Sprachschockstarre, gelöst (85.)
Veröffentlicht in Abstinez,Alexander,Marie von Andreas Wrede am 03.01.2012 um 21:10 Uhr

Oder: Nach längerer Abstinenz ist der getrennte Papi wieder da.

Worum es heute geht: eine kurze persönliche Erklärung, eine rasante Entwicklung, eine wahrhafte Legende, ein wirklicher Knaller und eine unzertrennliche Geschwisterliebe.

Also, da wäre er wieder, der getrennte Papi, nach doch einiger Zeit der schöpferischen Pause. Die auch dadurch bedingt war, dass ich einfach sehr viel zu arbeiten hatte in letzter Zeit und mir die Muße fehlte, den getrennten Papi fortzusetzen. Nun begann, bekanntermaßen, ein Neues Jahr und ich finde, nun kann ich wieder weitermachen. Zumal doch, zu Recht, der eine oder die andere aufmerksame-kritisch-begleitende-wohlwollende Stimme sich beschwerte, ob der persönlichen Sang- und Klanglosigkeit der Pause.

Dafür gilt es sich hier und heute zu entschuldigen, aus ganzem Herzen und nicht auf Augenhöhe mit einer Mailbox oder so ähnlich, jedenfalls.

Und wie es nun mal ist, Alexander und Marie haben – ihrem Alter von sechs und zehn Jahren glücklicher Weise entsprechend – in den vergangenen Wochen einmal mehr eine rasante Entwicklung genommen. Obwohl er sie wirklich oft sieht und für einen getrennten Papi vergleichsweise viel Zeit mit ihnen verbringt, ist er doch immer wieder erstaunt wie rasch sich seine Kinder in ihre Zukunft aufmachen und hier, immerhin, in die 85. Folge des getrennten Papi auf stern.de.

Marie liest inzwischen, jedenfalls wenn sie will (Sie kennen das, liebe Eltern, von Ihren Kindern…), fließend und mit Freude (was den getrennten Papi als Journalisten selbstredend wahnsinnig freut). Alexander, früher doch eher zur Sprachschockstarre neigend, parliert inzwischen wie ein junges Musketier: bisweilen ungestüm, aber oft sehr witzig. Und beide zusammen entdecken sich immer mehr als sich liebende (und, logo, bisweilen, sich fetzende) Geschwister, die sich ihrer immer bewusster werden. Freilich, auch das ist oft ganz fabelhaft bei Kindern: Bei aller Fortentwicklung vermögen sie sich doch immer kindliche Rückzugsgebiete zu erhalten.

Bei Marie etwa ist es die stundenlange Beschäftigung mit Playmobil-Welten oder besser: Mit den Welten, die sie eben daraus für sich in ihrer Phantasie gestaltet. Sie möchte dann auch nur sehr ungern gestört werden, weder vom getrennten Papi, noch vom verehrten Bruder. Alexander ist – wie gefühlt wohl 99,9% seiner ihm bekannten Altersgenossen – seit geraumer Zeit im 110-igen Star Wars-Fieber, gern in jeder Variante. Von der Bettwäsche über diverse Figuren und Lichtschwerter bishin zum kürzlichen Weihnachtskalender, der diesmal beim getrennten Papi stand. Wegen einiger Zeit-Verschiebungen und Reise-Unternehmungen konnten erst im Neuen Jahr (genau: gestern) die verbleibenden sieben Türchen geöffnet werden.

Um so höher war es Alexander anzurechnen, dass er dem getrennten Papi einen wirklichen Knaller aus dem guten Stück überließ – nämlich für dessen Wohnungstür, die inzwischen fast vollständig mit Aufklebern, Bilder, Photographien, Zeichnungen bedeckt ist. Er hat mir doch tatsächlich einen Meister Yoda-Aufkleber geschenkt! Sie erinnern sich: das ist jener nur 66 cm kleine, gleichwohl im Geiste doch riesige und weise Jedi-Ritter, der Luke Skywalker in so ziemlich allem, was so wichtig ist für einen künftigen Helden, unterrichtet hat.

Allerdings hatte Yoda verdammt viel Zeit, sich seine Weisheit (und hohe Kampfes-Kunst mit dem Lichtschwerte) anzueignen, schließlich wurde er über 900 Jahre alt. Was er freilich auch in dieser Zeit nicht lernte: gewisse Grundregeln des grammatikalischen Satzaufbaus. Das wiederum ist irgendwie doch sehr menschlich und außerdem blieben Yoda’s Sätze dergestalt um so unvergesslicher unserem Gedächtnis verhaftet. Wie hätte er für dieses Mal geendet? “Back again welcome.” In diesem Sinne alsbald wieder mehr vom getrennten Papi…