Ein Billiger mit viel Platz

29. April 2012, 09:26 Uhr

Der Dacia Lodgy ist günstig und soll mehr Platz bieten als alle anderen. stern.de sagt, was dran ist an dem vermeintlichen Raumwunder und wie die Konkurrenz aussieht. Von Gernot Kramper

Familienvan Dacia Lodgy

Der Lodgy ist ein unauffälliger Vertreter©

Mit seinen Preisbrechern hat Dacia Erfolg. Allein im vergangenen Jahr legte die Renault-Tochter um 20 Prozent zu. In diesem Jahr wird sich die Erfolgsgeschichte fortsetzen: Ab Mitte Juni steht der Familienvan Dacia Lodgy bei den Händlern. Im Van-Segment sind die Startbedingungen für Dacia noch besser als woanders. Supersportliches Fahrverhalten ist hier nicht so wichtig, und auch Extravaganzen beim Design sind bei den Familientransportern eher selten.

Er ist vielleicht nicht der Schnellste, aber der Lodgy muss keinen Gegner fürchten. In unserer Fotostrecke haben wir die wichtigsten Alternativen zusammengestellt. Aber gegen wen auch immer der Lodgy zum Kräftemessen antritt, in zwei Kerndisziplinen bleibt der Dacia immer Sieger: Preis und Innenraum.

Wenn Größe entscheidet

Okay, dass niemand billiger ist als der Dacia, ist keine echte Überraschung. Aber dass sich alle anderen Familienvans beim maximalen Laderaum geschlagen geben können, ist dann doch verblüffend. Mit 2617 Litern maximalen Nutzraum steckt der Lodgy nicht nur kleinere Modelle wie den Opel Meriva oder den Focus C-Max in die Tasche. Auch der neue Opel Zafira Tourer (1860 Liter) und der betagte Platzhirsch VW Touran (1989 Liter) schrumpfen vor ihm zusammen. Selbst der deutlich größere VW Sharan bietet "nur" 2.340 Liter.

Mehr rein geht nur bei den Familienvarianten von Nutzfahrzeugen. Zumindest nominell: Der Citroën Berlingo schluckt sogar 3000 Liter – um das zu erreichen, muss die zweite Sitzreihe aber auch komplett ausgebaut werden. Mit seinem Innenraum eignet sich der Dacia nicht nur zum Kindertransport. Er ist auch für Umzüge, Rennräder und alle andere Großtransporte prädestiniert. Auch auf Reisen profitiert man vom Volumen. Mit fünf Passagieren passen immer noch 827 Liter Gepäck in den Lodgy und das bei einer noch vertretbaren Länge von 4,5 Metern.

Technik und Motoren

Dacia bietet nicht die technischen Schmankerl in der Aufpreisliste wie etwa VW. DSG-Getrieb, Allradantrieb, ausgefuchste Parkautomaten – das gibt es alles nicht. Echte Patzer leistet sich der Lodgy allerdings nicht. Hinten sorgen schlichte Trommelbremsen für Verzögerung. Optimal ist das nicht, aber der hochgelobte VW Up hat auf der Hinterachse auch nur billige Trommeln. Dafür ist der Schleuderverhinderer ESP schon in der günstigsten Version dabei.

Gut überlegt werden muss bei der Frage, welches Triebwerk im Motorenraum werkeln soll. Im Vergleich zu anderen Herstellern bietet Dacia nur Einstiegs- und Grundversorgungsmotoren an, Motoren der 140- und 180-PS-Klasse stehen nicht zur Verfügung. Aber auch die schwächeren Diesel- und Benzinvarianten reichen aus. Wer den großen Wagen auch für die große Familienreise nutzen will, sollte die stärkeren Triebwerke nehmen. Basisbenziner ist der 1.6 MPI 85 mit 83 PS, ab Herbst gibt es den neuen TCe 115 mit 115 PS. Bei den Dieseln stehen der dCi 90 mit 90 PS und der dCi 110 mit 107 PS zu Wahl, sie sollen 4,2 bzw. 4,4 Litern pro 100 Kilometer verbrauchen, der 115 PS Benziner 5,8 Liter Super.

Familienvan Dacia Lodgy

Beim Laderaum bietet der Dacia Spitzenwerte©

Ausstattung und Preise

Der Lodgy wird in vier Ausstattungsvarianten geliefert. Das Grundmodell "Lodgy" für nur 9990 Euro ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn man einen nackten Transporter sucht. Wichtigste Einschränkungen beim Grundmodell: Es gibt keine Klimaanlage, die zweite Reihe kann nur in einem Stück umgelegt und es kann nachträglich keine dritte Reihe eingebaut werden. Alles, was einen Wagen schick und komfortabel macht, wurde gestrichen.

Da die Aufpreise der Pakete sehr fair kalkuliert worden sind, gilt die Empfehlung den beiden oberen Varianten Lauréate und Prestige. Der kleine Benziner kostet in der Lauréate-Ausführung 11.990 – dann sind die Komfortfeatures, Annehmlichkeiten und praktische Ergänzungen dabei. In der Prestige-Ausstattung kostet der 115 PS Benziner 14.450 Euro, der 107 PS-Diesel 16.200. Dafür gibt es nicht nur Aluminiumfelgen, sondern auch ein Rundum-Paket mit einer cleveren Navigationslösung.

Fazit

Vom Aussehen her ist der Lodgy ein Minivan. Er liefert keinen Grund sich zu schämen, beschleunigt aber auch nicht den Puls. Aber weder innen noch außen wirkt der Lodgy billig oder lieblos. Hinten gibt es natürlich konventionelle Türen statt teuerer Schiebetüren. Die Sitze sind relativ kurz, die Sitzhaltung aufrecht.

Der Dacia bietet erwartungsgemäß automobile Hausmannskost, die aber in einer XXL-Version. In allen Varianten bleibt der Lodgy ein Preisbrecher – mehr Auto fürs Geld gibt es woanders nicht. Gegen Bedenken wegen der Langzeitqualität hilft eine Garantierverlängerung: für 790 Euro wird sie auf sechs Jahre oder 120.000 Kilometer.

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