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Schöne neue Welt

Zweiter Anlauf für das $100-Laptop « » Darauf einen Cyber-Cocktail!

Haste mal 'n WLan?

Karsten Lemm | 29. April 2008 03:46 Uhr

Überall kostenlos ins Netz: Wer geben mag, darf auch nehmen.

Die Idee ist ebenso simpel wie bestechend: Wenn genügend Menschen bereit wären, ihre DSL-Verbindung per drahtlosem Internet ("WLan") mit anderen zu teilen, könnten alle, die mitmachen, kostenlos surfen, wohin sie auch kommen. Schluss mit horrenden Zugangsgebühren à la 8 Euro für 60 Minuten, mit denen Service-Anbieter wie T-Mobile in Hotels, Cafés und anderswo Millionen scheffeln.

Die spanische Firma Fon hat sich dieses Modell vom drahtlosen Geben und Nehmen einfallen lassen und bislang 190.000 Menschen in aller Welt dafür gewonnen. Damit das Ganze funktioniert, braucht jeder "Fonero" einen speziellen WLan-Router, der je nach Ausführung 15 oder 40 Euro kostet. Das Gerät verwandelt den heimischen Breitbandzugang in einen öffentlichen "Hotspot", in den sich auch Fremde einklinken können. Für Fon-Mitglieder ist das Surfen dann grundsätzlich kostenlos, alle anderen zahlen 3 Euro oder 3 Dollar (je nach Region) - und zwar pro Tag, nicht pro Stunde.

Falls das noch nicht Anreiz genug ist: Fon winkt obendrein mit einer Gewinnbeteiligung. Wer mag, kann die Hälfte der Einnahmen behalten, die Nicht-Mitglieder, so genannte "Aliens", zahlen. Bei 3 Euro pro Alien pro Tag reicht das sicher nicht zum Reichwerden, ist aber vielleicht doch genug, "um die Rechnung für den Internetzugang zu subventionieren", sagt Fon-Sprecherin Dale Taormino. Wieviel jemand verdiene, komme natürlich auf die Lage der Wohnung an. "An einem belebten Platz in der Innenstadt sind Ihre Chancen, Geld zu verdienen, deutlich höher als in einem Wohnviertel."

Alle, die so die Hand aufhalten, müssen sich im Gegenzug gefallen lassen, "Bill" genannt zu werden, in Anlehnung an den Mitgründer einer großen Softwarefirma. Denn Fon hat die Welt in drei Gruppen aufgeteilt: in Aliens, in materialistisch orientierte Mitglieder (vom Typus "Bill" eben) und in jene, die ihren Internetzugang kostenlos mit anderen teilen. Diese gemeinnützige Grundhaltung wird, frei nach dem Linux-Erfinder Linus Torvalds, mit dem Spitznamen "Linus" belohnt.

Nur 15 Prozent aller Mitglieder, berichtet Fon, fallen in die Kategorie Bill (was auf Englisch passenderweise auch Rechnung bedeutet). Alle anderen verzichten auf Zusatzeinnahmen. Das mag ursprünglich noch Sinn gemacht haben: Anfangs musste jeder Bill, der Geld kassieren wollte, im Gegenzug auch blechen, fast so viel wie ein Alien. Inzwischen aber surfen alle Fon-Mitglieder auf allen Fon-Hotspots umsonst, und so hilft jeder Linus im wesentlichen nur noch der Firma.

Was mich verblüfft, ist die Tatsache, dass Fon - oder seine Nutzer - nicht längst in Grund und Boden geklagt wurden. Denn in den meisten Fällen verbieten die Verträge von DSL-Kunden ausdrücklich das öffentliche Teilen oder gar Weiterverkaufen der Verbindung - logisch, denn Arcor, Telekom & Co. möchten ja jedem einen Anschluss verkaufen, nicht nur einem Kunden pro Mietshaus. Dennoch sagt die Fon-Sprecherin: "Auch wenn es im Grunde nicht erlaubt sein mag - es hat noch keine Klagen gegeben."

Im Gegenteil: Einige Anbieter wie etwa BT, ehemals British Telecom, arbeiten sogar mit dem WLan-Robin-Hood zusammen, indem sie DSL-Modems mit eingebauter Fon-Technologie anbieten. "Diese Firmen verstehen, dass ihre Kunden mobil sein wollen", argumentiert Taormino, "und Fon erhöht den Anreiz, sich einen Breitband-Anschluss zuzulegen."

Allerdings scheint das Konzept nicht überall gleich gut anzukommen. Am erfolgreichsten ist Fon bisher in Japan, Frankreich und Großbritannien - Deutschland hinkt noch genauso hinterher wie die USA. Liegt das an der Einstellung "Mein Internet gehört mir!" oder an zuviel Konkurrenz?

