ADAC testet Multikollisionsbremse

19. November 2012, 20:40 Uhr

Experten sehen die Multikollisionsbremse – kurz MKB – als eine der wichtigsten sicherheitstechnischen Neuerungen der letzten zehn Jahre. Aber wie genau funktioniert die MKB eigentlich?

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Der Falschfahrer raste mit seinem BMW frontal in einen vollbesetzten Mini-Van. Zur Unfallzeit herrschte dichter Nebel, was aber vermutlich nicht die Unfallursache war.©

Der Horror-Crash eines Geisterfahrers bei Offenburg mit sechs Todesopfern hat die Diskussion um Falschfahrer wieder angefacht. Noch ist unklar, warum der 20-Jährige aus dem badischen Ortenaukreis am frühen Sonntagmorgen auf der Autobahn 5 in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen zwar davon aus, dass der junge Mann absichtlich gegen die Fahrrichtung fuhr, hat aber die Theorie, dass er Selbstmord begehen wollte, verworfen. Derzeit wird geprüft, ob es sich um eine Mutprobe handelte oder der Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand. Die Polizei setzte eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe ein. Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird es aber noch Wochen dauern. Fest steht bislang nur, dass er sich und fünf weitere Menschen in den Tod riss.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums werden etwa 1700 Geisterfahrer pro Jahr im Verkehrsfunk auf deutschen Straßen gemeldet. Der ADAC spricht sogar von bis zu 2800 jährlich. Doch nicht hinter jeder Meldung steckt ein wirklicher Falschfahrer. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geisterfahrer relativ konstant", sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl. Die allermeisten dieser Unfälle gehen glimpflich aus, nur drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen, werden von Falschfahrern verursacht. Dennoch wird derzeit wieder diskutiert, wie man dieser Gefahr besser begegnen kann.

Doch die Möglichkeiten, Falschfahrten zu verhindern, sind eingeschränkt. "Wenn jemand bewusst in falscher Richtung auf eine Autobahn auffährt, wird man gar nichts machen können", sagte Reindl. "Denn wir haben in Deutschland 13.000 Autobahnkilometer sowie etwa 2500 Anschlussstellen, Autobahnkreuze und Autobahndreiecke - nicht eingerechnet die ganzen Parkplätze."

Schnelle Warnmeldungen

Wichtigstes Hilfsinstrument ist eine Alarmkette, bei denen der Verkehrsfunk Radiosendungen unterbricht und vor Falschfahrern warnt. Doch zwischen der ersten Sichtung und dem Alarm wird immer eine gewisse Zeitspanne vergehen. Autofahrer, die kein Radio hören, können nicht gewarnt werden.

Bessere Beschilderung an Einfahrten

In Bayern läuft gerade ein Pilotprojekt, um Falschfahrten zu verhindern. Vorbild für die Warntafeln ist Österreich. Dort sehen Autofahrer ebenfalls eine große schwarze Hand und ein Stoppschild auf neongelbem Grund, die Schilder sollen Geisterfahrer direkt an der Auffahrt zur Autobahn bremsen. Es gibt sie seit Jahren, sie hätten sich bewährt, sagte der Sprecher des Wiener Verkehrsministeriums. Zudem versuche man Um- und Neubauten von Straßen so zu gestalten, dass die Menschen intuitiv richtig fahren.

Baden-Württemberg will als Konsequenz aus dem aktuellen Unfall in den kommenden sechs Monaten weiße Pfeile auf den Fahrbahnen der Autobahnab- und auffahrten auftragen lassen. Auf einigen wenigen Zufahrten existieren diese Pfeile bereits.

Sperrkrallen und Fangnetze

Krallen in der Fahrbahn lassen sich nur in Fahrrichtung passieren, Falschfahrern werden die Reifen aufgeschlitzt. Der Aufwand ist relativ groß. Rund 2000 Autobahnauffahrten müssten umgerüstet werden. Hinzu kämen noch die Raststättenauffahrten. Noch aufwändiger sind Anlagen mit Fangnetzen. Neben den Kosten kommen hier noch die Folgen eines Fehlalarms hinzu. Ein weiteres Problem: Auch Rettungsfahrzeuge können die Einfahrt im Notfall nicht entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung passieren. Diese Art der Einfahrt ist bei schweren Unfällen mit Vollsperrung der Autobahn gängige Praxis.

Fahrrichtungsdetektoren

Messstationen an der Fahrbahn könnten Falschfahrer registrieren. Sie würden mit unmissverständlichen Warnsignalen, die Fahrer alarmieren, und automatisch die Polizei benachrichtigen.

Elektronische Helfer

Moderne Fahrassistenzsysteme bieten das größte Potenzial, weil sie nicht extra in den Auffahrten installiert werden müssen. Navigationsgeräte und Systeme, die Verkehrszeichen erkennen, könnten den Fahrer schnell und deutlich bei einer Falschfahrt warnen. Ältere oder einfache Fahrzeuge verfügen nicht über einen derartigen Schutz.

Totalüberwachung des Verkehrs

Noch ist es Zukunftsmusik, aber eine vollständige Überwachung des Straßenverkehrs ist durchaus denkbar. Alle Planspiele einer Pkw-Maut, die nach gefahrenen Kilometern abgerechnet wird, basieren darauf. Selbst ein Eingriff in die elektronische Steuerung der Fahrzeuge wird diskutiert, etwa um Tempolimits konsequent durchzusetzen. Mit so einem System gäbe es keine Geisterfahrer mehr, auf der falschen Fahrbahn würde der Wagen einfach abgebremst werden.

Vorsichtsmaßnahmen für Autofahrer

Gegen absichtliche Falschfahrten helfen die meisten Maßnahmen nichts. Wer den Tod auf der Gegenfahrbahn sucht, wird sich durch eine bessere Beschilderung nicht aufhalten lassen. Auch Krallen nützen hier wenig, schließlich kann der todesmüde Fahrer jederzeit auf der Fahrbahn wenden, um so einen Unfall zu provozieren.

Die wenigsten Geisterfahrten werden durch Ahnungslosigkeit oder selbstmörderische Absichten herbeigeführt. Bodenloser Leichtsinn ist der Hauptgrund für die gefährlichen Manöver. Autofahrer wenden oder setzen zurück, weil sie eine Auffahrt verpasst oder etwas vergessen haben. Bauliche Maßnahmen an den Einfahrten werden diesen Irrsinn nicht stoppen können.

Bleibt die Frage, was Autofahrer tun können. Bei einer Geisterfahrermeldung sollte man sofort auf die rechte Spur wechseln und das Tempo drastisch reduzieren. Wenn möglich sollte die Fahrt an einem Parkplatz oder an einer Raststätte unterbrochen werden, bis Entwarnung gegeben wird.

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