Oder: Wir werden die nächsten 14 Tage jeden Tag schreiben.
Worum es heute geht: 1977, 2011, worum es damals ging und worum es heute immer noch geht, ungewohnte Aussicht, Hand in Hand, eine Torte im Schaufenster, pack’ die Badehose ein, die Acht im Bett und manchmal auch ein bisschen Ängstlichkeit und das Brotdosen-Ritual.
Der getrennte Papi hat seine Kinder nun vierzehn Tage lang und freut sich, ungewohnt, einmal jenseits der Ferien, eben nicht der getrennte Papi zu sein. Ungewohnt die vielen Spielsachen, die nun die Wohnung des getrennten Papi bevölkern: ein riesiger Star Wars-Helm, neue Kuschelhunde, Plastikflugzeuge, unzählige Playmobil-Figuren, Hot Wheels und-so-weiter-und-so-viele-unbedingt-wichtige-Mitbringsel in die Wohnung des getrennten Papi. “Das verstehst Du doch, Papi, dass wir das alles mitnehmen müssen zu Dir”, meint Marie, “vielleicht müssen wir auch zwischendurch noch mehr Spielsachen holen.” Klar, könnte sein, dass es noch nicht genug Spielzeug ist, klar.
Apropos Helm: Helm hat der getrennte Papi 1977 getragen, etwa bei den Demonstrationen gegen die Atomkraftwerke in Brokdorf und Grohnde , die vor so anderen Vorzeichen standen als die Demonstrationen für eine wirkliche Energiewende in Deutschland an diesem Wochenende 2011, in Hamburg und anderswo. Meine Kinder fanden die vielen Demonstranten jeden Alters und aus aber auch jeder gesellschaftlichen Schicht sehr bestimmt, sehr freundlich, sehr lustig. Und sie waren alle sehr bestimmt, sehr freundlich, sehr lustig – und entschlossen. Die Demos vor einigen Jahrzehnten hatten eher den Charakter der gefährlich grossen Konfrontation – damals hätte der getrennte Papi seine Kinder nicht mitgenommen.
Die ungewohnte Aussicht, nun könnte es wirklich Ernst werden mit einer neue, für unsere Kinder nicht gefährlichen Energiepolitik, gefällt auch Alexander und Marie, denn Atomkraftwerke gefallen ihnen auch nicht. “In Japan haben sie 55 davon”, weiss Marie, denn Fukoshima bleibt auch Kindern nicht verborgen. Jedenfalls gehen wir dann Hand in Hand nach Hause, also zum getrennten Papi, und weil Samstag ist, “dürfen wir zusammen das Fussballspiel schauen?” Fragt Alexander und weiss natürlich, wir schauen zu Dritt, wobei den Kindern zwischendurch die Augen zufallen, aber sie sind selbstverständlich überhaupt nicht müde, “sind wir doch nie.”
Und sie freuen sich auf’s Frühstück auf der Langen Reihe in dem Café, “da wo die Torte mit dem Brautpaar obendrauf im Fenster steht, ” sagt Alexander noch, kurz bevor er einschläft. Am nächsten Tage also ein gemütliches Frühstück bei strahlendem Sonnenschein, der uns das Gesicht wärmt und wir gehen dann noch schwimmen. Die Badehosen und der Badeanzug eingepackt und natürlich “auch die drei Wasserspritzpistolen,” erinnert Alexander seinen Papi. Obwohl die Kinder abends sehr müde sind, dauert es eine Weile bis Marie und Alexander und die sechs Kuscheltiere in den Schlaf finden.
Alexander schläft wie immer zuerst ein und Marie hat, wie in den letzten Wochen, ein bisschen Angst vor dem Einschlafen und “vielleicht kommen Einbrecher?” Nein, es kommen keine Einbrecher, süsse Marie, und der getrennte Papi streichelt sie in den Schlaf, die Schläfen werden ruhig und die beiden kleine Schläfer drehen sich ein wenig hin und her. Der getrennte Papi kann auf Zehenspitzen in die Küche schleichen und wie immer die Brotdosen für den kommenden Kindergarten- und Schultag an ihre angestammten Plätzchen stellen, ebenso wie die Wasserflaschen, es hat etwas beruhigendes sich auf den kommenden Wochenanfang irgendwie gewissenhaft vorzubereiten. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…
