

Die Kosten für einen Wagen der Kompaktklasse betragen also etwa 500 Euro (ohne Aluminiumfelgen). Komplettangebote für vier Reifen mit Felgen und Montage sind allerdings häufig deutlich billiger. Wer allerdings einen Sportflitzer, einen hoch motorisierten Mittelklassewagen oder einen SUV für den Winter ausrüsten will, kann inklusive standesgemäßer Aluminiumfelgen leicht 2000 Euro investieren.

Tipp: Nicht am Reifen sparen, lieber auf gebrauchte Stahl- oder Aluminiumfelgen ausweichen. Auch Reifen mit begrenzter Höchstgeschwindigkeit sparen Geld. Sie dürfen aber niemals schneller fahren, als das Reifenlimit vorschreibt. Preise vergleichen lohnt sich. Der ADAC hat für ein und dasselbe Modell Preisspannen bis zu 34 Euro pro Reifen bei den 185ern und bis zu 81 Euro bei den teureren 225ern festgestellt

Wie gut sind Ganzjahresreifen?

Ganzjahresreifen erkennt man am "M+S"-Zeichen für "Matsch und Schnee". Juristisch gelten diese Ganzjahresreifen als Winterreifen. Mit ihnen spart man sich den halbjährlichen Wechsel. Und zunächst auch die Kosten für den zweiten Reifensatz, wenn sich dieser Faktor im Laufe der Zeit auch relativiert, weil zwei Reifensätze länger halten.

In der Praxis sind Ganzjahresreifen reinen Sommerreifen im Winter weit überlegen, reichen aber nicht an echte Winterreifen heran. Ganzjahresreifen stellen daher immer einen Kompromiss da. Im Winter erzielen sie auf Eis und Schnee nicht den gleichen Grip, die gleiche Haftung wie Winterreifen. Der Effekt verstärkt sich, je niedriger die Temperatur ist. Bei geringen Fahrleistungen in flachen Regionen kann das vertretbar sein. Ganzjahresreifen haben zudem meist Komforteinbußen im Lenk- und Abrollverhalten. In der heißen Jahreszeit sind Ganzjahresreifen den Sommerreifen unterlegen. Besonders spürbar ist das beim Bremsverhalten.

Tipp: Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss. Vielfahrer sollten Spezialreifen kaufen.

Werkstatt oder Selbstmontage?

Die Erstmontage, das Aufziehen des Reifens und das sogenannte Auswuchten, kann nur eine Werkstatt durchführen. Private Autoschrauber mit Garage und Werkzeug werden den einfachen Reifenwechsel selbst vornehmen. Ohne eigene Garage sollte man den Wechsel bei der Servicewerkstatt oder dem Reifenhändler vornehmen lassen und die Reifen einlagern lassen. Die Fachkräfte dort nehmen immer eine Sichtkontrolle vor und wuchten die Reifen auch aus. Die Kosten sind begrenzt. Für einen Laien lohnt sich die Mühe nicht, mit dem Bordwerkzeug die Reifen auf der Straße zu wechseln. Für die eigene Lagerung wird zumindest ein Kellerraum benötigt. Größere Reifen lassen sich nicht so einfach transportieren. Schon ein normaler Reifen wiegt mit Felge etwa 15 Kilogramm.

Wie wichtig ist das Alter eines Reifens?

Am besten greift ein frischer Reifen. Selbst ohne Benutzung verliert auch ein sachgemäß gelagerter Reifen seine Eigenschaften. Zehn Jahre nach Produktion sollte ein Reifen ausgetauscht werden, aber auch schon nach sechs Jahren machen sich die nachlassenden Eigenschaften in Extremsituationen bemerkbar. Bei geringen Laufleistungen und schonender Fahrweise können diese Reifen durchaus noch ein gutes Profil aufweisen. Einmal ausgehärtet verliert ein sogenannter Holzreifen kaum noch Profil.

Das Produktionsdatum eines Reifens kann man an der vierstelligen DOT-Nummer an der Seitenwand ablesen. Folgt hinter dem "DOT" und den zwei Buchstabenkombinationen zum Beispiel eine "0109", heißt das, dieser Reifen wurde in der ersten Kalenderwoche des Jahres 2009 gefertigt.

Tipp: Augen auf beim Reifenkauf. Erkundigen Sie sich ausdrücklich nach dem Produktionsdatum. Kaufen Sie keinen Reifen, der bereits mehrere Jahre auf dem Buckel hat.

Wie tief muss das Profil sein?

Die gesetzlichen Vorschriften für die Mindestprofiltiefe unterscheiden nicht zwischen Winter-, Sommer- und Ganzjahresreifen: Der Gesetzgeber schreibt mindestens 1,6 Millimeter Tiefe vor. Für den Winter reicht diese Tiefe nicht aus, Reifen mit weniger als vier Millimetern Profil sollten im Winter ausgetauscht werden.

Was bietet im Winter mehr Halt als ein Winterreifen?

Beim Anfahren und Beschleunigen verbessert die Kombination von Allradantrieb und Winterreifen die Traktion enorm. In tiefem Schnee und auf vereistem Grund helfen Schneeketten, wenn Winterreifen nicht weiter können. Das Metall findet auch Halt auf Eis.

In Deutschland sind Reifen mit Stahlnippeln - sogenannten Spikes - verboten, sie haften sicher auch auf eisglattem Grund. In vielen Ländern (Österreich, Schweiz) sind sie aber erlaubt. Daher sollte man sich dort niemals an dem Tempo der Einheimischen orientieren.

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