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Die Lizenz zum Kopieren? Von wegen...

Karsten Lemm | 07. Januar 2009 22:54 Uhr

Auch wenn bei iTunes nun scheinbar alle Schranken fallen: Die Musikindustrie schützt sich weiter vor Piraten - nur auf versteckten Wegen.


iTunes-CopyrightMeine Lieblingsband im Augenblick heißt The Last Shadow Puppets, und ihre Ohrwürmer wie "My Mistakes Were Made For You" finde ich so ansteckend, dass ich sie am liebsten allen Freunden, die einen ähnlichen Geschmack haben, auf den iPod schieben würde, damit sie hören können, wie toll die Band ist. Glaubt man den Jubel-Berichten zu Apples Ankündigung, künftig sämtliche Lieder im iTunes-Laden ohne Kopierschutz zu verkaufen, dann dürfte ich das auch. Die New York Times etwa vermeldet heute: "Sie wollen Musik kopieren? Bitte gern, sagt Apple".

Die flapsige Schlagzeile hat leider einen Haken: Sie ist irreführend - und kann potentiell richtig Ärger bringen.

Denn die Tatsache, dass ein Song ohne Kopierschutz verkauft wird, heißt nicht, dass man ihn auch nach Lust und Laune kopieren darf. Das mag widersinnig klingen, ist aber in Wahrheit nicht überraschend: Natürlich will die Musikindustrie ihre Lieder weiter verkaufen, und natürlich haben die Musiker ein Recht, für ihre Arbeit bezahlt zu werden. (Die Debatte, ob das unbedingt über CDs und Downloads passieren muss, ersparen wir uns an dieser Stelle.)

Daher heißt der Kopierschutz, wenn man's pingelig-genau nimmt, auch "digitales Rechtemanagement", kurz DRM. Das DRM regelte bisher - auf technischem Wege - was wir mit geschützten Dateien anfangen können, und zwar ebenfalls pingelig-genau: fünfmal auf CD brennen ist OK, aber bitte nur auf drei unterschiedlichen Rechnern abspielen, nicht aufs Handy übertragen und so weiter und so lästig. Kein Wunder, dass BitTorrent und andere Piraten-Dienste in nullkommanichts Napster beerbten und die Musikindustrie weiter weitgehend in die Röhre schaute.

Gewiss, Apple hat inzwischen über sechs Milliarden Songs verkauft und ist damit zum größten Musikhändler der Welt aufgestiegen. Aber diese Zahl gilt für einen Zeitraum von fast sechs Jahren, und verglichen mit den vielen Milliarden an CDs, die Plattenfirmen (damals durfte man sie noch so nennen) früher verkauft haben, ist das gar nichts.

Oberflächlich betrachtet, haben die vier verbliebenen großen Label - EMI, Sony, Universal und Warner - nun also die Segel gestrichen. Tatsächlich aber versteckt sich in jedem Song, der bei iTunes heruntergeladen wird, ein Erkennungsmerkmal, das direkt zum Käufer zurückführt: der volle Name, eingebettet in die sogenannten "Metadaten", die jedes Lied umschließen wie digitales Einwickelpapier.

Was da steht, kann jeder selbst nachlesen: Es genügt, einen Song von iTunes, der als "iTunes Plus", also ohne Kopierschutz, verkauft wurde, in einem Textverarbeitungsprogramm zu öffnen. In Word muss man womöglich etwas suchen, in meinem Beispiel hier im Bild (TextEdit auf dem Mac) sieht man meinen Namen sofort, er steht ganz oben in der Datei.

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Anwälte der Musikindustrie diesen digitalen Fingerzeig zu nutzen wissen, wenn sie der Ansicht sein sollten, dass bestimmte Nutzer ihre Musiksammlung allzu freigiebig mit anderen teilen. Das Recht, gegen solche iTunes-Kunden vorzugehen, haben sie, denn in den Nutzungsbedingungen, die jeder sofort wegklickt, weil sie länger sind als "Krieg und Frieden", verbirgt sich - kleingedruckt, wie immer - der Hinweis: "Sie dürfen die Produkte nur für Ihre persönlichen und nicht-gewerblichen Nutzungszwecke exportieren, (gegebenenfalls) brennen oder kopieren."

Das ist bei iTunes-Konkurrenten, etwa Amazon, nicht anders. In den USA verkauft der Online-Supermarkt schon seit Monaten Digitalmusik ohne Kopierschutz (ohne dass es Apple weiter gestört hätte, zum Leidwesen der Musikindustrie, die gern mehr Wettberwerb sähe) - und auch da heißt es in den Nutzungsbedingungen: "You may copy, store, transfer and burn the Digital Content only for your personal, non-commercial, entertainment use..."

Mit anderen Worten: Das muntere Austauschen von Liedern bleibt verboten - wenn man's genau nimmt. Ob es die Musikfirmen tatsächlich so genau nehmen; ob sie überhaupt eine Chance hätten, alle rechtlich zu verfolgen, die sich nicht darum scheren oder es nicht besser wissen, das ist eine andere Frage. Doch jeder, der bei iTunes & Co. einkauft, sollte wissen, dass in jedem Lied, das er oder sie herunterlädt und womöglich weitergibt, der eigene Name verborgen ist. Und deshalb bleiben die Last Shadow Puppets auf meinem eigenen iPod - aber eine coole Band sind sie trotzdem.
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Kommentare

Thanks 

danke für den Musiktipp. Den Song "My Mistakes Were Made For You" finde ich klasse!

Tigerfell | 13. Januar 2009, 17:16 Uhr



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