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Schöne neue Welt

Apples böse Bescherung « » Frau Arnold klickt die Zukunft

Auto-Metropole Silicon Valley

Karsten Lemm | 21. November 2008 22:23 Uhr

Weil Detroit den Trend zum Batteriemobil verschlafen hat, reißt Kalifornien das Steuer an sich. Ganz vorn dabei: ein Ex-SAP-Mann.


Die Bilder sind bezeichnend: Auf der einen Seite Automanager aus Detroit, die bei der Regierung in Washington betteln gehen; auf der anderen Seite Silicon-Valley-Vordenker, die immer neue, frische Ideen für das Auto der Zukunft präsentieren - elektrisierende Ideen, denn sie haben alle damit zu tun, dass wir unsere Wagen künftig an die Steckdose stöpseln, um Energie zu tanken.

Von Shai Agassi, einem ehemaligen SAP-Manager, kommt das vielleicht radikalste Konzept: Elektroautos haben, ganz klar, immer das Problem, dass sich Batterien nicht so schnell wieder auffüllen lassen wie der Tank eines Benziners. Das könnte sich irgendwann ändern, aber auf absehbare Zeit gibt es diese Beschränkung - und jeder, der ein Mobiltelefon besitzt, kennt den Ausweg: Man tauscht einfach die Batterie aus, wenn sie leer ist, und weiter geht's.

Genau das Gleiche plant Agassis Jungfirma "Better Place" für Elektroautos. 100 Meilen weit, etwa 160 Kilometer, soll eine Batterieladung reichen, anschließend fährt man an eine E-Tankstelle von Better Place und lässt den Akku austauschen. Das soll vollautomatisch passieren und nicht mal drei Minuten dauern. Anschließend geht's weiter. Natürlich funktioniert das nur, wenn es genügend solcher Ladestationen gibt - das berühmte Henne-und-Ei-Problem.

Doch Agassi hat für seine Idee erstaunlich schnell Unterstützung gefunden: Israel, sein Heimatland, war als erstes an Bord, und inzwischen machen auch Dänemark und Australien mit. Am Donnerstag kamen die USA dazu: San Francisco soll in der größten Autonation der Welt die erste Stadt sein, die ein Netz aus Batterietankstellen bekommt.

Praktisch zeitgleich machte Rick Wagoner, der Chef der Opel-Mutter GM, wieder einmal dem Kongress in Washington seine Aufwartung, um Kreditgarantien der Regierung zu erflehen. Ohne Hilfe, warnt er zunehmend verzweifelter, könnte sein gerade 100 Jahre alt gewordenes Unternehmen demnächst Pleite sein. Im September hatte Wagoner meinem Kollegen Frank Janßen und mir noch erzählt, von Bankrottgefahr könne keine Rede sein.

Natürlich liegt Schadenfreude nah: GM hatte bereits ein zukunftsweisendes Auto - den EV-1, ein reines Elektromobil, das die Firma nur entwickelte, weil Kalifornien mit strengen Abgasvorschriften drohte. Als die Autohersteller (darunter auch Toyota, der Hybridfahrzeug-König, und die deutschen Marken) mit aggressivem Lobbyismus durchsetzten, dass die Vorschriften entschärft wurden, zog GM eilig beim EV-1 den Stecker.

Wagoner hat das im Stern-Interview damit verteidigt, dass Kunden solch ein Auto nicht wollten - schließlich war Benzin spottbillig, und alle kauften gigantische Geländewagen. Doch Topmanager werden dafür bezahlt vorauszuplanen und weiterzudenken. Davon war in Detroit bisher wenig zu sehen. GM hat immerhin seinen Volt angeschoben, der ab 2010 mit Batterie und Hilfsbenziner unterwegs sein soll - ein innovatives Konzept, das sehr vielversprechend aussieht. Aber es kommt deutlich zu spät.

Nun halten die Greise aus Detroit bei Vater Staat die Hand auf, um über die Runden zu kommen, und an der Westküste finanzieren sich reihenweise Startup-Firmen, die Elektroautos bauen wollen, privat: Tesla Motors, Aptera, Phoenix Motorcars - alle setzen auf Innovation, alle sind in Kalifornien beheimatet. Man muss kein Erzkapitalist sein, um in diesem Fall dem freien Markt die Daumen zu drücken. Und wenn der Staat eingreifen will, herzlich gern - auch die Neuen können Unterstützung gebrauchen: Eine höhere Benzinsteuer, die es teurer macht, die Umwelt zu verpesten, und zugleich Kaufanreize für saubere E-Mobile würden schon viel helfen.

Das ist kein Plädoyer, GM und seine ebenfalls angeschlagenen Brüder Chrysler und Ford über die Klippe sausen zu lassen. Zu viele Arbeitsplätze hängen an diesen Unternehmen, zu viele menschliche Schicksale. Aber das Signal an Detroit darf nicht sein: Hier habt ihr euer Geld, macht weiter wie gewohnt, gute Fahrt! Der Ölpreis fällt, Benzin ist wieder billig - es wäre den Managern zuzutrauen, dass sie flugs wieder auf Geländewagen setzen.

