Spieglein, Spieglein (99.)
Veröffentlicht in Drei ???,Gel,Klettverschluss von Andreas Wrede am 26.08.2012 um 12:23 Uhr

Oder: Kleider machen auch kleine Leute, aber in Grenzen, zum Glück

Worum es heute geht: Ein wuseliger, morgendlicher Blick in den Spiegel, ein kritischer, leicht irritierter Blick in selbigen und schließlich noch ein dritter, sicherheitshalber mit Brille.

Alexander ist zum Kindergeburtstag eingeladen und kleidet sich. Und das tut er auch heute ziemlich schnell und mit wenig ausgeprägtem Bedacht. Denn meistens hat er ein T-Shirt an (auf jeden Fall farbig), seine Lieblings-Jeans (mit den Löchern an den Knien), sehr gern verschiedene Strümpfe (fast immer ohne Löcher) und jene Schuhe (mit dreifachem Klettverschluss), die er so lange anziehen wird bis sie einfach mal zu klein sind. Jetzt könnte es also losgehen. “Ich muss eben noch Mal ins Bad, Papi!”, ruft er – ich bin neugierig und luchse frecher Weise um die Ecke.

Da steht er vor dem Spiegel und ärgert sich laut: “Die Haare stehen mir ja total zu Berge, wie seh’ ich den aus, so kann ich nicht zum Geburtstag gehen.” Um diese ziemlich endgültige Feststellung zu relativieren, schlägt der getrennte Papi vor: “Wie wäre es mit etwas Gel?” Sohnemann findet das einen sehr guten und pragmatischen Vorschlag, gesagt, getan, eine kleine Portion hier, eine kleine Portion dort. Und Alexander findet sich nun ausgehfertig und nimmt das Geschenk mit – “etwas von den Drei ???, das finden Jungs immer cool,” befindet er. Nun möchte auch Marie mal kurz ins Bad.

Okay, es könnte etwas länger werden, denn sie hat ihre langen Haare zu bürsten. Was früher kaum stattfand, will nun umso sorgfältiger erledigt werden. Immer versehen mit der Frage: “Sehen meine Haare gut aus, Papi?”. Natürlich schaut sie supergut aus, diese gelockte Mähne, wie immer, aber eine Bestätigung tut ja doch wohl und man verlässt entspannt das Haus. Das Beruhigende für den getrennten Papi ist, dass sowohl Marie wie Alexander überhaupt nicht eitel um der Eitelkeit Willen sind. Es wird also zum Glück nicht die vermaledeite Frage gestellt “Spiegeln, Spieglein an der Wand…”. Apropos, ich schau’ mithin noch kurz in den Spiegel, Brille auf der Nase, ob nun die Bartstoppeln heute rasiert werden sollten oder ob’s morgen reicht. Die Kinder meinen unisono: “Heute, denn Du piekst.” Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…