Oder: Wie schaffe ich es bloss mit meinen Kindern Schritt zu halten?
Worum es heute geht: Wo ist die Zeit, die Zeit, die Zeit, der Papi fühlt sich ein bisschen wie ein lonesome Cowboy, die Kids reiten auf den Wellen, strömender Regen, Nemo (mal anders) und Zimt & Zucker, jede Menge Ingwer, der Griff zum Telefon, Sun Bear.
Wenn der getrennte Papi gerade einige Tage seine Kinder nicht mehr sieht, wundert er sich gerade sehr, wie rasch sich Alexander und Marie gerade entwickeln. Es scheint, dass Alexander jeden Tag seinen Wortschatz um etliche Worte erweitert und der getrennte Papi zuschauen könnte, wie sein Sohn täglich wächst. Und nun wurde er von der Mutter zur Schule angemeldet, unglaublich – dabei scheint es mir, als sei er doch erst vor wenigen Tagen geboren worden. Ja, wirklich, vor wenigen Tagen ist er doch erst geboren worden, es ist noch nicht einmal fünfeinhalb Jahre her. Gott, liebe ich ihn, kann es sein, dass der getrennte Papi seinen Sohn und seine Tochter, natürlich, noch mehr liebt als ohnehin schon? Es kann sein.
Und die Tochter, Marie, ist gerade so wissbegierig, dass der getrennte Papi sich mächtig anstrengen muss, ihre vielen Fragen zu beantworten. Sie geht einerseits so sehr mit offenen Augen durch die Welt, andererseits ist sie noch so verspielt, daran erinnert sie mich – eben an mich selbst, mir ist als sähe sich der getrennte Papi vor einigen Jahrzehnten. Irgendwo zwischen den Dekaden scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, wieder die Zeit, die Zeit, die Zeit. Ich fühle mich gleichwohl in diesen Tagen wie ein lonesome Cowboy; über ein dreiviertel Jahr habe ich die Kinder nun nicht mehr täglich bei mir. Und wie der Plan nun aussehen könnte, dass ich die Kinder einmal länger bei mir habe? Keine Ahnung wie der Plan aussehen könnte, dass ich die Kinder einmal länger bei mir haben könnte.
Bis dahin wird jede Sekunde genossen mit Marie und Alexander, wie heute etwa als wir im Schwimmbad waren und gemeinsam auf den Wellen geritten sind und quietschten vor Vergnügen und das Wasser war so warm wie in der Südsee es wohl warm sein muss und der strömende Regen draußen löste sich plötzlich auf und verschwand und stattdessen schien uns die Sonne zu leuchten wie im Sommer, ach, wenn doch wenigstens der Frühling bald käme, wie haben wir den Winter über und über und wir wollen endlich wieder Sand unter den Füssen spüren und Wärme auf der Haut und eine erfrischende Brise soll uns über die Wangen streichen, Himmelherrjebitte.
Sogar eine Portion Fischstäbchen und Pommes Frites (hier im Schwimmbad heissen sie Nemo) und eine noch größere Portion Milchreis werden, gerecht durch uns Drei geteilt, werden plötzlich zu einem kleinen Urlaubserlebnis und wir vergessen sogar das enorme Lärm-Echo hier und die anderen Menschen um uns herum, die uns nicht richtig interessieren, denn nur wir Drei sind uns in diesem Moment ganz, ganz nah und deswegen rücken wir noch enger aneinander und freuen uns, dass wir uns haben – bis zum Mond und zurück, ach was, noch viel mehr! Dann rasch unter die Dusche und wir freuen uns schon wieder auf die Wohnung des getrennten Papi; da trinken wir Tee mit einem Freund, der zu Besuch kommt. Die Großen schnippeln sich jede Menge Ingwer in ihren schwarzen Tee und die Kleinen schlürfen Vanille-Roibusch aus Strohhalmen, das ist alles sehr gemütlich und ein wenig Schokolade gibt es auch noch dazu, wir sind uns einfach genug.
Übermorgen muss der getrennte Papi seine beiden Kinder dann schon wieder fortbringen und er beschliesst, wenigstens öfter mit ihnen zu telephonieren, um an ihrem Leben mehr teilzuhaben. Arg genug, dass er alltägliche Entwicklungen eben nicht immer verfolgen kann. Um so schöner, dass er die Zwei nun bei sich hat: während ich den Blog schreibe, sind Marie und Alexander eingeschlafen. Sie auf dem Stuhl, er bei mir auf dem Sofa, gleich werde ich sie ins Bett hinübertragen und noch ein wenig in die grandiosen japanischen Sun Bear - Konzerte von Keith Jarrett hineinhören, diese Aufnahmen entstanden 1976, time is running, all the time. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…