Bei mir vor der Haustür in San Francisco jedenfalls soll es schon bald an jeder Ecke einen Gratiszugang ins Internet geben - stark verspätet, denn solche Pläne gab es schon lange, aber immerhin. Ein von Google mit finanziertes Start-up namens Meraki will hier am Golden Gate beispielhaft seine neue Art von "Mesh-Netzwerk" vorführen. Dabei fungieren viele kleine Router gleichzeitig als Sender und Empfänger, was Kosten spart und auch Städten in Entwicklungsländern die Chance geben soll, flächendeckend Internet anzubieten.

Natürlich muss trotzdem jemand den eigentlichen Zugang bezahlen, und anders als bei Fon sollen das nicht einzelne Nutzer sein, sondern Meraki selbst. Die Auslagen will sich die Firma über Werbung zurückholen. Das kann nervig sein, und so gesehen ist auch dieser Service nicht umsonst - aber was soll's? Immer noch besser als die überteuerten Angebote der modernen Raubritter, die uns sonst beim mobilen Surfen in die Tasche langen.
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Kommentare

Klingt ja nett 

Aber was mache ich wenn über meinen Zugang dann der Schweinekram runtergeladen wird? Dann steht zurecht bei mir die Polizei vor der Tür und die Staatsanwaltschaft hat auch nur genau einen Ansprechpartner, mich. Die Reaktion bei deutschen Behörden will ich dann mal sehen, wenn ich mich als Linus vorstelle und Peace brother und freien Netzzugang für alle rufe..

Ich bin ja für einen freien Netzzugang aber dann müssen auch die Verantwortlichkeiten frei verteilt werden können. Ich mache hier die ganz grosse Nummer mit WPA, Anmeldung, geschlossenem Netzwerk pipapo und nebenan öffnet mein Nachbar der Welt das Tor zum Internet... scheint mir irgendwie verkehrte Welt.

twister13 | 29. April 2008, 08:10 Uhr

Deutsche Bedenken 

Solange in der deutschen Politik das Primat des Generalverdachts und der Schuldsvermutung gilt, wird sich kaum einer der deutschen Terrorverdächtigen (früher: Bürger) trauen, dieses an sich geniale Modell umzusetzen.

Schäuble, Zypries, Beckstein und Konsorten sei es gedankt, dass wir in einer Gesellschaft der Angst und des Misstrauens werden leben müssen.

slap882 | 29. April 2008, 09:27 Uhr

Ist auch nett ... 

genau das verhindert die Verbreitung in Deutschland. Es wird zwar alles mitgeloggt und ist dann dem Fon-User zuzuordnen der es war, aber das Problem ist man erst hat halt erstmal den Ärger mit den Behörden und eventuell erst mal ne beschlagnahmten Rechner bis die Unschuld bewiesen ist. Selten kriegt man dabei aber die wirklichen Kriminellen aber verhindert halt innovative Dinge wie Fon. Ich persönlich zahle auch lieber meine 3 Euro am Tag wenn ich mal über Fon rein will, als mich hier mit den Behörden rumzuschlagen wenn jemand mein Internet mißbraucht.

Frabi | 29. April 2008, 09:31 Uhr

 

@wister13,
genau das ist das problem,
der nachfolgende link sagt eigentlich alles und
somit ist das thema in deutschland zumindest gestorben.

http://www.pcwelt.de/start/sicherheit/firewall/news/148830/gericht_verpflichtet_jeden_zur_wlan_verschluesselung/

DrZoidberg | 29. April 2008, 09:31 Uhr

@DrZoidberg 

Das stimmt so nicht das Urteil geht davon aus das ein ungesicherter anonymer Zugang geschaffen wird. Dem ist bei Fon nicht so da sich der Fon-User mit seiner User-ID identifizieren muß. Es ist also kein ungesicherter anonymer Zugang möglich. Wenn Ihre Argumentation stimmen würde müßt sogar T-Online und alle anderen Anbieter ihre Hotspots in Deutschland schließen.

Einzig und alleine der Ärger den man hat, bis man seine Unschuld bewiesen hat, rechtfertigt es allerdings schon sich dem Fon-Modell zu verweigern. Leider !!!

Frabi | 29. April 2008, 11:45 Uhr

@DrZoidberg 

Prost Mahlzeit. Genau das meinte ich mit meinem Kommentar.

Aber Fon ist ein exemplarisches Beispiel für die schnelle Entwicklung unserer Zeit und das Abwägen ob man dieser schnellen Entwicklung den Weg freiräumt oder bürokratische Fallstricke gespannt von Lobbyisten und Beamten lieber mag.

