Erwachsen, leise und bezahlbar

2. November 2011, 00:20 Uhr

Der VW Up ist ein würdiger Nachfolger für den VW Lupo. Wir schauen,was der Neue kann - eine ganze Menge, wie der Test zeigt.

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Es war einmal ein Wolfsburger Konzern, der nach Höherem strebte. Mit einem besonders hochwertigen Himmelswagen namens Phaeton sollte der Imagestern der Niedersachsen so hell erstrahlen, dass man im Leuchten nicht bemerkte, wie ganz unten in der Modell-Hierarchie ein Licht ausgeknipst wurde. Gerade beim Lupo, der mit seinem pfiffigen Kleinwagen-Design und seinem niedrigen Verbrauch (speziell Drei-Liter-Version) seiner Zeit voraus war, stoppte VW Ende 2005 die Bänder: zu teuer in der Produktion.

Auch Kleinstwagen-Kunden haben Ansprüche

Man schipperte lieber den billig in Brasilien hergestellten Fox ein - und landete damit den größten Flop in der jüngeren Markengeschichte. Noch nicht mal das gigantische VW-Händlernetz konnte den Kleinstwagen auf einen Marktanteil über dem von nischigen Importeurmodellen hieven. Der brasilianische Zwerg machte die Kunden mit seiner Belanglosigkeit eher foxteufelswild als happy Lupo. Dass es dann 2007 eines gemeinsamen Fluges der Konzernspitze bedurfte - Winterkorn war gerade VW-Chef geworden -, um zu sehen, dass auch Kleinstwagen-Kunden Ansprüche haben, verbessert die Geschichte nicht wesentlich. Zu diesem Zeitpunkt kam Fiat mit dem 500 schon auf den Markt.

Aber VW kommt ja bekanntlich gern spät, aber dann gewaltig. Der neue Lupo, pardon VW Up, steht, obgleich nur 3,54 Meter lang und 1,49 Meter hoch, mit seiner modernen, monolithischen Form sehr erwachsen und stämmiger auf der Straße als seine Konkurrenten. Im Gegensatz zu diesen wird er zum Dach hin kaum schmaler. Entsprechend luftig wird man im Interieur des VW Up (im Test die höchste Ausstattung White Up) empfangen. "Endlich VW-Standard", entfleucht es einem. Modernes, schickes und unaufgeregtes Design, prima Ergonomie, kinderleichte Bedienung und eine Qualitätsverliebtheit bei der Gestaltung der Bedienelemente, die selbst zwei Klassen darüber nicht selbstverständlich ist: Sanft klicken die Rasterungen und schmücken matte Metallränder die Schalter.

Pieksaubere Verarbeitung des VW Up 1.0 White

An Ablagen fehlt es im VW Up 1.0 White wahrhaft nicht, und im Gegensatz zu einem BMW 5er findet sich sogar auf Anhieb eine vernünftige Lagerstätte für ein großes Smartphone. Wer eine Karton-Orgie feiern möchte, darf am anderen Ende des VW Up die Fondsitze geteilt flachlegen und den doppelten Ladeboden in zwei Höhenlagen arretieren. Alles garniert mit Teppichverkleidungen und pieksauberer Verarbeitung. Pedantisch streifen die Finger auf der Suche nach stachligen Graten durchs Interieur und werden immerhin am Abschluss des Dachhimmels fündig. Aber welcher normale Mensch greift da hin?

Doch wo wir schon mal bei der Fehlersuche sind: Der Aux-Anschluss direkt am hoch platzierten Radio lässt das Kabel unschön durch den Innenraum schlängeln - Hyundai zeigt im i10, wie es besser geht. Auf der Fahrerseite fehlt der Schalter für die Beifahrer-Fensterheber, und die Tastfelder des Touchscreen-Navigationssystems verlangen zum Teil sehr spitze Finger. Petitessen, mag man sagen, doch bei der Sitzposition wirds gravierender. Die Suche nach der perfekten Sitzeinstellung hinter dem nur in der Höhe verstellbaren Lenkrad des VW Up gerät zum Forschungsauftrag. Entweder stimmt der Armabstand, dann knicken die Beine auf Froschart, oder man liegt mit langen Armen wie Manni Manta hinter dem Volant.