Wenn Milliarden nach Detroit überwiesen werden, sollte sichergestellt werden, dass neue Köpfe die Unternehmen in eine neue Richtung lenken. Es gab, als nicht ganz ernstgemeinten Vorschlag, schon die Idee, Apple-Chef Steve Jobs zu fragen, ob er nicht Lust hätte, nach Michigan umzuziehen.

Audi, BMW & Co. stehen derweil nicht viel besser da als ihre US-Konkurrenten: Sie haben über Jahre fast ausschließlich auf sauberen Diesel und die Brennstoffzelle gesetzt, die plötzlich reichlich alt aussieht. Agassi, der ehemalige Softwaremanager aus Walldorf, hat sich jedenfalls einen anderen Partner gesucht - seine Batteriemobile baut Nissan Renault.
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Kommentare

Elektroauto schoen und gut - was passiert mit den Altlasten - Fahrzeugen? 

Das fuer die Bereitstellung der Elektrizitaet gigantische Summen investiert werden muessen und das ggf. auch die Infrastruktur erheblich verbessert werden muss darueber spricht keiner.

Hier unsere Erfahrungen mit einem Plug-in Hybrid - bekannte japanische Automarke.
Extrakosten ca. 10.000 Dollar - Reichweite mit reinem Elektrobetrieb zwischen 15-22 Meilen - man kann ja nicht immer die echten Strassenverkehrsverhaeltnisse ignorieren. Verlust der Garantie des Herstellers inklusive. Lebensdauer der Batterie plus Erweiterungen vermutlich wenn es sehr gut laeuft 5-7 Jahre.
Danach geht das Modul auf den Muell, da es kaum Wiederaufbereitungseinrichtungen gibt.

gmathol | 21. November 2008, 23:37 Uhr

 

dazu kommt das man laufend liest das in California die Leute angehalten werden ihre Solarzellen abzuschalten weil das Stromnetz den gewonnenen Strom nicht aufnehmen kann, denn sonst brennen ihnen die Kabel durch.
Wollte mir auch einen Hybred kaufen, aber nachdem ich die Wartungskosten sah, verzichtete ich darauf und kaufte mir einen Mazda der 36 Highwaymiles pro Gallone faehrt.
Mann muss sich ja auch ein umweltschonendes Auto nach dem Kauf leisten koennen. Da muessten die Autoerfinder mal nachdenken.

inge_je | 24. November 2008, 13:39 Uhr

Ladezyklen 

Einer der Knackpunkte, ist die begrenzte Lebensdauer der Batterien bzw. Akkus und die heutivgen hohen Preise.
Selbst ein Laptop Akku hat nach relativ kurzer Zeit nicht mehr die ursprüngliche Ladekapazitaet. Aber im Akkubereich haben wir schon Quantensprünge erlebt.
Erinnern wir uns an die ersten Handyakkus - fast so gross wie ein Ziegelstein und am Abend leer

bengisu | 25. November 2008, 14:34 Uhr

Jaja 

Bei Fry's kann man ja immer noch ab und zu einige der guten alten RAV4 Elektroautos tanken sehen. Haette ich mir ja auch gerne gekauft, gibt es aber leider schon lange nicht mehr zu kaufen. Schade. Vielleicht hilft es ja wirklich die Entwicklung der Batterietechnik schnell voranzutreiben, indem einfach mehr Leute Hybrids/plug-in Hybrids kaufen. Solange sie dabei nicht explodieren wie die Notebooks *grins*. Viel wichtiger ist aber doch erstmal vom superschweren Truck/SUV weg zu kommen, egal womit sie befeuert werden. Small is Sexy. Schade dass es eine Rezession brauchte bis das die grosse Mehrheit der Leute hier kapierte. In Bezug auf spritfressend war Silicon Valley noch schlimmer als Redneck USA: Warum bloss einen uebergewichtigen SUV und Truck, wenn man auch noch einen uebermotorisierten Sportwagen dazu kaufen kann.

Statt bloss auf Elektroautos zu schielen sollte man aber doch auf viele Pferde setzen. Fahrradfahren, public transport, telecommuting (ist ja Silicon Valley!), natural gas (T. Boone Pickens), und, und und.

Und wenn Elektro, dann bitte schoen auch sinnvolle Stromerzeugung, also kein Sprit statt Brot, am besten noch mit mieser Ausbeute und Steuersubventionen aus Mais, oder strahlenden Muell fuer die Ewigkeit, sondern Wind, Wasser, Solar, Geothermisch, ... Hooverdam version 2: Suedkalifornien mit Hunderten von Quadratmeilen an Solarzellen vollpflastern - das haette doch was. Solar Farming!

Hoffen wir mal, dass Obama in seiner Antrittsrede eine volle Breitseite an Programmen zur Foerderung alternativer Energien und Transportsystemen startet, und dann auch den Mut hat, die Benzinsteuer dynamisch zu gestalten um das zu finanzieren. Schlimmstenfalls laeuft es zwar doch bloss auf Biosprit und Elektro-SUVs auf Detroit hinaus, aber das ist immer noch besser als drill-baby-drill am oder noch besser im Nationalpark, wie wir es mit Cheneys dritter Amtszeit bekommen haetten.

te36 | 27. November 2008, 09:14 Uhr



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