Klar ist es ein Unding das Pornographie mit Minderjährigen, irgendeine Nazisuppe oder der Stundenplan für den Bombenbastler frei im Netz umeinanderschwebt. (Ob Musik zu sharen wirklich ein Verbrechen ist, darüber kann man gerne diskutieren.)

Auf der anderen Seite müssen wir uns fragen ob das nicht der Preis dafür ist, wenn wir Entwicklungen die an sich gut sind vorantreiben wollen.

Die Welt ist nicht perfekt, es gibt keine absolute Sicherheit und es werden immer wieder Systeme missbraucht werden. Egal wann und wo und wie. Der wirklich Kriminelle kann auch mit ein wenig Ahnung jede WEP Verschlüsselung knacken. Dann ist der Besitzer auch dran, selbst wenn er etwas dagegen getan hat.

Aber der Gesetzgeber wird es dann bereit sein mehr Freiheit zu gewähren wenn es volkswirtschaftliche Auswirkungen hat. Ist nicht zu ändern.

twister13 | 29. April 2008, 11:51 Uhr

Der erste Satz besagt eigentlich schon alles: 

Warum sollte ich meine W-Lan-Zugänge mit anderen Menschen teilen, wenn sich auf diese Weise die Nutzungsergebnisse unter Umständen bei mir zum Schaden anhäufen. Dazu kommt noch, dass der geldwerte Vorteil nicht bei mir sondern bei der Telefongesellschaft landet. Alles andere ist Augenwischerei.

leichtschwer | 29. April 2008, 11:57 Uhr

Die Frage ist ... 

wann sich mobiles Internet endlich als kostengünstige Alternative anbietet, also, wann die Preise runtergehen werden. Die Technologien sind ebenso bereits vorhanden und ja schon im Gebrauch, bsp per Handy oder Web'n Walk.

Ausserdem ist WLAN wirklich nur in Städten flächendeckend vorhanden. Ich habe bei mir schon das Problem 10 Meter entfernt durch eine dicke Mauer mit entsprechende Signalstärke durchzukommen.

MrPommeroy | 29. April 2008, 12:21 Uhr

@ slap882 

"Schäuble, Zypries, Beckstein und Konsorten sei es gedankt, dass wir in einer Gesellschaft der Angst und des Misstrauens werden leben müssen."

Das habt Ihr nur Euch selbst zu verdanken. You have choices, oder?

jockel_us | 29. April 2008, 18:20 Uhr

@jockel_us 

Schäuble ist CDU, Zypries SPD und Beckstein CSU. Wenn soll man den wählen?? Die Grünen.. schallendes Gelächter macht sich breit.... Frau Roth als Bundeskanzlerin?? Die fleischgewordene Betroffenheit?? höhö welch ein Alptraum? Die Linken?? Die wollen die Stasi wieder einführen, dann lieber den BND. Bleibt noch die FDP. Kommt leider nie über 12% also auch nicht wirklich ein Ausblick.

Auswandern?

twister13 | 29. April 2008, 21:45 Uhr

Wirklich so problematisch? 

Ist FON rechtlich wirklich wo problematisch?

1. "Schweinkram"
Dass es unschön ist, wenn jemand über meinen Internetzugang illegale Dinge tut, ist klar. Aber führt das für mich wirklich zu Problemen? Bei FON wird genau registriert, wer (bei der Anmeldung werden alle Daten erfasst) wann über meinen Zugang surft. Damit sollte es mir möglich sein, stets nachzuweisen, wer unrechtmäßig im Netz war.
Verantwortlich für den Verkehr der über meinen Anschluss läuft bin ich meines Erachtens nur, wenn ich nicht eindeutig nachweisen kann, wer es war...

2. AGB der Provider
Bin zwar kein Fachmann, habe aber mal in den AGB meines Providers nachgeschaut und da steht drin, dass die Öffnung des Zugangs für Dritte nur "für gewerbliche Nutzung" untersagt ist. Solange man als "Linus" dabei ist, sollte also auch das kein Problem sein.

Also werde ich wohl mal über legen, ob ich nicht der FON-Gemeinde beitrete.

cybertom | 30. April 2008, 15:09 Uhr

 

Ich stell hier in Berlin mein Tele2 DSL schon über Fon zur Verfügung! :)

john83 | 18. Juli 2008, 17:15 Uhr

 

Mit ner anständigen Datenkarte für UMTS oder HSDPA sch****t man doch auf Wlan. ;)

frankster | 19. Mai 2009, 12:27 Uhr

 

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frankster | 19. Mai 2009, 12:29 Uhr



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