Gutes Geräuschniveau im VW Up 1.0 White

Wer die Vordersitze umklappen will, muss sich im Gegensatz zu einem Fiat 500 tief zum Hebel bücken. Schade, denn die dynamisch geformten Sessel unterfüttern auch breitere Mitmenschen mit genügend Auflagefläche und Seitenhalt. Passend, denn beim Fahren flitzt der VW Up in eine neue Dimension im Stadtauto-Bereich. Willig flutscht der Hebel durch die fünf Gassen, und munter knurrt der Dreizylinder dazu. Was erst mal nichts Neues ist, da so ein Kolbentrio per se nicht rund läuft. Wobei sich im Teillastbereich eine erstaunliche Ruhe einstellt, als habe der Vorstand persönlich die Dämmmatten im VW Up verklebt. Bei 130 km/h im fünften Gang säuselt nur leicht der Wind um die A-Säulen, und das Geräuschniveau liegt sogar unter 70 Dezibel.

Der 75 PS starke Einliter-Vollaluminium-Motor mit dem Entwicklungscode EA211 debütiert im VW Up und entkoppelt seine Schwingungen wirkungsvoll mit Gummi-Metall-Elementen von der Karosserie. Seine Mehrleistung zur gleich großen 60-PS-Variante holt der VW Up 1.0 White über höheres Drehvermögen (6.200 statt 5.000/min) und spurtet damit in respektablen 14,1 Sekunden von null auf 100 km/h. Er hat ja auch im Gegensatz zum Fox um fast drei Zentner up-gespeckt und damit wenig zu schleppen: Nur 938 Kilogramm liftet der Viersitzer von Volkswagen auf die auto motor und sport-Waage und damit nicht viel mehr als ein Smart Fortwo.

4,9 Liter sind nicht sensationell

Trotzdem reicht es mit 4,9 Liter pro 100 km bei niedrigem Tempo nicht zu sensationell geringen Verbrauchswerten. Erst die Blue-Motion-Technology-Variante des VW Up soll über rollwiderstandsoptimierte Reifen und Start-Stopp-System nochmal einen weiteren halben Liter knausern. Überraschenderweise fängt der VW Up auch auf der Autobahn nicht das Saufen an. Sein Testverbrauch pendelt sich bei 6,5 Liter ein und darf sich dafür besonders bei dem für einen kurzen Kleinwagen niedrigen cW-Wert von 0,32 bedanken.

Im VW Up 1.0 White reist es sich besser als in den meisten Kompaktautos der Neunziger. Mit seiner Ausgewogenheit im Fahrverhalten legt er die Latte hoch. Der Fronttriebler schwingt seine Passagiere präzise, gelassen, wankarm und mit narrensicherem Fahrverhalten um die Kurve, während die punktgenau abgestimmten Dämpfer für in Kleinwagendimensionen prächtigen Komfort um die Wette pumpen. Das serienmäßige ESP regelt dabei feinfühlig den Fahrfluss selbst im untersteuernden Grenzbereich. "ESP aus" jedoch nicht dauerhaft im Instrumententräger zu signalisieren, ist ein unverständlicher Fauxpas.

Nur bedingt glücklich dürfte man bei VW auch über die exzellente Bremsleistung des VW Up sein, denn mit 36 Meter aus 100 km/h stoppt der kleine Volkswagen besser als ein Golf GTI. Dem hat der VW Up 1.0 White mit serienmäßigem Navi, Bordcomputer, Klimaanlage, CD-Radio und 16-Zoll-Alufelgen sogar bei der Ausstattung was voraus - macht 14.300 Euro. Damit bleibt der VW Up auch preislich down to earth und ist ein Volkswagen im besten Sinne des Wortes.

Günstiges und gutes Navigationssystem

Volkswagen hat auch bei den Navigationssystemen verstanden, dass die Kunden nicht mehrere Tausend Euro zahlen wollen. Das neue "maps + more"-System kostet 355 Euro und kommuniziert direkt mit der Autoelektronik. Dadurch wird das Navigon-System nicht nur erheblich präziser, es kann auch Bordcomputer-Infos und sogar einen Fahrtrainer (Blue Index) anbieten. Was alles tadellos funktioniert. Aber die Tastenfelder für Optionen, Menü und Return sind zu fitzelig geraten

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